FSV-Aktuell
Die Österreichische Forschungsgesellschaft Straße – Schiene – Verkehr (FSV) zeigte im Rahmen des FSV-Verkehrstages 2022 aktuelle Themen rund um das Verkehrswesen. Im Programm wurden einige Entwicklungen der Ausschüsse präsentiert, darunter die Berechnung von Schallemissionen und Lärmschutz, aktuelle Forschungsvorhaben für Asphalt, räumliche Linienführungen von Freilandstraßen und den Verkehrszeichenkatalog.
Frau Dipl.-Ing. Vera Hofbauer, Leiterin der Sektion IV für Verkehr (BMK), unterstützt den Weg der Politik Klimaschutz auf die Agenda diverser Organisationen im Verkehrswesen zu stellen. Klimaschutzthematik und Digitalisierungen im Verkehrswesen werden die großen Schwerpunkte in den nächsten Jahren sein, erklärte sie und erwähnte dabei auch, dass beim Bund zukünftig auch jedes Gesetz und jede Verordnung einen Klimacheck durchlaufen muss. Es wird eine große Herausforderung, bestehende bzw. neue Gesetze so zu gestalten, dass die gesetzten Ziele zu erreicht werden. Die Zeit muss gut genutzt werden, je früher mit der Adaption begonnen wird, desto besser.
FSV-Vorstandsvorsitzender Univ.-Prof. Dr.-Ing. Martin Fellendorf erwähnte, dass es in der FSV mit der Monitoring-Gruppe „Klimaübereinkommen und Verkehr“ und dem neuen Ausschuss „Photovoltaik“ zwei Expertengruppen zur Erarbeitung von Zielen und der Beurteilung der Prozesse zur Klimaneutralität vorhanden sind. Die Expertise wird in den nächsten Jahren auch in den FSV-Richtlinien sichtbar werden.
Folgend ein paar Themen, die in den Vorträgen referiert wurden:
Berechnungen von Schallemissionen und Lärmschutz
Die Umgebungslärmrichtlinie der Europäischen Union wurde mittels der RVS 04.02.11 „Berechnung von Schallemissionen und Lärmschutz“ ins nationale System Österreichs übertragen, wodurch Österreich der europäischen Forderung, die europäische Umgebungslärmrichtlinie zu ratifizieren, nachgekommen ist. Im Rahmen der strategischen Umgebungslärmkartierung ist nun die RVS verpflichtend anzuwenden, europaweit kann die Bevölkerung vergleichbare Angaben zum Umgebungslärm von Straßen erhalten. Als Basis zur Kartierung dienen Standardwerte zu Verkehrsstärken in Bezug auf Straßentypen, Fahrzeugklassen und physikalische Parameter, wie z. B. die Temperatur.
Asphaltstraßen: Aktuelle Forschungsvorhaben
Asphalt ist eine wesentliche Grundlage unserer Verkehrsinfrastruktur für Straßen, Geh- und Radwege, Flugbetriebsflächen, aber auch Betriebsflächen von Bahn- und Schiffsverkehr. Der Baustoff ist ein idealer Kandidat für die Kreislaufwirtschaft. Sowohl die Bindemittel- (Bitumen) als auch die Gesteinskomponente können nahezu 100 % mehrfach wiederverwendet werden. Damit trägt Asphalt dazu bei, begrenzte, natürliche Ressourcen und Energie einzusparen. Für eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft von Asphalt im Straßenbau, das mehrfache Recycling-Zyklen voraussetzt, muss vor allem die Alterung der Bindemittel mittels Rejuvenation rückgängig gemacht werden. Derzeit wird daran geforscht, sogenannte Additive zur Regeneration der Bindemittel zu entwickeln.
Räumliche Linienführung von Freilandstraßen
Eine gute räumliche Linienführung lässt Fahrzeuglenkern den dreidimensionalen Fahrbahnverlauf einer Straßentrasse mit den standardmäßigen Elementen der Straßenausrüstung (Längsmarkierungen und Leitpflöcke bzw. Fahrzeug-Rückhalteeinrichtungen) – auch ohne Einsatz weiterer Leitelemente (wie Leitwinkel, Leitmale u. dgl.) – eindeutig erkennen. Sie ist eine wesentliche Voraussetzung für die Sicherheit und Verkehrsqualität eines Straßenzugs und kann auch dessen ästhetische Wirkung fördern.
Verkehrszeichenkatalog – Verkehrszeichen nach der Straßenverkehrsordnung
Ab den 1960er-Jahren entstanden mehr und bessere Straßen bei stetig wachsendem Kfz-Aufkommen und höheren Geschwindigkeiten. Mit der zunehmenden Anzahl an Straßenkilometern stieg auch die Anzahl der Verkehrszeichen. Neben den bekannten Blechtafeln erfordert die aktuell wachsende Anzahl und Relevanz von LED-Verkehrszeichen weitere Neuerungen in Hinblick auf das Design von Verkehrszeichen bzw. deren Symbolik. Der erste Schritt zur Anpassung bestand in der Vereinheitlichung der Verkehrszeichen-Abbildungen. Aufgrund fehlender, detaillierter Reproduktionsvorlagen kam es bei den Herstellern zu Unterschieden in ein und demselben Verkehrszeichen, was in Folge zu juristischen Auseinandersetzungen führte. Mit Verbindlicherklärung der RVS 05.02.15 „Verkehrszeichenkatalog“ im Jahr 2021 sind nun digitale Reproduktionsvorlagen vorhanden, die eine österreichweite, einheitliche Darstellung der Verkehrszeichen möglich macht.
Der nächste FSV-Verkehrstag findet im Juni 2023 statt.
Weitere Details und Themen finden Interessierte unter www.verkehrstag.at.
Dipl.-Ing. Martin Car
Generalsekretär der FSV