Fachtagung
Die 4. Münchener Verkehrslärmschutztage (MVLT) wurden vom Deutschen Verband für Lärmschutz an Verkehrswegen e. V. (DVLV e. V.) in enger Kooperation mit der VDEI-Akademie, dem VDEI-Fachausschuss KIB, mit der VSVI und der Hochschule für angewandte Wissenschaften München organisiert und veranstaltet. Nach der Pandemie konnte dieses Branchentreffen seit 2019 wieder in Präsenzform stattfinden und hat dabei mit mehr als 30 Ausstellern und über 250 Teilnehmern einen neuen Rekord aufgestellt. Interessante Fachvorträge, hochkarätige Referenten und umfassende Informationen von Fachfirmen rund um das Thema Lärmschutz an Verkehrswegen haben am 9. und 10. März die Fachwelt begeistert.
Zielgruppe der Münchener Verkehrslärmschutztage waren neben den großen Auftraggebern wie die Autobahn GmbH, die Deutsche Bahn, die in der Branche etablierten Firmen als auch politische Vertreter, Entscheidungsträger in Kommunen und Bauaufsichtsbehörden sowie Planer und interessierte Bürger.
Das Vortragsprogramm bot durch zeitliche Unterbrechungen genügend Raum zum Besuch der Ausstellung und für einen regen Austausch untereinander. Zudem wurden die Vorträge parallel in der Ausstellungsfläche live übertragen.
Bernhard Bunger, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Verbandes für Lärmschutz an Verkehrswegen – kurz DVLV - und Niederlassungsleiter der EUROVIA Infrastructure GmbH, Niederlassung TECO Schallschutz, mit Sitz in Peine eröffnete pünktlich um 9:00 Uhr die Veranstaltung. In seiner Eröffnungsrede erinnerte er an die letzten Verkehrslärmschutztage und dabei an die eindringlichen Worte eines referierenden Mediziners, der aus wissenschaftlicher Sicht sehr klar veranschaulicht hatte, welche fatalen gesundheitlichen Auswirkungen Lärm nicht nur auf unsere Lebensqualität, sondern insbesondere auf unsere Gesundheit haben kann. Deshalb, so Bunger, sind wir, wenn wir unsere Mobilität nicht aufgeben wollen, unseren nachfolgenden Generationen gegenüber verpflichtet, diesen krankmachenden Lärm deutlich zu reduzieren.
Dass der Lärmschutz in unserem Land grundsätzlich eine hohe Priorität hat, beweisen die umfangreichen Programme des Bundes und der DB AG sowohl für die Lärmvorsorge als auch in der sogenannten „freiwilligen“ Lärmsanierung. Dabei hob Bunger hervor, dass das Wort „freiwillig“ nicht gleichzusetzen sei mit „willkürlich“. Freiwillig bedeutet in diesem Fall, dass die Bürger zwar keinen gesetzlichen, dafür aber einen politischen Anspruch, auf die Umsetzung von Lärmsanierungsmaßnahmen haben.
Besondere Beachtung fand der Vortrag von Herrn Prof. Dr. Uwe Willberg, Autobahndirektion Südbayern „Lärmschutz bei der neuen Autobahngesellschaft“. Herr Willberg präsentierte dabei die neuen Herausforderungen im Lärmschutzbau an der Autobahn und demonstrierte an mehreren Beispielen, dass es sich hierbei um sehr anspruchsvolle Ingenieurbauwerke handelt, die mittlerweile in vielen Bereichen weit über 15 m Höhe erreichen und man hier nicht mehr von „einfachen“ standardisierten Lärmschutzwänden sprechen kann.
Viele Lärmschutzanlagen an Straße und Schiene sind in die Jahre gekommen. Deshalb muss man sich nun auch über einen fach- und umweltgerechten Rückbau Gedanken machen. Wie man das richtig angeht, hat Timo Herrmann von W. Markgraf GmbH & Co KG unter Beweis gestellt und dabei seinen Blick nicht nur auf die Entsorgung, sondern auch auf die Wertstoffe und Recyclingmöglichkeiten gerichtet. Er wies daraufhin, dass wir uns heute Gedanken über das Morgen machen müssen und unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit und des späteren Rückbaus die Lärmschutzanlagen dementsprechend konstruiert sein müssen.
Dipl.-Ing. Johannes Dillig, DILLIG INGENIEURE GmbH und Dipl.-Ing. Andreas Raischel, Zilch + Müller Ingenieure GmbH haben das Thema Building Information Modeling (BIM) für den Lärmschutzbau unter die Lupe genommen und über den aktuellen Status Quo berichtet und einen Ausblick in die nahe Zukunft gewagt. Im Bereich der Planung ist man bereits recht gut aufgestellt. Bei der Umsetzung der Projekte wird dann oftmals der BIM-Pfad verlassen. Die Bauherrenseite ist hier gefordert BIM selbst zu leben, um mehr Anreize diese auch auf Unternehmerseite einzusetzen, zu schaffen.
Die nächsten Münchener Verkehrslärmschutztage werden im Jahr 2025 stattfinden.
Weitere Informationen
DVLV – Deutscher Verband für Lärmschutz an Verkehrswegen e. V.
D-53113 Bonn
www.dvlv.de