FSV
Die Ebenheit der Fahrbahn in Längsrichtung ist nicht nur für den Fahrkomfort von großer Bedeutung, denn kommt es aufgrund von Unebenheiten zwischen Reifen und Fahrbahn zu einem Kraftschlussverlust, so beeinträchtigt dies ebenso die Fahrsicherheit. Durch zunehmende Längsunebenheiten steigen auch die dynamischen Radlasten und führen zur Herabsetzung der Lebensdauer des Straßenoberbaus.
Dipl.-Ing. Roland Spielhofer
In intensiver Forschungstätigkeit in den vergangenen Jahren konnten Unzulänglichkeiten in der Bewertung der Längsebenheit, wie sie bisher in der RVS 11.06.68 beschrieben war, aufgezeigt werden. Insbesondere periodische Unebenheiten, wie sie hauptsächlich auf Betondecken vorkommen, sowie kurzwellige Unebenheiten mit geringen Amplituden waren bisher einer Bewertung nicht zugänglich, obwohl sie einerseits als deutlich komfortmindernd von Fahrzeuglenkenden wahrgenommen werden, andererseits aber auch zu relevanten dynamischen Radlasterhöhungen führen, die die Lebensdauer des Straßenoberbaus reduzieren (4.-Potenz-Gesetz). Damit ergab sich der Bedarf zu Überarbeitung bzw. Neuerstellung mehrerer Richtlinien, um diese Erkenntnisse im Regelwerk zugänglich zu machen.
Überarbeitung der RVS 11.06.68 „Technische Anforderungen bei Längsebenheitsmessungen“
Der Titel der RVS 11.06.68 wurde geringfügig abgeändert und lautet nun „Technische Anforderungen bei Längsebenheitsmessungen“. Es wurden die Anforderungen an das Messsystem „HRM-Balken“ (High speed road monitor) spezifiziert. Dabei handelt es sich um das derzeit einzige Verfahren, das in Österreich bei netzweiten Zustandserfassungen für die Erfassung der Längsebenheit in der rechten Radspur im Einsatz ist. Ebenso wurden die Anforderungen an den Messablauf und die Datenaufzeichnung, Messbericht und Qualitätssicherung, sowie die zulässigen Toleranzen für Wiederholungsmessungen festgelegt.
Neuerstellung der RVS 13.01.13 „Bestimmung von Längsebenheitsindizes“
Die neue RVS 13.01.13 „Bestimmung von Längsebenheitsindizes“ beschreibt die Be- rechnungsverfahren der beiden mathematischen Parameter bzw. Zustandsgrößen International Roughness Index (IRI) sowie Bewertetes Längsprofil (Weighted Longitudinal Profi le, WLP). Nachdem das WLP in der europäischen Norm EN 13036-5 ausführlich beschrieben ist, beschränkt sich die RVS auf eine allgemeine Beschreibung der Berechnungsschritte und trifft dort Festlegungen, wo die europäische Norm keine bestimmten Vorgaben macht.
Das betrifft die Festlegung des Parameters Welligkeit sowie die Behandlung der Abschnitte am Beginn und Ende einer Messstrecke. Ebenso werden Festlegungen für die Eingangsgrößen sowie die Auswerte-Abschnittslangen getroffen.
Überarbeitung RVS 13.01.15 „Beurteilungskriterien für Messtechnische Straßenzustandserfassung“
Auch bei dieser RVS wurde der Titel geringfügig abgeändert. Die RVS enthalt eine Tabelle zur Beurteilung von 50 m-Zustandsgrößen für die Anwendung im Pavement Management. Diese Tabelle wurde um die neuen Kennwerte ΔWLP sowie σWLPerweitert. Diese beiden Kennwerte sind das Ergebnis der Bestimmung des Längsebenheitsindex WLP (Bewertetes Längsprofil), wie er in der RVS 13.01.13 beschrieben ist und ermöglichen eine Einordnung in die etablierte Zustandsklasseneinteilung (5-stufiges Schulnotensystem) der RVS.
Die beiden visuellen Zustandsmerkmale zur Beurteilung von Oberflächenschäden und Rissen wurden aus der RVS 13.01.16 in die RVS 13.01.15 übertragen. Damit sind nun alle üblichen im Pavement Management verwendeten Zustandsgrößen inklusive Klasseneinteilung in der RVS 13.01.15 konsolidiert. Ebenso wurden die aktuellen Normierungsfunktionen für alle Zustandsmerkmale in die RVS aufgenommen und die Grenzen für die Zustandsklasseneinteilung teilweise geringfügig angepasst.
Mit der Überarbeitung bzw. Neuerstellung dieser drei Richtlinien ist die Grundlage für eine präzise Erfassung und umfassende Bewertung der Längsebenheit sowie ihre Verwendung im Pavement Management nach dem Stand der Technik gelegt.
Verfasser
Dipl.-Ing. Roland Spielhofer
roland.spielhofer@ait.ac.at
