Verkehrsmanagement
Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Die Anforderungen an die Flexibilität und Verfügbarkeit steigen kontinuierlich. Gleichzeitig gilt es, ambitionierte Klimaziele zu erfüllen und einen deutlich zunehmenden Mangel an Fahrpersonal aufzufangen. Gemäß einer Analyse des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) könnte die zunehmende Automatisierung im Verkehrssystem eine signifikante Steigerung der Attraktivität und Wirtschaftlichkeit des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) bewirken. Diese Erkenntnisse wurden in einem Whitepaper der Verkehrsforschung des DLR dargelegt. Zu diesem Zweck wurden technologische Entwicklungen und wirtschaftliche Effekte analysiert, die sich ergeben, wenn das bestehende ÖPNV-Netz sowie das Mobilitätsangebot durch den Einsatz automatisierter Fahrzeuge erheblich erweitert würden. Aufbauend auf den gewonnenen Erkenntnissen werden in der DLR-Studie Handlungsempfehlungen für die kommenden fünf bis zehn Jahre formuliert.
„Für einen schnellen Transfer in die Praxis müssen wir jetzt Modellregionen und Reallabore ausbauen und die regulatorischen Rahmenbedingungen so modernisieren, dass sie eine schnellere Zulassung ermöglichen. Unser Ziel muss ein ÖPNV sein, der eine hohe Qualität hat und langfristig finanzierbar ist. Nur so kann der ÖPNV ein tragender Bestandteil eines zukunftsweisenden und effizienten Verkehrssystems sein.“
Prof. Meike Jipp, Bereichsvorständin für Energie und Verkehr des DLR
Automatisierung kann ein wichtiger Lösungsansatz sein
Eine zentrale Aussage der Studie lautet, dass die Automatisierung in naher Zukunft zu einem entscheidenden Baustein für ein stabiles und leistungsfähiges Verkehrssystem werden wird. Insbesondere in ländlichen Gebieten kann sie einen signifikanten Beitrag zur Sicherung und Erweiterung des Angebots leisten. In diesem Kontext stellen die hohen Betriebskosten sowie die tageszeitlich stark schwankende Nachfrage eine signifikante Herausforderung für die Implementierung eines klassischen Linienverkehrs mit festen Fahrplänen dar.
Schiene und Straße geschickt kombinieren
Die Wissenschaftler des DLR identifizieren in der Kombination von automatisiertem Schienen- und Straßenverkehr ein großes Potenzial. Die Nutzung von automatisierten Schienenfahrzeugen, wie bspw. einem On-Demand-Schienentaxi, könnte dazu beitragen, stillgelegte Nebenstrecken im ländlichen Raum wieder nutzbar zu machen. Die Implementierung autonomer Shuttle-Dienste auf der Straße würde zu einem integrierten System aus Zubringerverkehr und leistungsfähiger Schiene führen, das als schnelle Verbindung auf Hauptachsen fungiert.
Deutlich geringere Betriebskosten und neue Berufsfelder
Die Berechnungen des DLR haben ergeben, dass sich durch Automatisierung bis zu 33 % der Betriebskosten im Schienenverkehr und mehr als 50 % im straßengebundenen On-Demand-Verkehr einsparen ließen. Gleichzeitig entstehen durch die Automatisierung neue Tätigkeitsfelder und Berufe, z. B. in Teleoperation von Fahrzeugen, der Wartung oder im Software-Betrieb.
ÖPNV als Teil eines Mobilitätsnetzes stärken
Neben den betriebswirtschaftlichen Effekten, die den ÖPNV als wesentlichen Bestandteil unseres multimodalen Verkehrssystems stärken, sehen die Forscher auch positive Auswirkungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland: So könnten automatisierte Verkehrssysteme die Attraktivität des ländlichen Raums stärken und gleichzeitig vielversprechende Technologiemärkte für deutsche Unternehmen eröffnen.
Weitere Informationen
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR)
D-51147 Köln
www.dlr.de