Straßenbau, Straßenerhaltung und Straßenentwurf

Mehr Mut beim Neu- und Ausbau von Verkehrsinfrastruktur

Auf Einladung von Jochen Ludewig, Leiter des Ausschusses Verkehr des Verbandes Beratender Ingenieure VBI, referierte Bernhard Knoop, Präsident der BSVI-Bundesvereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure e. V. im Rahmen der 99. VBI-Ausschusssitzung Verkehr in Nürnberg über die Ziele und die besonderen Herausforderungen seines Bundesverbands in den kommenden Jahren.

Das Thema Fachkräftemangel und damit Fachkräftegewinnung stehe ganz oben auf der Agenda, so Knoop. Es müssten aber auch Antworten auf die Herausforderungen der tagtäglichen Arbeit bei der Planung und der Umsetzung von Infrastrukturprojekten gefunden werden. Dazu formulierte der BSVI-Präsident drei zentrale Fragen:

  1. Wie schaffen wir es, Planungs- und Genehmigungsprozesse zu beschleunigen?
  2. Wie überwinden wir durch gemeinsames Agieren und Positionieren unserer Ingenieurverbände hemmende Strukturen im Interesse eines beschleunigten und effizienten Planens und Bauens in der Praxis?
  3. Was kann Künstliche Intelligenz (KI) bereits heute leisten und wie kann und wird sie uns Ingenieurinnen und Ingenieuren in Zukunft entlasten?

Die Gesellschaft, die Politik und die Wirtschaft wollen Planungsbeschleunigung und Bürokratieabbau. Insofern herrsche ein sehr starker gesellschaftlicher Rückenwind für Veränderungen im Land.

Zustimmung fand Knoop in seinem Fazit, das er in einem Forderungskatalog formulierte. Er wünschte sich mehr Offenheit für Technologie und neue Bauverfahren, Förderung von Innovationen, mehr Serienfertigungen beim Neu- und Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, weniger Regulieren und weniger Diskutieren, dafür mehr Mut, weniger regulieren zu wollen. Ein Resetten, also ein Zurücksetzen mancher Verordnungen würde seiner Meinung nach sehr guttun. Als Beispiel nannte er die für die Praxis viel zu komplizierte Verordnung über die Anforderungen an den Einbau von mineralischen Ersatzbaustoffen in technische Bauwerke – kurz: Ersatzbaustoffverordnung, die am 1.8.2023 in Kraft getreten ist.

„Die Ziele der Ersatzbaustoffverordnung – ein nachhaltiges, umweltverträgliches Herstellen und Einbauen von mineralischen Ersatzbaustoffen (MEB), das sind Bodenmaterial, Recycling-Baustoffe aus Bau- und Abbruchabfällen, bestimmte Schlacken aus der Metallerzeugung und Aschen aus thermischen Prozessen – festzuschreiben, macht Sinn, steht außer Frage und dient der unverzichtbaren Wiederverwendung wertvoller Ressourcen. Wenn wir aber feststellen, die Baupraxis ist sich bei der Anwendung des Regelwerks unsicher, hat bei der Überwachung und der Dauer notwendiger Untersuchungen auf bestimmte Schadstoffe Probleme, muss über ein ‚Resetten‘ ernsthaft gesprochen werden. Das darf kein Tabu sein. Die Ziele der EBV sind unstrittig und dürfen selbstverständlich nicht auf der Strecke bleiben.“
Bernhard Knoop, BSVI-Präsident

„Im Hinblick auf den bereits deutlich spürbaren Fachkräftemangel muss es das gemeinsame Ziel sein, die Ressourcen ohne Verschwendung zu nutzen. Es haben sich in den letzten Jahrzehnten zu viele Arbeitshürden und Zusatzaufgaben ergeben, welche die Ingenieure in der Projektbearbeitung und dem zielstrebigen Vorantreiben der Projekte ohne einen Projektnutzen behindern. Durch neue Ansätze der Zusammenarbeit und Rollenverteilungen müssen wir Ballast abwerfen und gemeinsam die Ressourcen unserer Fachkräfte wirkungsvoll und qualitätsbewusst einsetzen. Nur so schaffen wir es, auch die Attraktivität des Berufes zu erhöhen.“
Jochen Ludewig, Vorsitzender des VBI-Verkehrsausschusses

Jochen Ludewig bedankte sich bei Bernhard Knoop und unterstrich die Gemeinsamkeiten bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben und der Suche nach vernünftigen Lösungen. Die beiden vereinbarten, den Austausch auch in Zukunft weiter fortzuführen.

Weitere Informationen
BSVI – Bundesvereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure e. V.
D-80331 München
www.bsvi.de