Pflaster- und Plattenbeläge
Mit einem neuartigen Ablauf beim Einbau von gebundenen Pflastersystemen werden die Ausführungsqualität verbessert und zusätzlich lärmmindernde Effekte (LTR) erzielt. Die Tausalzbeständigkeit der Fuge wird signifikant erhöht (LTR). Zudem kann die Rutschhemmung (LTR) individuell auf die Oberfläche und Nutzung eingestellt werden. Hervorzuheben sind noch andere positive Effekte auf die Beständigkeit der Fugen wie Schmutzempfindlichkeit, Reinigungsfähigkeit etc. sowie größere und neue Gestaltungsvarianten.
Verfahrensbeschreibung
Die aktuell in den technischen Regeln beschriebene gebundene Bauweise (gebBw) legt den Focus auf eine hohe Funktionalität, stellt aber einen Kompromiss von weiteren, aber auch begründbaren Ansprüchen dar. Zu nennen sind da in erster Linie optische Eigenschaften, Geräuschemission, Tausalzbeständigkeit sowie die Rutschfestigkeit.
Bisher wurden nach den aktuellen Regelwerken Pflastersteine aus Naturstein, Klinker oder Beton mittels Haftschlämme auf einen Drainagemörtel versetzt und mit abgestimmtem Fugenmörtel ausgefugt. Nach Beginn der Ansteifphase wurde abschließend die Oberfläche manuell oder mittels Schwammputzmaschine abgewaschen. Aufgrund der erforderlichen Reinigungswirkung entstanden oftmals ungewollte Fugenvertiefungen. Zudem wurde oft beobachtet, dass sich durch das Abwaschen der Wasserzementwert in der Fugenoberfläche verschlechterte. Dies führte bereits in den ersten Betriebsjahren durch Witterungseffekte und mechanische Beanspruchungen zu einem verstärkten Verschleiß der Fugenfüllung. Bei der gebBw haben die verschiedenen Mantelflächen des Pflastersteins (beim Quader: Oberseite, vier Seitenflächen, Unterseite) unterschiedliche Anforderungen zu erfüllen. Während die Oberseite gestaltungs-/nutzungsabhängig ist, müssen die Seitenflächen eine gute Haftzugfestigkeit zum Fugenmörtel und die Unterseite in Verbindung mit der Haftschlämme eine gute Haftzugfestigkeit mit der Bettung eingehen.
Neues Verlegeverfahren
Das neuartige Verfahren mit Pflaster-Terrazzo verzichtet nach dem ersten Verfestigen der Haftschläme auf den Abwaschvorgang. Es wird lediglich der Fugenmörtel im frischen Zustand mittels Gummi- bzw. Schaumstoffschaber abgezogen. Nach Aushärtung des Fugenmörtels wird die Oberfläche durch Kugel- oder Sandstrahlen, Flammstrahlen, Stocken und/oder Schleifen gereinigt und zugleich veredelt. Es wird also die restliche Zementschlämme abgetragen und gleichzeitig die gewünschte Oberflächenqualität durchgängig an Stein und Fuge hergestellt.
Die Pflastersteinoberflächen können daher unabhängig von den Produktionsstätten einfacher und günstiger produziert werden (z. B. Naturstein mit gesägter Oberfläche, Beton mit Vorsatz als Rohling). Alle veredelnden Oberflächenverfahren können so im Nachgang zielgerichteter auf Stein und Fuge gleichzeitig realisiert werden.
Dadurch können aber auch die Seitenflächen und die Unterseite individueller an das System angepasst werden. Es kann bei Betonstein die Fertigung mit reduziertem w/z-Wert erfolgen, wodurch die angeformten Abstandshalter qualitativ leiden, also nicht mehr sauber ausgebildet werden können. Diese Abstandshalter sind aber für die gebundene Bauweise ohne Bedeutung, da die Fugenbreite sowieso vergrößert werden muss. Der Vorteil liegt an der raueren Seitenfläche der Betonsteine, die zu einer höheren Haftzugfestigkeit in der gebBw führt. Bei Naturstein können entsprechende Profilierungen ebenso die Haftzugfestigkeit signifikant erhöhen.
Auch bei den Steinunterseiten können entsprechende Vorgänge leistungssteigernd auf das Gesamtsystem eingesetzt werden, z. B. Profilierungen, LP 5, 5f oder VS 5 etc.
Vorgehensweise
Die Planung, Bestellung und Verlegung als Regelbauweise erfolgt prinzipiell genauso wie in der klassischen gebundenen Pflasterbauweise gemäß ATV DIN 18318 Sep. 2019, TL Pflaster-StB 06/15 und M FPgeb 2018. Es bedarf einer detaillierten Fachplanung und Abstimmung aller Komponenten. Zur regelgerechten Realisierung von höheren Belastungsklassen (Bk 1,8, Bk 3,2, Bk 10 bis hin zu Bk 32) können sowohl bei Betonpflaster als auch bei Naturstein und Klinker spezielle Verfahren produktionsseitig ergänzt werden, will man erhöhte Qualitäten (Minimierung von Rissen) bzw. höhere Haftzugfestigkeiten erreichen. Entsprechende Eignungsprüfungen für die LTR-Verlegung liegen für Beton und Naturstein vor.
Weitere Informationen
Bernd Burgetsmeier
D-86316 Friedberg
www.burgetsmeier.de
19.05.2021