Verkehrsmanagement
Die Stadt Kassel und die Autobahn GmbH des Bundes sind Vorreiter beim vernetzten Fahren. Im Rahmen des europäischen Förderprojektes „C-Roads Germany – Urban Nodes“ präsentiert die Stadt zusammen mit der Autobahn GmbH ihren erreichten Stand bei der Einführung kooperativer, intelligenter Verkehrssysteme (englische Kurzform C-ITS).
Kassel ist eine der drei Vorreiterstädte in Sachen Digitalisierung und intelligentes Verkehrsmanagement. Durch die Einführung innovativer Technologien der Verkehrstechnik profitieren die über 200.000 Einwohner von mehr Sicherheit im Straßenverkehr, einer geringeren Schadstoffbelastung und einer effizienten Verkehrsführung. Die Autobahn GmbH nutzt die Vorzüge der C-ITS-Kommunikation und treibt die Vernetzung von Verkehrsinfrastruktur und Fahrzeugen voran, damit die Nutzer der mehr als 13.000 km langen Autobahnen in Deutschland vorausschauender und sicherer fahren können.
Modernisierung mit neuester Technologie
In den vergangenen drei Jahren wurden in Kassel u. a. Lichtsignalanlagen (Ampeln) modernisiert, mit Glasfaserkabeln vernetzt und spezielle WLAN-Technik nach dem europäischen ETSI-ITS-G5-Standard installiert. Busse und Polizei-Einsatzfahrzeuge wurden mit neuer Technik ausgestattet und digitale Informations- und Kommunikationsverfahren für den Straßenverkehr eingeführt und getestet. Das gesamte Projekt wird von der EU im Rahmen des Programms „Connecting Europe Facility (CEF)“ mit 50 % der Nettokosten gefördert und umfasst dabei ein kalkuliertes Bruttovolumen von 39,4 Mio. €. Die Stadt Kassel rechnet bei einem Projektanteil von 16,7 Mio. € mit ca. 7 Mio. € Förderung durch die EU.
Die Autobahn GmbH hat als ersten C-ITS-Dienst europaweit die Baustellenwarnung im Jahr 2021 in den Regelbetrieb überführt: Derzeit werden die fahrbaren Absperrtafeln des Unternehmens bundesweit mit speziellen Kommunikationseinheiten (ITS Roadside Units) ausgestattet, damit Verkehrsteilnehmer vor einer Tagesbaustelle gewarnt werden können. Im Rahmen des Projekts C-Roads wurden drei weitere C-ITS-Anwendungen auf den Autobahnen erprobt, um die Verkehrssicherheit und -effizienz zu erhöhen.
Mix aus Vorträgen und Demonstrationsfahrten
Im Rahmen der Informationsveranstaltung am 2.10.2024 wurde dem interessierten Publikum ein interessanter Mix aus Vorträgen und Demonstrationsfahrten im Kasseler Stadtgebiet geboten. Dabei konnte live erlebt werden, wie Verkehrsinformationen gesammelt, Steuerungsdaten optimiert oder Straßenbahnen und Busse beschleunigt werden. Die Hessische Polizei demonstrierte auf dem Messeplatz, wie Einsatzfahrzeuge mithilfe digitaler Verkehrstechnik sicherer und zuverlässiger zum Ziel kommen.
Wie die Kasseler Stadtklimarätin Simone Fedderke hervorhebt, setzt Kassel mit dem C-Roads-Projekt eine lange Tradition bei der Implementierung von Zukunftstechnologien fort. Die Stadt sei bei der flächenweiten Beschleunigung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) immer vorn dabei gewesen. Eine Kasseler Besonderheit im Rahmen des Projekts C-Roads sei die baulastträgerübergreifende Kooperation. Drei Behörden auf kommunaler, Landes- und Bundesebene (Stadt Kassel, Hessen Mobil und Autobahn GmbH des Bundes) arbeiten Hand in Hand, um Fahrzeuge unterbrechungsfrei, von der Autobahn bis ins Stadtzentrum, mit der digitalen Infrastruktur zu verbinden.
Bei dem Event wurden die C-ITS-Anwendungen vorgestellt. Während der Demonstrationsfahrten konnten die Besucher erleben, wie mithilfe der C-ITS-Technologie Fahrzeuge im Display über ein sich näherndes Polizeifahrzeug informiert werden, um eine Rettungsgasse schneller bilden zu können. Die Verkehrsteilnehmer wurden außerdem vor stehenden oder langsam fahrenden Betriebsfahrzeugen digital gewarnt. Anhand einer Software wurde die Live-Auswertung von Fahrzeugdaten demonstriert. Diese ermöglichen eine detaillierte Abbildung der Verkehrslage und sind ein wichtiger Baustein für echtzeitfähiges Verkehrsmanagement. Weiterhin wurde ein Video mit dem C-ITS-Dienst Route Advice (Routenempfehlung) präsentiert. Das Besondere an dem Dienst: Erstmals können aktuelle Routenempfehlungen direkt und digital von der Verkehrszentrale in Fahrzeuge übertragen werden.
Wie Prof. Gerd Riegelhuth, Leiter des Geschäftsbereichs Verkehrsmanagement, Betrieb, Verkehr der Autobahn GmbH, erklärte, werden mit der Entwicklung und dem Betrieb von kooperativen intelligenten Verkehrssystemen die Ziele mehr Sicherheit und ein besserer Verkehrsfluss verfolgt. Je besser Fahrzeuge, Infrastruktur und Diensteanbieter miteinander vernetzt sind, desto wirksamer können Verkehrsteilnehmer, aber auch das eigene Betriebsdienstpersonal vor Gefahren geschützt werden. Eine effizientere Auslastung des Straßennetzes führe zudem zu einer Reduzierung von Staus und schädlichen Emissionen. Der C-ITS-Baustellenwarner sei bereits in Betrieb. Mit den neuen Anwendungen könne der Straßenverkehr schon bald noch smarter gestaltet werden.
Ein weiterer Kasseler Schwerpunkt ist die Bereitstellung spezieller Dienste, die eine Nutzung der neuen Möglichkeiten auch für Bestandsfahrzeuge und Fahrradfahrer ermöglichen. Auto- und Radfahrer können sich dazu die kostenlose App trafficpilot auf ihr Smartphone laden und damit auf hilfreiche digitale Services zugreifen. Damit können sie sich z. B. die optimale Geschwindigkeit beim Zufahren auf eine Ampel anzeigen lassen oder als Radfahrer automatisch die Grünphase anfordern.
Mit dem C-Roads-Projekt demonstrierten die Projektpartner, dass die angestrebten Ziele bei der Digitalisierung der Verkehrssysteme erreichbar sind. Im nächsten Schritt sollen die installierten Dienste in die Fläche gebracht werden.
Weitere Informationen
Die Autobahn GmbH des Bundes
D-10557 Berlin
www.autobahn.de