Interview
Im Zuge der Vorschau auf die im September in Leipzig stattfindenden und von der FGSV veranstalteten Asphaltstraßentagung 2021 sprach Straße und Autobahn mit Dipl.-Ing. Bernd Nolle, Direktionsleiter für Deutschland/Schweiz/International der TPA GmbH, u. a. über die Gremienarbeit in Corona-Zeiten sowie die Herausforderungen und künftigen Veränderungen im Asphaltstraßenbau hinsichtlich Einhaltung von Klimaschutzzielen.
Die Asphaltstraßentagung im September in Leipzig wirft Ihre Schatten voraus. Wie groß ist die Freude, endlich wieder an einer Präsenzveranstaltung teilzunehmen?
Bernd Nolle: In den letzten rund 1,5 Jahren war die Kommunikation im Tagesgeschäft sehr stark und in der Gremienarbeit fast ausschließlich auf Telefon und digitale Medien beschränkt. Wir haben gelernt, dass damit sehr vieles möglich ist, aber die persönlichen Kontakte und Gespräche sind damit nicht zu ersetzen.
Daher freue ich mich sehr, dass aufgrund der derzeit sehr niedrigen Inzidenzzahlen Präsenzveranstaltungen wieder möglich sind, selbstverständlich unter Einhaltung der geltenden Hygienemaßnahmen und mit einer Deckelung der Teilnehmerzahlen.
Bei einer Abfrage des Meinungsbildes zu einer Präsenzveranstaltung bei allen Mitgliedern der Arbeitsgruppe 7 „Asphaltbauweisen“ und den Teilnehmern der letzten Asphaltstraßentagung waren die Rückmeldungen fast durchweg positiv. Offensichtlich freuen sich die meisten Kolleginnen und Kollegen ebenso wie ich darauf, sich endlich wieder treffen und austauschen zu können und natürlich auch zu erfahren, was sich denn in den letzten beiden Jahren in der in der AG 7 getan hat.
Sie sind seit 2011 Arbeitsgruppenleiter ders AG 7 „Asphaltbauweisen“ innerhalb der FGSV. Wie hat dieer AG 7 in der Corona-Zeit zusammengearbeitet? Was waren Ihre Beobachtungen während der Pandemie hinsichtlich der Zusammenarbeit?
Bernd Nolle: Die Corona-Pandemie hat dazu beigetragen, dass sich die Nutzung digitaler Medien für online-Meetings sehr rasch verbreitet hat. Ich muss zugeben, dass ich vor Corona, wie viele andere Kolleginnen und Kollegen auch, von diesen Möglichkeiten kaum Gebrauch gemacht habe. Aber nun wurden sie plötzlich alternativlos.
Die Geschäftsstelle der FGSV hat hier sehr schnell reagiert und den Gremien bereits im April 2020 eine Möglichkeit für Online-Meetings zur Verfügung gestellt. Diese Möglichkeit wurde auch schnell angenommen. Viele Gremien haben sogar die Sitzungszahl erhöht, da sich der Zeitaufwand für die Gremienmitarbeiter aufgrund der entfallenden Reisezeiten wesentlich reduziert hat.
Insofern wurde – und wird, wir sind beileibe noch nicht durch – auch in der Corona-Zeit die Gremienarbeit intensiv weitergeführt. Ich gehe davon aus, dass die Möglichkeit von Online-Meetings auch künftig genutzt werden wird, aber der persönliche Kontakt, das direkte Gespräch, gerade bei schwierigen Themen mit divergierenden Meinungen, und davon haben wir genug, ist durch Online-Meetings nicht zu ersetzen.
Und wenn Sie auf die Arbeitsergebnisse zurückblicken: In welchen Punkten sind Sie gut vorangekommen bzw. mit welchen Ergebnissen sind Sie besonders zufrieden?
Bernd Nolle: Die umfassende Fortschreibung der technischen Regelwerke für Asphalt (TL Asphalt-StB, TL AG-StB, ZTV Asphalt-StB, ZTV BEA-StB), die sich auch auf die TL Bitumen-StB bzw. die neu zu erarbeitende TL VBit-StB, die TP Asphalt-StB, die ZTV-ING und weitere Regelwerke auswirkt, biegt gerade auf die Zielgerade ein und wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass dieses Paket zur Bausaison 2023 zur Verfügung stehen soll. Darauf können wir stolz sein und ich möchte mich an dieser Stelle auch bei allen Kolleginnen und Kollegen bedanken, die dabei sehr engagiert mitwirken.
Wenn wir einen Ausblick wagen dürfen: Welche wichtigen Projekte schreiten in der Umsetzung voran? Wo liegen Herausforderungen? Und wie wird sich der Asphaltstraßenbau gemessen an Klimaschutzzielen in Ihren Augen verändern?
Bernd Nolle: Die Reduzierung von Dämpfen und Aerosolen bei der Heißverarbeitung von Bitumen ist sicher eine der größten Herausforderungen, die die Asphaltbranche derzeit zu meistern hat.
Die AG 7 der FGSV hat darauf unter anderem durch die Gründung der Ad-hoc-Gruppe 7.03 „Umweltaspekte“, unter Leitung von Dr. Verena Rosauer, reagiert. In der Ad-hoc-Gruppe geht es unter anderem darum, aufkommende Themen frühzeitig zu erkennen, um agieren zu können und nicht reagieren zu müssen.
Darüber hinaus müssen wir mit unseren Asphalten dem Klimawandel und dem gleichzeitig ständig steigenden Verkehrsaufkommen, vor allem beim Schwerverkehr, Rechnung tragen.
Das Thema Nachhaltigkeit spielt selbstverständlich eine sehr große Rolle bei unserer Arbeit. Durch die Wiederverwendung ist die Asphaltbauweise eine der nachhaltigsten Bauweisen überhaupt, da wir ganz entscheidend zur Ressourcenschonung beitragen und gleichzeitig die CO2-Emissionen reduzieren, die bei der Produktion der ungebrauchten Ausgangsstoffe für Asphalt entstehen. Wir müssen aber Sorge dafür tragen, dass das – „Wiederverwendung der 2. und 3. Generation“ – auch künftig so bleibt.
Darüber hinaus reduzieren wir durch den Einsatz von temperaturabgesenkten Asphalten nicht nur die Dämpfe und Aerosole aus der Heißverarbeitung von Bitumen, sondern auch die CO2-Emissionen bei der Produktion des Asphaltes.