Brücken- und Infrastrukturbau

Baubranche vollzieht den Wandel vom Erlediger zum Partner auf Augenhöhe

Nicht nur die Branche befindet sich im Wandel, sondern auch ihr Selbstverständnis. Dies war auf dem 54. Großseminar des Verbands der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik e. V. (VDBUM) vom 10. bis 13. Februar in Willingen deutlich spürbar. Die Rekordteilnahme von 1.200 Teilnehmern an der Veranstaltung, die unter dem Motto „Brücken bauen – Zukunft gestalten“ stand, bekräftigt zudem, dass sich die vielen Herausforderungen nur durch ein starkes Netzwerk meistern lassen und der persönliche Austausch alles andere als ein Auslaufmodell ist.

Die Baubranche sei früher ein Erlediger gewesen, nun befinde sie sich im Wandel zum Partner, um die Herausforderungen dieses Landes zu bewältigen. Als entscheidendes Thema wurde die Kommunikation von Baumaschinen auf der Baustelle genannt. Der VDBUM warb an seinem Stand für die herstellerunabhängige Datendrehscheibe, die nach dem Vorbild des etablierten Agrirouters bei Mischflotten und inkompatiblen Schnittstellen eine einheitliche Verbindung schafft. Man verstehe sich als Anbieter, der die Datenkommunikation vorantreibe. Und das Generieren von Daten – in Echtzeit – sei essenziell für die Beschleunigung der Bauprozesse. 

Fehlerkultur etablieren
Bei der Podiumsdiskussion unter dem Seminarmotto „Brücken bauen – Zukunft gestalten“ wurde deutlich, dass es extrem mühsam sei, in Deutschland Baugenehmigungen zu erhalten und das man sich dies teils selbst auferlegt habe. SüdLink, das größte Infrastrukturprojekt der Energiewende, das 2028 fertiggestellt sein soll, benötigte zwölf Jahre Planungszeit. Man bringe dieses Land voran, wenn die Prozesse deutlich verkürzt werden. Es brauche Vertrauen und auch die richtigen Vertragsmodelle. Hier seien einige Märkte Deutschland schon weit voraus. Benötigt werde Tempo, Tempo, Tempo! Man beginne erst jetzt zu erkennen, mit welchen Anlagen sich die Effizienz bei den Bauprojekten steigern lasse. Die Diskutanten waren sich einig, dass es in Sachen Fehlerkultur noch Nachholbedarf auf Deutschlands Baustellen gibt. Hier bestehe zudem eine Hierarchieproblematik, auch ein Bauhilfsarbeiter müsse sich einbringen können, wenn er feststellt, dass etwas nicht funktioniert.

Auf die Frage, wie weit die Unternehmen in Sachen BIM seien, hieß es, man erlebe einen fundamentalen Wechsel in der Planungstechnologie und arbeite eng mit der DEGES zusammen, die hier schon Erfahrung gesammelt habe. Es wurde weiterhin berichtet, dass der Ausschreibungsprozess inzwischen digital vonstattengehe: Südlink funktioniere nicht ohne digitale Prozesse. Bei der Bundeswehr werden derzeit Referate eingerichtet, die sich ausschließlich mit BIM beschäftigen. Weiterbildung sei ein zentrales Branchenthema. Bei fortschreitender Digitalisierung sei es entscheidend, die Arbeitnehmer mitzunehmen: Man verlange viel, nämlich, dass sie einem neuen Tempo Schritt halten. Dies sei alternativlos, denn entweder sei man bei der Digitalisierung vorne dabei, oder man werde überrollt. In Richtung anwesende Bauunternehmen hieß es: Wenn ein Projekt ausgeschrieben werde, dann sei die Finanzierung gesichert.

Das Machen einfacher machen
Thematisiert wurde auch das Arbeitszeitgesetz. Flexibilität müsse bewahrt und ausgebaut werden. 96 % der Mitarbeiter wünschten sich Vertrauensarbeitszeit. Zum Abschluss gab es kurze Statements zur Frage: „Was müssen wir tun, damit wir in fünf Jahren diese Themen nicht mehr besprechen müssen?“. Bürokratieabbau, mehr Schnelligkeit, Priorisierung und Flexibilität wurden genannt, ebenso der Wunsch nach starken, entscheidungsfreudigen Bauherren. Mit Blick auf die zehnmonatige Haushaltssperre wurde eine überjährige Finanzierung gefordert. Darüber hinaus müsse priorisiert und sich gefragt werden: Was ist wichtig für Deutschland? „Wir müssen das Machen einfacher machen“, lautete das Schlusswort. Auffällig war die Einigkeit, die auf dem Podium herrschte. Die verschiedenen Akteure der Branche zeigten sich gut vorbereitet für die anstehenden Aufgaben. Am Zuge ist nun die Politik.

Preisträger des 13. VDBUM-Förderpreises
Am 11. Februar wurde der VDBUM-Förderpreis beim 54. Großseminar zum 13. Mal verliehen. 53 Anmeldungen für die drei Kategorien bedeuteten einen neuen Rekord. Gewinner der Kategorie „Entwicklungen aus der Industrie“ wurde der Elektro-Großfertiger SD25 80C e der Dynapac GmbH. In der Kategorie „Projekte aus Universitäten und Hochschulen“ gewann „Road2Go: GST digital“, eine Masterarbeit von Claudia Föllmer von der Bauhaus-Universität Weimar. In der Kategorie „Innovationen aus der Praxis“ konnten die drei Nominierten den Gästen der Abendgala ihre Innovationen und deren Praxisrelevanz vorstellen. Dies waren die abaut GmbH mit der „nächsten Generation der Telematik", die Adam Hörnig Baugesellschaft mbH & Co. KG mit dem „Verschub-Monitoring-System“ und die Leonhard Weiss GmbH & Co. KG mit dem „Greifersystem Bahntunnel“. Die 910 Führungskräfte der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik – auch dies ein Rekord – entschieden sich per eVoting-Abstimmungsgerät mehrheitlich für die „nächste Generation der Telematik“. Die abaut GmbH gewann mit 40,34 % der Stimmen. VDBUM-Vorstand Prof. Jan Scholten zeichnete alle Gewinner gemeinsam mit Präsident Dirk Bennje und Vizepräsident Marco Fecke aus.

Bild 2: Preisträger des VDBUM Förderpreises 2026

Tag der Arbeitskreise
Nach dem Ende des Großseminars fand bereits zum dritten Mal der „Tag der Arbeitskreise“ statt. Auch mit diesem letzten Programmpunkt wurde noch eine Bestmarke aufgestellt, denn rund 130 Interessierte nahmen an den vier Arbeitskreisen „Baulogistik“, „Elektrotechnik“, „Wasserstoff/Alternative Antriebe“ sowie „Werkstatt 4.0“ teil oder brachten sich bei der Gründung des neuen Arbeitskreises „Allgemeine Technik/Hydraulik“ ein. Die Arbeitskreise brachten nach gut dreistündigem Austausch eine Reihe von Ergebnissen mit. Der neue AK „Allgemeine Technik/Hydraulik“ hat einen Fahrplan zu den Themen Ausbildung, der Vermeidung von Umweltschäden durch Öl und Condition Monitoring erarbeitet. Auch die anderen Arbeitskreise haben Themen wie die Hochvolt-Ausbildung, die künftige Stromversorgung auf Baustellen, die optimale Werkstatteinrichtung und -planung, die Nutzung des SiteRouters oder die H2-Mobilbetankung konkretisiert, Positionspapiere erarbeitet oder angekündigt. Alle haben in den nächsten Monaten Online-Meetings vereinbart, um ihre Inhalte weiter voranzubringen.

Das 55. VDBUM Großseminar findet vom 16. bis 19. Februar 2027 erneut in Willingen statt. Da sich eine ähnlich hohe Beteiligung wie in diesem Jahr abzeichnet, empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung.

Weitere Informationen
VDBUM Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik e. V.
D-28816 Stuhr
www.vdbum.de