Verkehrsmanagement

Einzelhandel profitiert von Maßnahmen der Verkehrsberuhigung

Von der wachsenden Konkurrenz durch den Onlinehandel bis hin zur erfolgreichen Suche für Betriebsnachfolgen – der Einzelhandel steht vor großen Herausforderungen. Maßnahmen der Verkehrsberuhigung werden in der öffentlichen Diskussion oft als zusätzliches Hindernis für den Einzelhandel dargestellt. Verkehrsberuhigungsmaßnahmen müssen jedoch kein Problem sein, sie können auch zur Lösung beitragen. Das zeigt eine neue Analyse des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), die die Auswirkungen solcher Maßnahmen auf den Einzelhandel in den Blick nimmt. Die Ergebnisse liegen online als Difu-Policy-Paper vor.

Die Analyse der empirischen Studien aus dem In- und Ausland zeige, dass es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und einer wirtschaftlichen Schlechterstellung des Einzelhandels gebe. Die Studien und Praxisberichte zeigen vielmehr: Ein attraktiver öffentlicher Raum ziehe Menschen an, lade zum Bummeln und Verweilen ein und komme damit auch dem Einzelhandel zugute. Schließlich sei für die Umsatzentwicklung vor allem die Kundenfrequenz relevant.

Eine weitere zentrale Erkenntnis aus den untersuchten Studien ist, dass Radfahrer und Fußgänger zwar pro Besuch weniger Geld ausgeben als Menschen, die mit dem Auto zum Einkaufen fahren. Sie suchen den Einzelhandel jedoch häufiger auf, sodass sie insgesamt einen höheren Umsatz bringen. Von Umgestaltungen zugunsten des Fuß- und Radverkehrs profitiert daher auch der Einzelhandel.

Wichtig für den Erfolg von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen sei, dass die Erreichbarkeit des Einzelhandels auch unabhängig vom Auto sichergestellt sei, so Difu-Studienleiterin Michaela Christ. Hierfür müssen die Alternativen zum Auto, also ÖPNV sowie Rad- und Fußverkehr, langfristig gestärkt und ihre Nutzung attraktiver gemacht werden. Durch das Instrument der Parkraumbewirtschaftung könne die Erreichbarkeit auch für Menschen sichergestellt werden, die auf den Pkw angewiesen seien. Es sei ja im Interesse des Einzelhandels, dass der vorhandene Parkraum nicht durch Dauerparker belegt wird, sondern der Kundschaft für ihre Einkäufe zur Verfügung stehe. Durch Parkraumbewirtschaftung werden genau diese wichtigen Potenziale aktiviert. Darüber hinaus könne der Straßenraum durch eine Reduzierung der Parkplätze für vielfältige Nutzungen geöffnet werden, die das längere Verweilen für die Kunden attraktiver machen.

Angesichts zunehmender Verkehrsbelastungen mit negativen Folgen für Gesundheit, Sicherheit, Umwelt und Wohlbefinden ist eine Umgestaltung des Straßenraums zugunsten des Umweltverbundes – ÖPNV, Rad- und Fußverkehr – keine Frage des „Ob“, sondern des „Wie“. Um von den Vorteilen der Verkehrsberuhigung zu profitieren, sollten sich Einzelhandel und Interessenverbände dafür stark machen, dass positive Beispiele der Verkehrsberuhigung in ihrer Kommune aufgegriffen und an die jeweilige städtische Situation angepasst werden. Für den Erfolg seien zudem passende Beteiligungsmaßnahmen und professionelle Kommunikation wichtig.

Die Difu-Analyse nahm Groß- und einige Mittelstädte in den Blick. Zur Situation in kleineren Kommunen stehen bisher nicht genügend Studien und damit nicht ausreichend Datenmaterial für eine Analyse zur Verfügung.

Weitere Informationen
Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH
D-10969 Berlin
www.difu.de