Brücken- und Infrastrukturbau

Österreichs Brücken bleiben fit

Die Art der Brücken heutzutage ist sehr vielfältig. Nach Materialien kann in Holz-, Stahl-, Stein-, Beton- und Verbundbrücken unterteilt werden. In der Ausführungsform gibt es Balken-, Platten-, Hänge-, Bogen-, Fachwerks-, Schrägseil- und Spannbetonbrücken. Manche Brücken lassen sich öffnen, wie etwa die Tower Bridge in London, damit Schiffe passieren können.

Vielen Menschen fällt es manchmal aber gar nicht auf, dass sie sich gerade auf einer Brücke befinden, da die meisten Brücken klein und unscheinbar über schmale Bäche verlaufen. Allein in Wien betreut die Magistratsabteilung MA 29 über 845 Brücken (www.wien.gv.at), viele weitere Brücken in Wien stammen von den Wiener Linien, der ASFINAG und den ÖBB. Die ASFINAG betreut österreichweit über 5.800 Brücken. Damit über all diese Brücken der Verkehr unbeschwert fahren kann, ist es unumgänglich, die Brücken laufend zu erhalten. Damit der jeweilige Sanierungsbedarf erkannt werden kann, werden Spezialisten eingesetzt, um den Zustand der Brücken zu erfassen.

Die Österreichische Forschungsgesellschaft Straße – Schiene – Verkehr (FSV) ist maßgeblich in der Standardisierung von Richtlinien im Bereich des Straßen- und Eisenbahnwesens beteiligt und bekannt für gute technische Lösungen. Das Richtliniennetzwerk der FSV umfasst eine ganze Richtlinien-Serie über das Monitoring von Kunstbauten, zu denen auch die Brücken zählen. Schon die ASFINAG hat bei Ausschusssitzungen betont, dass die Neugestaltung von Brücken zurückgeht, die meisten Straßenstrecken sind fertiggestellt, somit liegt der Arbeitsschwerpunkt immer mehr auf der Erhaltung der Brücken.

Bild 2: Bewertungssystem (Quelle: FSV)

In den Richtlinien wird von laufenden Überwachungen, Kontrollen und Prüfungen gesprochen. Der Unterschied liegt in den unterschiedlichen Häufigkeiten und Prüfungstiefen, aber bei jeder Brücke sollten die Richtlinien angewendet werden. Nur, wenn Kunstbauten regelmäßig und sachkundig überwacht, kontrolliert und geprüft werden, können auftretende Schäden in Brücken rechtzeitig bemerkt werden. Zur groben Beurteilung der Zustandserfassung wurde ein Schulnotensystem entwickelt, welches von 1, keine oder geringe Schäden, bis 5, schwere Schäden, reicht. Im Falle der Note 5 muss eine Brücke eventuell für den gewöhnlichen Verkehr gesperrt werden, bis die Schäden repariert wurden.

Es wird empfohlen, laufende Überwachungen alle 4 Monate durchzuführen. Zur Bewerkstelligung der Bauwerksüberwachung bzw. -prüfung sind Spezialkräfte erforderlich, die neben jahrelanger Erfahrung im konstruktiven Ingenieurbau auch darin geschult sind, Mängel bzw. Schäden zu erkennen und richtig zu deuten. Daher muss mit aller Deutlichkeit erwähnt werden, dass regelmäßige Schulungen für Brückeninspektoren unabdingbar sind. Die FSV bildet jährlich rund 90 Brückeninspektoren aus bzw. weiter, um das Niveau hoch zu halten. Die eigenen Richtlinien bilden dabei die Basis der Schulungen.

Das geschulte Personal prüft das Bauwerk auf Funktionstüchtigkeit und Verkehrssicherheit der Fahrbahn und der Brückenausrüstung (Geländer, Lärmschutz, Fahrzeug-Rückhaltesysteme) sowie äußerlich feststellbare Mängel am Tragwerk und im Bereich der Brückenwiderlager. Jedes Bauwerk wird anhand des vorher erwähnten Bewertungssystems beurteilt, bei aufgetretenen Schäden hat der Straßenbetreiber Maßnahmen zu ergreifen, um die Qualität des Brückenbauwerks wieder zu erhöhen.

Für den Fall, dass eine Brücke mit kleinen Maßnahmen nicht mehr zu retten ist, kann nur mehr ein Ersatz-Neubau erfolgen, um die Verkehrstüchtigkeit einer gesamten Strecke zu erhalten.

Weitere Informationen
Österreichische Forschungsgesellschaft Straße – Schiene – Verkehr
A-1040 Wien
www.fsv.at