Straßensanierung
Die L 143, eine der Hauptzufahrtsstraßen nach Trier, wird täglich von rund 10.000 Fahrzeugen genutzt. Untersuchungen der ca. 6,50 m breiten Fahrbahn im Vorfeld der Sanierung ergaben, dass der Fahrbahnaufbau fast teerfrei war, erläuterte Peter Braun, Teamleiter Fachgruppe Straßenbau beim Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM) Trier. Außerdem zeigte der Erweichungspunkt „Ring und Kugel“, dass die Deckschicht noch gut für eine Wiederverwendung geeignet war. Die Tragschicht und die Binderschicht hingegen waren so spröde, dass das Material im Heißeinbau nicht mehr hätte wiederverwendet werden können. Die Tragfähigkeit der Schichten war schlicht nicht ausreichend und auch die Frostsicherheit war nicht mehr überall gegeben.
Kaltrecycling wirtschaftlicher als klassischer Aus- und Einbau
Bei der Entscheidung für die geeignete Sanierungsmethode betrachtet das LBM generell die Wirtschaftlichkeit. Oftmals ist bei vergleichbaren Straßen eine hydraulische Verfestigung oder eine hydraulisch gebundene Tragschicht (HGT) günstiger. Bei den hier vorgefundenen Gegebenheiten war Kaltrecycling (KRC) jedoch die wirtschaftlichste Variante. Dazu hatte das LBM-Team zwei Varianten genauer untersucht: Zum einen den Ausbau aller gebundenen Schichten mit Ergänzung der Frostschutzschicht und nachfolgendem Einbau einer HGT oder einer Verfestigung und Neubau des gesamten Asphaltpakets, zum anderen das Kaltrecycling. Das Abfräsen der Deckschicht war bei beiden Fällen vorgesehen.
Beim klassischen Aus- und Einbau hätte der gesamte Fahrbahnaufbau abtransportiert und neues Material für die Ergänzung der Frostschutzschicht und die HGT angeliefert werden müssen. All diese Transporte entfallen beim Kaltrecycling. Konkret ergab sich für das Projekt in Filsch, dass die Sanierung im KRC-Verfahren rund 455 Transporte mit üblichen Sattelaufliegern einspart. Entsprechend schnitt das KRC beim Vergleich der Wirtschaftlichkeit deutlich besser ab.
Studie unterstreicht Reduzierung von Kosten, Bauzeit und CO2-Emissionen
Diese Abschätzung deckt sich mit den Erkenntnissen einer wissenschaftlichen Studie der Hochschule Koblenz zum KRC aus dem Jahre 2021. Dabei wurde das Kaltrecycling mit konventionellen Bauweisen verglichen. Das Ergebnis: Die Bauzeit reduzierte sich um ca. 45 %, die Lkw-Einsatzzeiten um 86 %, die Kosten um mehr als 30 % und die CO2-Emissionen für Baubetrieb und Fracht um 56 %.
Kurze Bauzeit und weniger Neumaterial
Die Bauzeit war auch beim Projekt in Trier entsprechend kurz. Nach dem Abfräsen und Abtransport der Deckschicht auf 1,4 km Länge durch die Heinz Schnorpfeil Bau GmbH wurden alle anderen Schichten aufgefräst, verblieben aber vor Ort. Im Anschluss wurde die Schicht profiliert und mit Zement bestreut. Aus diesem Materialmix entstand in einem Arbeitsgang die 20 cm starke KRC-Schicht. Dazu überfährt der Schnorpfeil-Mixpaver unter Zugabe von Bitumenemulsion die Fahrbahn, durchmischt die Baustoffe und verdichtet alles mit der integrierten Einbaubohle. Nach der Walzverdichtung wurde die KRC-Schicht überbaut mit einem vergleichsweise dünnen Asphaltpaket nach M KRC, bestehend aus 8 cm Asphalttragschicht, 5,5 cm Asphaltbinderschicht und einer 3,5 cm starken Deckschicht aus Splittmastixasphalt.
Nicht nur für teer- und pechhaltige Fahrbahnen
Das Trierer Team des LBM hat schon viele KRC-Maßnahmen ausgeschrieben und mit überzeugenden Ergebnissen umgesetzt. Dabei ging es meistens darum, die Entsorgungskosten für teer- bzw. pechhaltiges Material zu minimieren. Im Projekt in Filsch erwies sich das KRC nun auch ohne die Entsorgungsthematik als die wirtschaftlichste Methode, um die Fahrbahn mit der geforderten Tragfähigkeit (Bk3,2) und ausreichender Frostsicherheit zu sanieren.
Nachhaltiger Umgang mit Baustoffressourcen
Auch der Blick auf die CO2-Emissionen durch Maschineneinsatz und Materialtransporte spricht für diese Bauweise – schon allein wegen der eingesparten Transporte. Dazu kommt der sparsame Umgang mit den Ressourcen, denn in Zukunft wird man deutlich genauer hinschauen müssen, welche Baustoffe wiederverwendet werden können, da die Steinbrüche irgendwann ausgebeutet sind. Mit dem Kaltrecycling werden diese wertvollen natürlichen Ressourcen eingespart.
Bild 2: Funktionsprinzip des Kaltrecycling-Mixpavers: Er vereint Fräsen, Mischen und Einbau in einer Maschine
Weitere Informationen
Heinz Schnorpfeil Bau GmbH
D-56253 Treis-Karden
www.schnorpfeil.com
