Straßenentwässerung
Beton oder Kunststoff: Welcher Rohrwerkstoff ist aus ökologischer Sicht überlegen? Dieser Frage ging Fraunhofer UMSICHT im Auftrag des Bundesfachverbands Betonkanalsysteme e. V. (FBS) nach. Beim Vergleich der Ökobilanz in einem Cradle-to-Gate-Szenario – von der Rohstoffgewinnung bis zum Werktor – kamen die Forscher zu einem eindeutigen Ergebnis: Ab einer Nennweite von 400 mm Innendurchmesser ist der CO2-Fußabdruck von (Stahl-)Betonrohren vorteilhafter als der aller Kunststoffalternativen (GFK, PVC, PE, PP).
Laut den aktuellen Ergebnissen der Ökobilanzierung zeigen Beton- und Stahlbetonrohre klare Vorteile gegenüber den Kunststoffrohren, sofern die Entsorgung der Rohre mit einbezogen wird.
Verantwortung gegenüber künftigen Generationen – Nachhaltigkeit darf nicht beim Einbau enden
Auch im Kanalbau muss das Ziel sein, eine intakte und lebenswerte Umwelt zu hinterlassen und natürliche Lebensgrundlagen nicht zu belasten. Das sei nur möglich, wenn bei der Bewertung der Nachhaltigkeit von Kanalsystemen der gesamte Lebenszyklus von der Rohstoffgewinnung bis zum Rückbau und Recycling betrachtet werde. Denn in dieser Produktlebensphase fallen bei einigen Werkstoffen die meisten CO2-Emissionen an. Die Verantwortung für die heute verlegten Kanalrohre dürfe nicht einfach auf die nächste Generation abgewälzt werden.
Bild 2: Betonrohre können nachhaltiger als Kunststoffrohre sein
Während die Kunststoffrohrindustrie teilweise davon ausgeht, dass ihre Produkte am Ende des Lebenszyklus im Boden verbleiben und dies auch als Szenario in ihren Umweltproduktdeklarationen (EPD) angibt, berücksichtigt der FBS in seiner Verbands-EPD ein Cradle-to-Grave-Szenario, das alle relevanten Produktlebensphasen umfasst. Dies entspricht auch den Forderungen des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB) in seinem Impulspapier zur bundesweiten Einführung eines CO2-Schattenpreises. Ziel ist dabei, den CO2-Fußabdruck als entscheidendes Vergabekriterium zu etablieren und durch die Berücksichtigung des Recyclingpotenzials eine Kreislaufwirtschaft im Bausektor zu fördern.
Beton ist ein mineralischer Werkstoff, der den Boden bzw. die Umwelt nicht schädigt (kein Mikroplastikabrieb, kein Schadstoffeintrag in die Umwelt) und bereits heute zu nahezu 100 % recycelt und in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt wird.
Unabhängiger Vergleich der Umweltwirkungen von Abwasserrohrleitungen
Der FBS setzt sich aktiv für eine stärkere Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei öffentlichen Ausschreibungen ein. Daher war es dem Verband ein besonderes Anliegen, einen unabhängigen Vergleich der Ökobilanzierung verschiedener Rohrwerkstoffe zu ermöglichen. Hierfür hat Fraunhofer UMSICHT als neutrale Institution kommerzielle und öffentlich einsehbare Umweltdaten verschiedener Materialien ausgewertet und diese auf eine Lebensdauer von 100 Jahren bezogen. Weitere Hintergrunddaten stammen aus der „LCA for Experts“-Datenbank. Außerdem durchlief die Verbands-Umweltproduktdeklaration des FBS eine externe Prüfung durch das Institut zur Prüfung und Zertifizierung von Bauprodukten, Sicherheitstechnik und Schutzausrüstung ift in Rosenheim.
Der objektive Werkstoffvergleich unterstreicht deutlich, dass Kommunen und Netzbetreiber mit dem Werkstoff Beton in der Lebenszyklusbetrachtung die CO2-freundlichste und nachhaltigste Lösung wählen.
Weitere Informationen
Bundesfachverband Betonkanalsysteme e. V. (FBS)
D-53179 Bonn
www.fbs-beton.de
