Asphaltstraßenbau

EPD und digitale Produktpässe sorgen für einen strukturellen Wandel im Asphaltbau

Die Anforderungen an Nachhaltigkeit und Transparenz im Bauwesen steigen spürbar – und damit auch die Bedeutung von Umweltproduktdeklarationen (EPD). Wie auf den Asphalttagen in Berchtesgaden deutlich wurde, entwickeln sich EPD zunehmend vom optionalen Nachweis hin zu einer grundlegenden Voraussetzung im Wettbewerb. Hintergrund ist ein wachsender regulatorischer und marktwirtschaftlicher Druck. Die Baubranche verursacht ca. 30 % des globalen Abfallaufkommens und etwa 11 % der Treibhausgasemissionen durch Baustoffe. Gleichzeitig stehen neue Vorgaben auf europäischer Ebene bevor: Die EU-Bauprodukteverordnung (CPR) wird künftig eine umfassendere und standardisierte Erfassung von Umweltwirkungen verlangen. Auch Lebenszyklusanalysen (LCA) werden zunehmend verpflichtend. 

Parallel dazu steigt die Nachfrage aus dem Markt. Öffentliche Auftraggeber, Investoren und Zertifizierungssysteme verlangen zunehmend belastbare Umweltkennzahlen. In der Praxis zeigt sich bereits heute: Produkte ohne EPD haben es in Ausschreibungen zunehmend schwer.

Hoher Aufwand – neue Lösungsansätze
Die Erstellung von EPD ist bislang mit erheblichem Aufwand verbunden. Klassische Prozesse dauern häufig sechs bis zwölf Monate und verursachen Kosten im fünfstelligen Bereich. Ursachen sind u. a. unstrukturierte Datengrundlagen, komplexe Abstimmungsprozesse sowie lange Verifizierungszeiten.

Digitale Lösungen setzen genau hier an. Durch strukturierte Datenerfassung, automatisierte Berechnungen und standardisierte Abläufe lassen sich EPD deutlich schneller und kosteneffizienter erstellen. Erste Anwendungen zeigen, dass sich der Prozess auf wenige Wochen verkürzen lässt – ein entscheidender Vorteil vor dem Hintergrund steigender Nachfrage.

Asphalt im Fokus: Aktivitäten des DAV
Auch im Asphaltstraßenbau wurden bereits wichtige Grundlagen geschaffen. Der Deutsche Asphaltverband (DAV) hat in den vergangenen Jahren die Entwicklung spezifischer Produktkategorieregeln (PCR Teil B für Asphalt) vorangetrieben und entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen.

Dazu gehörten u. a. die Einbindung zentraler Akteure aus Verwaltung, Forschung und Praxis sowie die Entwicklung von Durchschnitts-EPD für Asphaltmischgut. Ziel ist es, belastbare und vergleichbare Datengrundlagen für die Branche zu etablieren und die Integration in nationale und europäische Regelwerke sicherzustellen. 

Vom Nachweis zum strategischen Instrument
EPD erfüllen längst nicht mehr nur eine Dokumentationsfunktion. Sie werden zunehmend zu einem strategischen Instrument für Unternehmen. So ermöglichen sie fundierte Produktvergleiche und Benchmarking, gezielte Optimierung von Mischgütern und Herstellprozessen sowie Unterstützung im Vertrieb durch transparente Umweltkennzahlen. Auch zur Vorbereitung auf den digitalen Produktpass (DPP), der künftig eine zentrale Rolle im europäischen Binnenmarkt spielen wird, sind EPD unerlässlich.

Unternehmen, die frühzeitig in entsprechende Prozesse investieren, können sich Wettbewerbsvorteile sichern – insbesondere in einem Marktumfeld, das zunehmend von Nachhaltigkeitskriterien geprägt ist.

Fazit
Die Entwicklung ist eindeutig: Umweltproduktdaten werden zum zentralen Bestandteil des Bauens. Für den Asphaltbau bedeutet dies einen strukturellen Wandel – weg von punktuellen Nachweisen hin zu durchgängigen, digitalen Datenprozessen.

EPD sind dabei der erste Schritt. Mit dem digitalen Produktpass steht bereits die nächste Stufe bevor.

Peter Strohbach