Brücken- und Infrastrukturbau
Am 16. Mai dieses Jahres veranstaltet die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zusammen mit dem Bundesverband Verkehrssicherheitstechnik e. V. (BVST) den Workshop „Restnutzungsdauerverlängerung von Brücken“. Im Vorfeld dieser Veranstaltung – über deren Ergebnisse in der Juni-Ausgabe der Straße und Autobahn berichtet wird – sprachen wir mit Dr. Carl Richter, Abteilungsleiter Ingenieurbauwerke bei der BASt.
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Nach seinem Studium zum Bauingenieur an der RWTH Aachen war Carl Richter noch bis 2023 in verschiedenen Positionen für die RWTH tätig. Im Juli 2023 übernahm er die Leitung der Abteilung Ingenieurbauwerke der Bundesanstalt für Straßenwesen in Bergisch Gladbach. Zudem ist Richter in mehreren Fachgremien tätig. |
Sehr geehrter Herr Dr. Richter, die Verlängerung der Restnutzungsdauer von Brücken steht im Fokus des bevorstehenden Workshops am 16. Mai in den Räumlichkeiten der BASt. Warum ist dieses Thema Ihrer Meinung nach von so großer Bedeutung?
Dr. Richter: Im Bundesfernstraßennetz gibt es ca. 40.000 Brücken. Die Mehrzahl der Brücken wurde 1965 bis 1985 gebaut und ist somit etwa 40–60 Jahre alt. 4,6 % dieser Brückenbauwerke sind in einem nicht ausreichenden oder ungenügenden Zustand – ursächlich sind neben dem hohen Bauwerksalter die erheblich gestiegene Anzahl an Schwertransporten sowie die zunehmenden Achslasten. Wenn wir nicht jetzt handeln, kann es zu weiteren Brückensperrungen kommen. Dies wiederum führt zu erheblichen Verkehrsbehinderungen und gefährdet den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Die Verlängerung der Restnutzungsdauer von Brücken ist somit aus mehreren Gründen von zentraler Bedeutung. Erstens trägt sie entscheidend zur Nachhaltigkeit unserer Verkehrsinfrastruktur bei, indem bestehende Brücken länger genutzt und somit Ressourcen eingespart werden. Zweitens ermöglicht sie die Schaffung von längeren Planungszeiträumen für Ersatzmaßnahmen, was eine effizientere und vorausschauendere Infrastrukturplanung ermöglicht. Drittens spielt die Reduzierung verkehrsbeeinträchtigender Maßnahmen eine essenzielle Rolle für die Leichtigkeit des Verkehrs, insbesondere in einem wirtschaftlich bedeutenden Land wie Deutschland.
Der Workshop zielt darauf ab, vorhandene Lösungen zu beleuchten und gemeinsame Ansätze zur Verlängerung der Restnutzungsdauer von Brückenbauwerken zu erarbeiten. Wie sehen Sie die Chancen, durch einen interdisziplinären Austausch praxisnahe Lösungen zu entwickeln?
Dr. Richter: Ein interdisziplinärer Austausch ist unerlässlich, um die Komplexität der Herausforderungen im Brückenbau zu bewältigen. Durch die Zusammenführung von Experten und Expertinnen aus verschiedenen Bereichen, darunter Infrastrukturbetreiber, Universitäten, Verbände und weitere Interessengruppen, entsteht ein breites Spektrum an Perspektiven und Erfahrungen. Dieser Austausch ermöglicht nicht nur das Sammeln bereits bestehender Lösungsansätze, sondern fördert auch die Entwicklung neuer Ideen durch die Kombination unterschiedlicher Fachkenntnisse.
Welche Themen erwarten die Teilnehmenden in den fachkundigen Vorträgen und Workshops des Programms?
Dr. Richter: Die Vorträge werden sich mit den Wirkungen und Ursachen von Schädigungen an Brückenbauwerken befassen und innovative Maßnahmen sowie Forschungsprojekte zur Verlängerung der Restnutzungsdauer vorstellen. Dabei werden technische, wirtschaftliche und strategische Aspekte sowie erste Lösungsansätze betrachtet.
In den anschließenden Workshops werden konkrete Beispiele aus der Praxis reflektiert, aktuelle Hemmnisse für die Anwendung gesammelt offene Forschungsfragen ermittelt und die Teilnehmenden haben die Möglichkeit, gemeinsam mögliche Lösungsansätze zu erarbeiten. Themen wie Verfahren zur Ermittlung von Bauwerksreaktionen, die Überführung von parametrisierten Modellen in Lastmodelle sowie mögliche Verstärkungs- und Kompensationsmaßnahmen werden sicherlich eine zentrale Rolle spielen. Die Teilnehmenden können sich auf ein interessantes und vielseitiges Programm freuen.
Wer sollte sich an dieser Veranstaltung beteiligen, und welchen Beitrag erhoffen sich die Organisatoren von den verschiedenen Akteuren?
Dr. Richter: Die Veranstaltung richtet sich an einen limitierten Teilnehmerkreis, bestehend aus relevanten Akteuren im Bereich Brückenbau, einschließlich Infrastrukturbetreiber, Forschungseinrichtungen, Verbände, Ingenieurbüros und weiteren Interessengruppen. Wir erhoffen uns einen regen Austausch von Erfahrungen und Ideen, um offene Forschungsthemen zu ermitteln und gemeinsam praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Jeder Teilnehmende bringt ein einzigartiges Fachwissen mit, das einen wertvollen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Herausforderungen im Brückenbau leisten kann.
Wie können interessierte Fachleute aktiv zur Veranstaltung beitragen, und welche Art von Erfahrungen sind besonders willkommen?
Dr. Richter: Die interessierten Fachleute können sich aktiv durch die Teilnahme an den Workshops und konstruktiven Diskussionen einbringen. Da wir die Workshops in kleinen Gruppen durchführen, müssen wir jedoch die Teilnehmendenzahl begrenzen. Besonders willkommen sind Erfahrungen aus konkreten Projekten, erfolgreiche Anwendungen von Technologien oder innovative Ansätze zur Verlängerung der Restnutzungsdauer von Brücken. Die Vielfalt der Beiträge wird dazu beitragen, ein umfassendes Verständnis der aktuellen Herausforderungen zu entwickeln und praxisnahe Lösungen zu gestalten.
Leider sind keine Teilnahmeplätze mehr verfügbar. Wir werden aber im Nachgang im Rahmen eines weiteren Beitrags berichten. Für weitere Informationen kontaktieren Sie uns gerne unter bruecke@bast.de.
