Fachveranstaltung

Digitalisierung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit fest im Blick

Vom 5. bis 7. Oktober fand der Deutsche Straßen- und Verkehrskongress 2022 in Dortmund statt. Vortragsreihen zu den Themen Verkehrsplanung auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität, Aktuelle Entwicklungen in der Baupraxis, Flächenkonkurrenz bei veränderter Mobilität, Nachhaltigkeit, Querschnittsthemen Erhaltungsmanagement und BIM, Umwelt- und Arbeitsschutz sowie aktuelle Themen der Verkehrstelematik und Verkehrsdatenerfassung luden ca. 1.800 Teilnehmende, sich zu informieren und zu diskutieren.

Während der Pausen hatten die Kongressteilnehmenden ausreichend Gelegenheit, die mehr als 166 Stände der Fachausstellung „Straßen und Verkehr“ zu besuchen und sich über den neuesten Entwicklungsstand auf dem Gebiet des Ingenieurwesens in den Bereichen Verkehrsplanung, Straßenentwurf, Straßenverkehrstechnik, Baustoffe, Straßenbau, Umwelttechnik, Digitalisierung und Mobilitätsstrategie zu informieren.

Großen Anklang fand auch die Posterausstellung, wo auf über dreißig Postern der wissenschaftliche Nachwuchs aus Forschung und Verwaltung die Gelegenheit hatte, laufende Forschungsvorhaben vorzustellen. Dort kam es zu einem regen Austausch der Kongressteilnehmenden mit den jungen Akademikern.

Verkehrssektor muss klimaneutral werden
Die Gremien der FGSV gestalten in vielen Bereichen technische Regelwerke, die sich direkt auf die Klimawirkung von Verkehrswegen auswirken. Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind für die FGSV-Vorsitzende Elfriede Sauerwein-Braksiek Topthemen dieser Zeit. Die FGSV möchte ihren Beitrag zum Erreichen der Klimaschutzziele und zur Anpassung des Verkehrsangebotes aufgrund der bereits auftretenden und zunehmenden Klimafolgen leisten.

Es gibt dabei viele Stellschrauben für die Verkehrsplanung auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität. Für Prof. Jürgen Gerlach, Leiter der Arbeitsgruppe Verkehrsplanung der FGSV, der an der Bergischen Universität Wuppertal zu Straßenverkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik lehrt und forscht, muss die Politik die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Mobilität schaffen. Dazu ist ein Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs genauso dringend geboten wie der Ausbau der Elektromobilität und somit die flächendeckende Ausstattung mit einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur. Besonders in den Städten müssen zudem die öffentlichen Verkehrsflächen neu aufgeteilt werden, um bspw. das Radfahren attraktiver zu machen.

Neue Bauverfahren können Ressourcen schonen
Der Bau von Verkehrswegen verbraucht wertvolle Ressourcen, viel Energie und setzt große Mengen Treibhausgase frei. Zukünftig könnte ressourcenschonenden Bauverfahren der Vorzug gegeben werden, selbst wenn diese zunächst teurer sein können. Innovative Bauverfahren sowie die Wiederverwendung von Materialien wie Asphalt, ein Verfahren, das bereits seit vielen Jahren genutzt wird, können dazu beitragen wertvolle Ressourcen zu schonen.

Im Straßenbau ist schon heute die Recycling-Quote hoch und liegt bspw. für Asphalt bei über 90 %. So wird bei Straßensanierungen häufig der alte Straßenbelag vor Ort aufbereitet und wieder eingebaut. Dies spart vor allem Treibhausgasemissionen, da gerade der Massentransport von vielen Tonnen Baumaterial für hohe Emissionen sorgt.

Weiterhin müssen sich Arbeitsmethoden im Straßenbau ändern: Asphalt wird heutzutage meistens noch mit Temperaturen im Bereich von bis zu 230 °C eingebaut – entsprechend viel Energie wird für das Erhitzen benötigt. Dabei gibt es mittlerweile bewährte Verfahren mit niedrigeren Temperaturen, die künftig häufiger angewendet werden sollen. Entsprechend werden die technischen Regelwerke von der FGSV angepasst.

Neue FGSV-Kommission Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit ist auch das Thema einer neuen Kommission in der FGSV, die sich Anfang 2022 konstituiert hat und im letzten halben Jahr die „E Klima – Empfehlungen zur Anwendung von FGSV-Veröffentlichungen im Bereich Verkehr zur Erreichung von Klimaschutzzielen“ veröffentlicht hat. Sie enthält klimarelevante Vorgaben, Standards und Handlungsoptionen zur Berücksichtigung bei der Planung, dem Entwurf und dem Betrieb von Verkehrsangeboten und Verkehrsanlagen.

Weitere Informationen
FGSV e. V.
D-50676 Köln
www.fgsv.de