Verkehrsmanagement

Notfall-Pläne für marode Autobahn-Brücken

Rund 4.500 Autobahnbrücken sind bundesweit bis Anfang der 2030er-Jahre zu sanieren. Es steht jetzt schon fest, dass direkt anschließend die nächsten 4.000 der rund 28.000 (Teil-)Bauwerke im Netz der Bundesautobahnen ersetzt oder umfangreich saniert werden müssen. Daraus dürfte die Daueraufgabe der Brückenerneuerung in einem rollierenden Verfahren entstehen. Viele Brücken gehen zum Ende ihrer Lebensdauer schneller kaputt als erwartet. Dabei ist nicht auszuschließen, dass es bei einzelnen Bauwerken zu Störungen im Betrieb kommen könnte. Die notwendigen Einschränkungen der Brückenbefahrbarkeit durch den Traglastindex sind dabei auch abgestuft – Verbot für Großraum- und Schwertransport, Tonnenbegrenzung, Lkw-Verbote, schlimmstenfalls eine komplette Sperrung – denkbar.

Um sich auf solche Fälle vorzubereiten, hat die Autobahn GmbH Rheinland Strategien zur Verkehrssteuerung bei mangelnder Brückenbefahrbarkeit vorgestellt. Diese wurden am 19. Mai 2026 in der Verkehrszentrale Leverkusen erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Ziel ist, bei Störungen im Ablauf der Brückenmodernisierungen „vor die Lage zu kommen“.  Also rechtzeitig vorher, entspannt und in Ruhe überlegt. Anhand von zwölf Beispielen mit besonders hoher verkehrlicher Bedeutung (u. a. Wiehltal-Brücke auf der A 4, Fleher-Brücke auf der A 46, Ruhrtalbrücke auf der A 52 und Rheinbrücke Bonn-Nord auf der A 562) wurde eine Blaupause mit umfangreichem „Instrumentenkoffer Verkehrsmanagement“ erstellt. Dieser enthält 55 verschiedene Maßnahmen – von Umleitungs-Konzepten über die Verstärkung von Nebenstraßen bis hin zur frühzeitigen Information der Autofahrer – die sich mittels eines Baukastensystems auch auf andere Störungen im Autobahnnetz heranziehen lassen.

Beteiligt an der Ausarbeitung für den Ernstfall waren rund 110 Experten aus über 50 Organisation von Land, Kommunen, Wirtschaft und Verbänden. Ein weiterer Vorteil liegt schon jetzt darin, dass sich die verantwortlichen Ansprechpartner kennen lernen konnten, zueinander Netzwerke und „Brücken bauen“ und im hoffentlich nicht eintretenden Ernstfall kurze und schnelle Verständigungswege nutzen können. Zusammen werden sich im dauerhaften Austausch nicht nur das gegenseitige Vertrauen, sondern auch die Maßnahmenmöglichkeiten ständig weiterentwickeln. Auch vor Ort ist festzustellen, wie sich die Verkehre verteilen, ob Schulwege wider Erwarten betroffen wären oder andere Engstellen auftreten. 

„Wir gehen den hohen Modernisierungsbedarf bei den Autobahnbrücken entschlossen und zielgerichtet an. Da wir Beeinträchtigungen des Verkehrs nicht vermeiden können, entwickeln wir vorausschauend ein Verkehrs- und Mobilitätsmanagement und können die daraus gewonnenen Erkenntnisse einsetzen.“ 
Dirk Brandenburger, Geschäftsführer Technik der Autobahn GmbH des Bundes 

Diesem Pilotprojekt der Niederlassung Rheinland sollen die weiteren Niederlassungen mit ihren regionalen Konzepten für ein vorausschauendes und zugleich netzwerkübergreifendes Verkehrs- und Mobilitätsmanagement folgen.

Weitere Informationen
TOP MEDIENDIENST
Frank G. Buchhold
D-41564 Kaarst
www.topmediendienst.de