Straßenbau, Straßenerhaltung und Straßenentwurf und Verkehrstechnik
Das größte Event des Jahres für Verkehrsfachleute in Österreich ist der FSV-Verkehrstag, der am 20.6.2024 in Wien im Marriott Hotel stattfand. Eine Vielzahl neuer Themen wurde angesprochen, der Themenbereich weit gesteckt, von der richtigen Ausstattung von E-Ladepunkten für Fahrräder über kinderfreundliche Mobilität und Eisenbahnkreuzungen bis hin zum Tunnelbau. Der Verkehrstag wird im Zusammenwirken mit dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) veranstaltet und bietet eine Fachausstellung, bei der Innovationen im Verkehrsbereich gezeigt werden.
Verkehr und Umwelt
Ministerialrat Dr. Dipl.-Ing. Johann Horvatits, Abteilungsleiter im BMK, stellte in seinen Eröffnungsworten die Wichtigkeit der Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt: Eine Vielzahl an Aktivitäten des BMK, die teilweise durch die Verkehrsinfrastrukturforschung unterstützt werden, treffen sich mit den Arbeiten der FSV. Gerade die „aktive Mobilität“ ist dazu ein Beispiel – also Mobilität mit Fahrrad oder zu Fuß –, dazu gibt es entsprechende Vorträge. Dies und viele weitere nachhaltige Umsetzungen im Regelwerk der FSV, den RVS und RVE, werden es den nachfolgenden Generationen ermöglichen, ebenso das Grundbedürfnis der Mobilität befriedigen zu können.
Dipl.-Ing. Dagmar Lauffer-Neumann, ZT-Planungsbüro, stellte Möglichkeiten vor, die insbesondere im Tunnelbau zur Anwendung kommen: Diesel ist das Betriebsmittel für Baugeräte, Transportfahrzeuge und sonstige Maschinen, deren Abgase möglichst einzuschränken sind, um der Arbeitssicherheit und dem Umweltschutz zu entsprechen. Viele Treibstoffe sind im Tunnelbau verboten, so Wasserstoff, Antriebsgase oder Benzin, da Explosionsgefahr und weitere Gefährdungen ausgeschlossen werden müssen. Elektro- oder Hybridantriebe sind möglich, allerdings ist der Strombedarf enorm, da die eingesetzten Geräte leistungsstark sein müssen. Durch die RVS 09.01.54 „Schutzmaßnahmen gegen Gefährdung durch Dieselmotoremissionen“ werden mögliche Schutzmaßnahmen beschrieben und empfohlen, sodass der geforderten Arbeitssicherheit durch diesen Stand der Technik entsprochen wird. Dazu zählen verbesserte Treibstoffe, alternative Antriebe, belüftete Personenkabinen oder Belüftungssysteme.
Schienenbezogen widmet man sich dem Schutz bei der Manipulation von gefährlichen Gütern auf Eisenbahnanlagen: Dipl.-Ing. Peter Tauschitz, ÖBB-Infrastruktur AG, stellt dazu zwei neue Regelwerke für das Eisenbahnwesen (RVE) vor: Die Manipulation von Flüssiggasen (wie Propan, Butan) oder brennbaren Flüssigkeiten (Altöl, Biodiesel) muss unter Einhaltung von Vorsichtsmaßnahmen erfolgen, auch die Lagerhaltung ist dabei ein Thema. Damit gelingt es, die allgemeine Sicherheit und die Arbeitssicherheit zu heben.
Eine weitere RVS wurde zum Schutz wild lebender Säugetiere aktualisiert. Dipl.-Ing. Brigitte Sladek, ASFINAG, hob die Herausforderung hervor – ob Kleinsäuger, wie Mäuse, oder Großsäuger, wie Hirsche, alle müssen an Verkehrswegen geschützt werden. Schwerpunkt dabei ist die Lebensraumvernetzung, damit Straßen- und Bahnanlagen keine Vollbarriere für die Lebensräume der Tiere darstellen. Die RVS betrachtet dabei Verkehrsstärken, aber auch Einrichtungen wie Lärmschutzwände oder Wildschutzzäune, und bietet Lösungsansätze an. Darunter sind Grünbrücken zu erwähnen, aber auch alternative oder flankierende Maßnahmen.
Elektroantriebe benötigen Ladeinfrastruktur. Dies ist beim E-Auto genormt, so wird durch eine bestehende RVS der Bau von Ladepunkten beschrieben. Den E-Ladepunkten für Fahrräder widmete sich Gerald Miklin, Amt der Kärntner Landesregierung. Die neue RVS 03.02.13 legt Wert auf eine barrierefreie Positionierung von Ladeeinrichtungen innerhalb von Radabstellanlagen. Entsprechende Bewegungsflächen vor den Ladestationen sind so auszugestalten, dass die Ladestation vor Anprall geschützt wird, gleichzeitig müssen die Bedienelemente gut zugänglich und leicht erkennbar sein.
Dipl.-Ing. Petra Völkl, BMK, leitete zum Thema „Kinderfreundliche Mobilität und Schulstraßen“ über: Kinder bedürfen eines besonderen Schutzes, um sich gesund entwickeln zu können. Das führt zu einem Paradigmenwechsel in der Verkehrsplanung, bei dem es nicht nur um Verkehrsraumgestaltung, sondern um Lebensraumgestaltung für Kinder und Jugendliche geht. Kindermobilität braucht Temporeduktion, ausreichend Platz und eine ansprechende Gestaltung des öffentlichen Raums. In der RVS 03.04.13 „Kinderfreundliche Mobilität“ wird darauf besonders eingegangen.
Bauen und Ausschreiben von Verkehrswegen
Erdarbeiten sind zentrale Tätigkeiten im Tiefbau. Dipl.-Ing. Gerhard Frei, Ziviltechniker, berichtete über Neuerungen in der RVS 08.03.01, die nun auch Regelungen für Erdarbeiten im Zuge von Hochwasserschutzmaßnahmen enthalten; weitere neue Themenbereiche sind Erdarbeiten im Zuge des Güterwegebaus, für Schutzbauwerke sowie für Landschaftsgestaltungen. Sie erscheint genau zum richtigen Zeitpunkt, da sie eine zentrale Ausschreibungsgrundlage für die im Herbst neu erscheinende Standardisierte Leistungsbeschreibung Verkehr und Infrastruktur (LB-VI) darstellt.
Baumeister Dipl.-Ing. Gerhard Spranz, Swietelsky AG, ging verstärkt auf diese LB-VI, Version 7, ein. Mit Herbst wird diese für den gesamten Tiefbau wichtige Ausschreibungsgrundlage neu aufgelegt: Eine wesentliche Änderung ist der Aspekt der Kreislaufführung, Nachweise für die sachgemäße Verwertung bzw. Beseitigung, die sich auch in der neuen Definition des Begriffs „Wegschaffen“ deutlich macht. Eine Vielzahl von Änderungen ist bei den Ausschreibungstexten für Kabelarbeiten, ungebundene Tragschichten, bituminöse Trag- und Deckschichten, Betondecken, Pflasterarbeiten, Lärmschutzbauten etc. vorgenommen worden. Besondere Aktualität ist wohl bei den neuen Textierungen für Schutzsysteme gegen Steinschlag, Muren und Lawinen gegeben.
Prof. Martin Fellendorf resümierte, die FSV bietet mit ihren 100 Arbeitsausschüssen ein breites Betätigungsfeld für das Verkehrswesen und bildet mit 1.400 Verkehrsfachleuten eine anerkannte Plattform im Mobilitätsbereich. Durch die Vernetzung, bspw. beim FSV-Verkehrstag, wird die Entwicklung des Standes der Technik forciert – die Notwendigkeit, den Anforderungen der Zukunft zu genügen.
Weitere Informationen
Österreichische Forschungsgesellschaft Straße-Schiene-Verkehr (FSV)
A-1040 Wien
www.fsv.at