Straßenbau, Straßenerhaltung und Straßenentwurf
Seit dem 9. September läuft in Neumünster die 71. NordBau. Für Straßenbauverwaltungen, Ingenieurbüros und Bauunternehmen lohnt sich in diesem Jahr ein genauer Blick nach Schleswig-Holstein. Denn neben Baumaschinen und neuen Technologien rückt die Messe insbesondere die Frage in den Mittelpunkt, wie große Straßenbauprojekte schneller und effizienter umgesetzt werden können.
Ein Schwerpunkt liegt auf den großen Verkehrsprojekten in Norddeutschland. Mit den Finanzierungszusagen für die A 20, A 26 und A 39 stehen drei bedeutende Autobahnvorhaben exemplarisch für die Herausforderungen, vor denen der deutsche Infrastrukturbau insgesamt steht.
Großprojekte im Realitätscheck
Im neuen Infrastrukturforum der NordBau sollen die Projekte deshalb nicht nur vorgestellt, sondern einem „Realitätscheck“ unterzogen werden. Im Mittelpunkt stehen Beschleunigung, Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Transparenz.
Dabei geht es um Fragen, die derzeit weit über Norddeutschland hinausreichen: Wie lassen sich Genehmigungsverfahren beschleunigen? Wie kann nach geschaffenem Baurecht schneller vergeben und tatsächlich gebaut werden? Welche Folgen haben Verzögerungen für die Wirtschaftlichkeit? Und wie viel Planungssicherheit benötigen Bauwirtschaft und Maschinenhersteller, um die anstehenden Investitionen bewältigen zu können?
Gerade angesichts der zusätzlichen Milliarden für die Verkehrsinfrastruktur verschiebt sich damit zunehmend die Diskussion. Nicht mehr allein die Frage nach dem verfügbaren Geld steht im Vordergrund. Entscheidend wird, ob Verwaltungen, Planer und Bauwirtschaft die Projekte auch in der notwendigen Geschwindigkeit umsetzen können.
Am Freitag, 11. September, widmet sich das Infrastrukturforum deshalb ausdrücklich dem Autobahn- und Straßenbau. Vertreter der Autobahn GmbH und des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein diskutieren dort die Situation der Bundesfernstraßen und Brücken und deren Bedeutung für die Wirtschaftsstandorte.
Automatisierung erreicht den Straßenbau
Ein zweiter Schwerpunkt betrifft die Baustelle selbst. Beim „Tag der Straßenbau- und Verkehrsingenieure“ der Vereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure (VSVI) Schleswig-Holstein steht in diesem Jahr die Automatisierung der Verdichtung im Straßenbau auf dem Programm.
Das Thema zeigt beispielhaft, wie stark sich der Straßenbau technologisch verändert. Sensorik, digitale Vernetzung und automatisierte Maschinensteuerung sollen Prozesse präziser machen und gleichzeitig Material-, Personal- und Zeitaufwand reduzieren.
Auch auf dem Freigelände der NordBau spielt diese Entwicklung eine wichtige Rolle. Hersteller präsentieren zunehmend vernetzte und automatisierte Baumaschinen. Neben alternativen Antrieben gewinnen Assistenzsysteme, Sensoren und KI-basierte Anwendungen an Bedeutung.
Damit entwickelt sich die Digitalisierung von der Planungsmethode zunehmend zum Bestandteil der eigentlichen Bauausführung.
Straßenbau wird zum Gemeinschaftsprojekt
Bemerkenswert ist zudem, wie stark die NordBau den Austausch zwischen Verwaltung, Ingenieurwesen, Bauwirtschaft und Maschinenhersteller in den Mittelpunkt stellt. Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein ist ebenso vertreten wie Straßenbau- und Verkehrsingenieure, Bauunternehmen und Maschinenhersteller.
Das ist angesichts der anstehenden Aufgaben entscheidend. Schnellere Genehmigungen allein bauen noch keine Straße. Erst wenn Planung, Vergabe, Baukapazitäten, Maschinen und Personal zusammenspielen, können aus zusätzlichen Infrastrukturmitteln tatsächlich zusätzliche Kilometer sanierter oder neu gebauter Straßen und Brücken werden.
Die NordBau 2026 macht damit deutlich: Der Investitionsbedarf ist bekannt, die Finanzierung vieler Projekte verbessert sich – jetzt rückt die Umsetzung in den Mittelpunkt.
Peter Strohbach