Asphaltstraßenbau
Als erstes von bundesweit über 500 Asphaltmischwerken betreibt die Schweiger Straßenbau GmbH ihre Anlage mit erneuerbaren Energien in Form von Holzstaub nahezu CO2-neutral. Im Interview berichtet Geschäftsführer Christian Schweiger von den Herausforderungen auf dem Weg, Asphalt grün herzustellen.
Sie haben das erste Asphaltmischwerk in Deutschland gebaut, das mit erneuerbaren Energien betrieben wird. Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen?
Christian Schweiger: In meinem Heimatort Altomünster bin ich in einer Nachhaltigkeitsgruppe. Das sind Bürger, die für sich überlegen, wie wir unsere Welt im Kleinen nachhaltiger machen können. Wir haben z. B. ein Biotop gestaltet, haben verschiedene Projekte initiiert, um Müll zu vermeiden, und organisieren Foodsharing. Das sind gute Veränderungen, aber der Hebel ist natürlich nicht so riesig. Irgendwann habe ich mich gefragt, was mein größter Hebel ist, und da kam ich schnell auf die 600.000 l Heizöl, die unser Unternehmen Schweiger Straßenbau pro Jahr im Asphaltmischwerk verfeuert. Da muss es doch andere Möglichkeiten geben, dachte ich.
Und gab es welche?
Auf der Bauma, der Weltmesse für Baumaschinen in München, bin ich 2019 zum Stand der Firma Benninghoven, dem größten Hersteller von Asphaltmischanlagen in Europa. Dort habe ich nach Alternativen zu Braunkohlestaub und Heizöl als Feuerungsmethode gefragt. Ich erntete erstmal Schweigen. Schließlich wurde ich jemandem aus der Entwicklungsabteilung vorgestellt. Bald war klar, dass wir zusammen eine Anlage entwickeln wollten, die CO2-neutral arbeitet. Die Grundidee war, sie mit Holzstaub statt mit fossilen Energien zu betreiben.
Was war die größte Herausforderung?
Die Mischanlage braucht eine Holzaufbereitungsanlage, die Hackschnitzel zu Holzstaub macht. Holzstaub ist kein gängiges Brennmittel, auch der für den Prozess nötige Stromverbrauch war nicht klar. Wie fein muss der Holzstaub gemahlen sein? Rechnet sich das? Genehmigen es die Behörden? Es war Neuland, in jeder Hinsicht.

Bild 2: Rohstoff und Mahlgrad
Wurden Sie staatlich unterstützt?
Wir sind durch ein Förderprogramm des Wirtschaftsministeriums mit 1,3 Mio. € unterstützt worden. Das war super wertvoll. Wichtig wäre jetzt halt nur das Vertrauen, dass man sich auf die Rahmenbedingungen verlassen kann. Damit nicht passiert, was z. B. beim Rapsöl passiert ist. Da wurden Riesenanlagen gebaut, um aus Rapsöl Kraftstoff herzustellen. Dann fiel über Nacht die Steuerfreiheit weg und das Geschäftsmodell war tot. Bei unserem Holzstaub kann es theoretisch auch passieren, dass er nicht mehr als erneuerbare Energie eingestuft wird oder plötzlich mit einem CO2-Preis belegt wird.
Seit Anfang Juli läuft Ihre Anlage nun. Wie viel CO2 sparen Sie dadurch ein?
Schweiger Straßenbau produziert im Durchschnitt etwa 60.000 t Asphalt pro Jahr. Daraus können beispielsweise etwa 40 km Landstraße gebaut werden. Für das Mischen einer solchen Menge Asphalt wird eine bestimmte Energie benötigt. Wenn man diese mit Braunkohlestaub erzeugt, werden 2.300 t CO2 freigesetzt. Holz wiederum gilt in der Gesamtrechnung als erneuerbare Energie, weil ein Baum beim Verbrennen zwar CO2 freisetzt, aber davor über 70 oder 100 Jahre gewachsen ist und dabei das CO2 gebunden hat. Zum Vergleich: Der Durchschnittsverbrauch einer Person in Deutschland beträgt 10,8 t.
Hat Ihr Asphalt in Zukunft Vorteile bei der Ausschreibung? Gemeinden oder Unternehmer können einen von Schweiger gebauten Parkplatz dann ja als „Green Parking“ bewerben.
Momentan gibt es bei der Ausschreibung keine Vorteile. Von der EU ist wohl angedacht, dass Nachhaltigkeitskriterien bei Ausschreibungen künftig eine Rolle spielen, aber das ist noch nicht konkret. Das einzige Kriterium bei öffentlichen Aufträgen ist derzeit der Preis.
Ist CO2-neutraler Asphalt teurer?
Durch die CO2-Abgabe auf fossile Kraftstoffe ist es derzeit günstiger, Asphalt mit Holzstaub herzustellen als mit Heizöl. Wenn ich optimistisch rechne, kommt uns der fertige Holzstaub umgerechnet in Heizölgleichwerten auf 50 Cent/l, während Heizöl derzeit etwa 75 Cent/l kostet. Es dauert natürlich, bis sich diese Investitionen amortisieren. Die Zeit spielt uns aber in die Hände, da die CO2-Steuersätze weiter steigen werden.
Ist Ihr Modell auch für andere anwendbar?
Das war die Idee. Der Anlagenbauer hat unser Konzept bei der letzten bauma ausgestellt und will jetzt schauen, dass er das System noch öfter verkaufen kann. Wir wurden vom Freistaat Bayern auch deshalb gefördert, um ein Best-Practice-Modell zu schaffen. Im Vergleich zu anderen Mischwerken sind wir sozusagen die kleinen Gallier. Es wäre schön, wenn sich die Großen von uns inspirieren lassen würden. Es waren auch schon welche bei uns im Betrieb.
Es gibt derzeit etwa 600 Asphaltmischwerke in Deutschland. Werden diese in zehn Jahren alle fossilfrei betrieben?
Die Braunkohleförderung in Deutschland läuft 2038 aus. Mit dem CO2-Preis auf Braunkohle, der ja steigen wird, sollte sie schon früher nicht mehr wirtschaftlich sein. Die ganz große Frage ist, was passiert, wenn überall, wo Prozesswärme benötigt wird, auf Holz umgestellt werden würde. Das kann nicht die Lösung sein. Holz als Brennstoff ist aber ein wichtiger Zwischenschritt zur CO2-Neutralität. Noch besser wäre es, wenn man es verbaut statt verbrennt. Wir müssen aber jetzt endlich mal anfangen, CO2 aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen zu vermeiden. Deshalb kann das jetzt der richtige Schritt für viele Fälle sein. Mein Eindruck ist, dass wir in Deutschland oft versuchen, die endgültig perfekte Lösung zu finden, statt erstmal das Bessere, aber nicht Perfekte zu tun. Ich finde diesen Perfektionsanspruch auch gefährlich, weil damit verhindert wird, dass mögliche Zwischenschritte zur Verminderung von Treibhausgas-Emissionen kurzfristig umgesetzt werden.
Interview: Lisa Faller
Allgemeine Fakten zum Thema CO2-Emissionen
- Der CO2-Ausstoß beim Mischen von Asphalt gehört zum Sektor der industriellen Emissionen und fällt unter die Kategorie der Prozessemissionen.
- Bei der Herstellung von Asphalt entsteht CO2 hauptsächlich durch den Energieverbrauch während des Mischprozesses.
- Gemäß dem Expertenrat für Klimafragen wurden im Jahr 2022 vorläufig insgesamt 746 Mio. t Treibhausgase in Deutschland emittiert. Die Industrie rangierte mit 164 Mio. t an zweiter Stelle als Quelle für klimaschädliche Gase, direkt hinter der Energiewirtschaft.
Weitere Informationen
Schweiger Strassenbau GmbH
85250 Altomünster
www.schweiger-strassenbau.de