Interview

Die Zukunft der Straßenausstattung gestalten

Im Hinblick auf den vom 15. bis 16. März 2023 stattfindenden Deutschen Straßenausstattertag (DeuSAT) sprach Straße und Verkehr heute mit Gregor Becker, Geschäftsführer des Industrieverbands Straßenausstattung e. V. (IVSt) und Leiter der Fachabteilung Verkehrszeichen.


Sehr geehrter Herr Becker, in diesem Jahr findet vom 15. bis 16. März endlich wieder der Deutsche Straßenausstattertag statt, dieses Mal in Karlsruhe. Durch die Corona-Pandemie liegt der letzte
DeuSAT in Köln fast 4 vier Jahre zurück. Wie groß ist die Freude, dass der DeuSAT nun endlich wieder stattfinden kann?

Gregor Becker: Die Freude ist sehr groß, und zwar auf allen Seiten. Wir spüren dies besonders bei der Vergabe der Ausstellungsflächen, wo die Aussteller sogar um besonders attraktive Plätze kämpfen. Aber auch bei den Anmeldungen zum Kongress gibt es eine sehr große Resonanz. Das sind oftmals über lange Jahre gewachsene Verbindungen. Bemerkenswert ist das Interesse bei der Autobahn GmbH, das uns auch ein wenig stolz macht. Und natürlich: Nach den Distanzen, die uns allen die Pandemie auferlegte, möchte man sich endlich wieder sehen und miteinander reden. Da ist der Zeitpunkt des DeuSAT 2023 ein guter Zeitpunkt.
 

Wie kommt es, dass der DeuSAT in diesem Jahr erstmalig in Karlsruhe stattfinden wird?

Gregor Becker: Den Straßenausstattertag gibt es seit 2001, anfangs an wechselnden Standorten. Mit der Kreation der Kurzform des Namens der Veranstaltung „DeuSAT“ in 2017 hatte man sich zugleich auf einen festen Standort geeinigt, auf Köln. Das Kongresszentrum in Köln wird jedoch derzeit umgebaut. Wir sind froh, dass Karlsruhe – wo wir 2001 übrigens zum ersten Mal tagten – in die Bresche sprang und uns mit einem attraktiven Kongress- und Messestandort aushilft.


Sie sind seit 2018 als Geschäftsführer des IVSt tätig. Viele unserer Leser kennen den Industrieverband schon seit Jahren. Dennoch gibt es auch viele, für die der IVSt noch relativ unbekannt ist. Was zeichnet die Arbeit des Verbands aus? Und wie ist er organisiert?

Gregor Becker: Der IVSt kümmert sich um die wirtschaftlichen Interessen der ca. 300 überwiegend mittelständischen Firmen, die sich mit Straßenausstattung beschäftigen. Straßenausstattung ist kurz gesagt das, was die Straße bekommt, bevor sie neu oder wieder in Betrieb geht: Leitplanken, Markierungen, Verkehrsschilder. Und natürlich muss die Straßenbaustelle während des Baus oder der Sanierung abgesichert werden. Deshalb haben wir die vier Fachabteilungen Rückhaltesysteme, Fahrbahnmarkierungen, Verkehrszeichen und Verkehrssicherung.

Neben dem DeuSAT als zweijährlichem Highlight arbeiten wir aktiv mit bei der Fortschreibung der unser Thema betreffenden Normen und Vorschriften und stellen so sicher, dass Forderungen aus der Gesetzgebung wie z. B. Nachhaltigkeit bei der Industrie umgesetzt werden. Im Gegensatz kommen so auch modernisierte Verfahren bei Herstellung und Anwendung in die Ausschreibungen. Der IVSt ist Mitglied bei Pro Mobilität und versteht sich dort als willkommene Ergänzung zu den Firmen rings um den Straßenbau. Die Mitgliedschaft bei der European Road Federation (ERF) zeigt unser Interesse, im europäischen Raum Flagge zu zeigen. Deswegen ist der ERF auch mit einem Workshop bei uns auf dem DeuSAT.

Mit Blick auf den mittlerweile 10. DeuSAT finden sich somit die einzelnen Arbeitskreise im Programm wieder. Was erwartet den Teilnehmer? Und an wen richtet sich das Kongressprogramm?

Gregor Becker: Der DeuSAT ist seit seiner erstmaligen Ausführung erst einmal ein Kongress. So wie beim Verkehrsgerichtstag in Goslar führt ein Moderator durch das Programm, das durch drei bis vier Fachvorträge von etwa 15 Minuten Länge geprägt ist. Am Ende jedes Vortrags sollte sich auf eine oder zwei Empfehlungen geeinigt werden, die zwischen Referent/in und Zuhörerschaft formuliert werden.

Empfehlungen sind Aufgaben, die bis zum nächsten DeuSAT im Auge behalten und idealerweise umgesetzt werden sollten. Die Empfehlungen aller Vorträge der Arbeitskreise werden beim Schlusswort der Veranstaltung allen Teilnehmern des Kongresses gezeigt und abschließend beschlossen. Im Tagungsband, den wir nach der Veranstaltung nochmals allen Kongressteilnehmern zusenden werden, sind alle Vorträge und Empfehlungen nachzulesen.

Das Kongressprogramm richtet sich also an alle, die im Bereich der Straßenausstattung arbeiten oder sich dafür interessieren,
z. B. Leitungen und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Behörden in allen Ebenen, Ingenieurbüros, Prüfeinrichtungen, Labors etc.


Im Jahr 2019 kamen mehr als 1.000 Besucher nach Köln und der DeuSAT war ein großer Erfolg. Mit wie vielen Teilnehmern rechnen Sie in diesem Jahr?

Gregor Becker: Wir gehen davon aus, dass wir die Besucherzahl mindestens halten werden.

Und wird es auch ein digitales Angebot geben? Sprich, ist die Veranstaltung „hybrid“ geplant?

Gregor Becker: Während der Pandemie haben wir alle gelernt, online zu tagen. Und auch ich ertappe mich immer einmal wieder bei der Frage, ob man sich den Weg „irgendwohin“ aufgrund des Aufwands nicht sparen könnte.

Der DeuSAT als Kongress hat sich jedoch von Anfang an zur Maxime gemacht, Menschen zusammenzuführen. Menschen sollen sich kennenlernen, sich wiedersehen, gerade nach der langen Zeit, wo das nicht ging. Im Sinne der Sache, der Aufgaben und Produkte der Straßenausstattung soll informiert, gelernt, ausgetauscht und entwickelt werden – von Behörden- und von Industrieseite gemeinsam.

Es gibt aber einen weiteren Grund ...


… welchen genau?

Gregor Becker: Seit 2017 besteht der DeuSAT nicht mehr nur aus einem Kongress mit kleiner begleitender Ausstellung vor den Kongresssälen, sondern mit begleitender Fachmesse. Von Anfang an legten wir Wert darauf, dass die Kongressteilnehmer diese Messe auch tatsächlich besuchen.

Diesen integralen Charakter können wir gerade in Karlsruhe bieten, denn dort findet man die Messe in zwei großen Hallen quasi zwischen und an die Kongresssäle „gekuschelt“ mit sehr kurzen Wegen. Es ist so unmöglich, nicht an den Exponaten vorbeizulaufen. Und weil wir genau diese feste Kombination aus Kongress und Messe anbieten, kommt das sowohl bei Besuchern wie Ausstellern sehr gut an. Uns ist es wichtig, dass man z. B. das große Modell einer Verkehrszeichenbrücke im Detail betrachten und anfassen kann – das geht hybrid nicht!


Für viele Teilnehmer ist der persönliche Austausch besonders wichtig: Wird es in Karlsruhe auch eine Abendveranstaltung geben?

Gregor Becker: Natürlich! Auch das ist ein Schwerpunkt. Anders als in Köln findet die Abendveranstaltung in einer der beiden Messehallen statt. Der Charakter wird anders sein als in Köln, wo wir dazu ein Restaurant exklusiv gebucht hatten, aber lassen Sie sich einfach überraschen!

Das werden wir! Die Branche freut sich in jedem Fall sehr auf den 10. Deutschen Straßenausstattertag vom 15. bis zum 16. März. Wir danken Ihnen für das freundliche Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg mit dem DeuSAT 2023!

Weitere Informationen
Industrieverband
Straßenausstattung e. V.
D-37441 Bad Sachsa
www.ivst.de