Brücken- und Infrastrukturbau
Der ADAC hat bei fünf Brücken simuliert, was eine Vollsperrung für Pkw- und Lkw-Fahrer, Anwohner und die Umwelt bedeuten würde. Und wie hoch der volkswirtschaftliche Schaden wäre, wenn zu spät saniert oder neu gebaut wird.
Die Bedeutung von Brücken im deutschen Fernstraßennetz kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Eine aktuelle Untersuchung des ADAC zeigt, welche weitreichenden Folgen Vollsperrungen von Brücken für den Verkehr und die Volkswirtschaft haben können. Brücken sind essenzielle Bestandteile der Verkehrsinfrastruktur und spielen eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des Verkehrsflusses. Die Untersuchung des ADAC, durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro PTV Transport Consult GmbH, simulierte die Auswirkungen von Vollsperrungen an fünf bedeutenden Brücken im Fernstraßennetz. Diese Brücken stehen auf der bundesweiten Sanierungs- und Neubauliste weit oben und sind von zentraler Bedeutung für den Verkehr.
Enormer volkswirtschaftlicher Schaden
Die Norderelbbrücke auf der A 1 in Hamburg wird täglich von 125.000 Fahrzeugen genutzt. Eine Vollsperrung würde zu 150 Mio. Extrakilometern jährlich führen, was einen volkswirtschaftlichen Schaden von 334 Mio. € pro Jahr verursachen könnte. Die Friedrich-Ebert-Brücke auf der A 565 in Bonn, die täglich von 120.000 Fahrzeugen überquert wird, würde bei einer Sperrung 50 Mio. km Umwege jährlich verursachen und einen volkswirtschaftlichen Schaden von 170,2 Mio. € pro Jahr nach sich ziehen. Die Donaubrücke Sinzing auf der A 3 bei Regensburg würde bei einer Vollsperrung Umwege über die A 93 und A 6 erfordern, was einen volkswirtschaftlichen Schaden von 75,2 Mio. € pro Jahr bedeuten würde. Die Böllinger Talbrücke auf der A 6 bei Heilbronn würde durch erhöhtes Verkehrsaufkommen im Großraum Heilbronn einen volkswirtschaftlichen Schaden von 171,6 Mio. € pro Jahr verursachen. Die Agra-Brücke auf der B 2 bei Leipzig würde zwar nur einen volkswirtschaftlichen Schaden von 14 Mio. € pro Jahr verursachen, wobei die Folgen für Anwohner jedoch deutlich spürbar wären.
Bild 2: Wichtig für alle, die über den Rhein müssen: Die Friedrich-Ebert-Brücke Bonn-Nord (Foto: dpa / Jochen Tack)
Die Untersuchung verdeutlicht die dringende Notwendigkeit, in die Sanierung und den Neubau von Brücken zu investieren. Der Verkehrspräsident des ADAC, Gerhard Hillebrand, betont die Bedeutung der Nutzung der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel aus dem Sondervermögen, um die Erneuerung von Bauwerken zu beschleunigen. Mit jedem Jahr, das ungenutzt verstreicht, steigen die Risiken für Folgeschäden und damit die Belastungen für Autofahrer, Anwohner und die Volkswirtschaft erheblich.
Rahmedetalbrücke dient als schlechtes Beispiel
Die Rahmedetalbrücke auf der A 45 bei Lüdenscheid ist ein weiteres Beispiel für die Folgen von Verzögerungen bei der Brückensanierung. Diese Brücke wurde 2021 gesperrt und 2023 gesprengt, aber die Ersatzbrücke soll erst im Frühjahr 2026 fertiggestellt werden. Die Kosten für die neue Brücke werden auf etwa 170 Mio. € geschätzt, doch der volkswirtschaftliche Schaden durch die jahrelange Vollsperrung der alten Brücke dürfte deutlich höher sein. Diese Verzögerungen verdeutlichen die Notwendigkeit einer proaktiven Herangehensweise an die Instandhaltung und Erneuerung von Brücken.
Auswirkungen auf Umwelt und Anwohner
Die Auswirkungen von Brückensperrungen sind vielfältig und betreffen nicht nur den Verkehr, sondern auch die Umwelt und die Lebensqualität der Anwohner. Längere Fahrzeiten führen zu einem erhöhten Kraftstoffverbrauch und damit zu höheren CO₂-Emissionen. Dies hat negative Auswirkungen auf die Umwelt und trägt zur Verschärfung des Klimawandels bei. Zudem werden die Anwohner der Ausweichrouten durch den erhöhten Verkehrslärm und die Luftverschmutzung belastet. Diese Faktoren müssen bei der Planung und Durchführung von Brückensanierungen berücksichtigt werden, um die negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Lebensqualität der Menschen zu minimieren.
Fazit: Neue Brücken braucht das Land
Die ADAC-Studie zeigt, dass die wirtschaftlichen Kosten von Brückensperrungen erheblich sind. Die zusätzlichen Fahrzeiten und Umwege führen zu einem erhöhten Zeitaufwand für die Verkehrsteilnehmer, was sich negativ auf die Produktivität auswirkt. Unternehmen, die auf eine effiziente Logistik angewiesen sind, können durch die Verzögerungen in ihrer Lieferkette beeinträchtigt werden. Dies kann zu finanziellen Verlusten führen und die Wettbewerbsfähigkeit der betroffenen Unternehmen beeinträchtigen. Daher ist es wichtig, dass die Sanierung und der Neubau von Brücken priorisiert werden, um die wirtschaftlichen Kosten zu minimieren und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu erhalten. Die dringende Notwendigkeit, in die Erneuerung und Instandhaltung der Brückeninfrastruktur zu investieren, wird somit deutlich.
Bild 3: So weicht der Verkehr aus bei einer Vollsperrung der Friedrich-Ebert-Brücke – Rheinbrücke Bonn-Nord (A 565)
Weitere Informationen
Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e. V. (ADAC)
D-80686 München
www.adac.de

