Verkehrsmanagement

Autobahn 44 wird zum Testfeld

Aufmerksame Verkehrsteilnehmer werden in den vergangenen Wochen auf der A 44 im Autobahndreieck Jackerath ungewöhnliche Bautätigkeiten festgestellt haben. In Fahrtrichtung Autobahnkreuz Holz sind auf einer Strecke von rund 1 km in Zusammenarbeit mit der Autobahn GmbH elf Masten für das Projekt ACCorD (AC für Aachen, Cor für Korridor, D für Düsseldorf) aufgestellt worden. In dem „Korridor für neue Mobilität“ erheben die Wissenschaftler der Institute für Kraftfahrzeuge (Ika) und für Straßenwesen (Isac) der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen hier anonyme Verkehrsdaten. Ziel der Erhebung ist eine Datengrundlage für die Entwicklung und Absicherung automatisierter Fahrfunktionen. Am Ende soll auch die Autobahn GmbH davon profitieren, um Verkehrsströme besser lenken zu können.

Corona und Lieferengpässe verzögerten den Start
Die Corona-Pandemie und Lieferengpässe haben das ganze Projekt, welches vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) gefördert wird, arg verschoben. Ursprünglich läuft es nämlich bereits seit dem 1. Januar 2020. Nachdem im Sommer 2021 die intelligente Infrastruktursensorik auf dem Campus Melaten in Aachen installiert worden war, konnten nun auch endlich die finalen Arbeiten an der B 56 und der A 44 abgeschlossen werden. Damit wurden zwei weitere Testumgebungen für automatisiertes und vernetztes Fahren fertiggestellt. Das Projektvolumen beträgt 11,11 Mio. €, davon kommen 9,57 Mio. € aus öffentlicher Förderung.

Hohes Interaktionslevel auf der A 44
Die Auswahl der drei Standorte sorgt dafür, dass die Daten die verschiedensten Aspekte des Verkehrs im ländlichen Raum, auf der Autobahn sowie im städtischen Verkehr abbilden. Der Abschnitt auf der A 44 ist aufgrund der zwei Auffahrten von der A 61 perfekt für das Projekt geeignet. Darüber hinaus ermöglicht die Dreispurigkeit viele Spurwechsel und Überholmanöver. Es ist also viel los. Eine schnurgerade Strecke ohne Auffahrten würde dagegen weniger bringen. Dass auch die Autobahn GmbH von den Daten in Zukunft profitieren wird, liegt auf der Hand. Deren Mitarbeiter bedienen die zahlreichen elektronischen Anlagen entlang der Autobahnen, mit denen der Verkehr gesteuert wird. „In Zukunft“ ist dabei ein treffendes Wort, denn auf der fünfstufigen Skala zum autonomen Fahrzeug bewege man sich aktuell auf zwei oder drei, mit eben noch viel Luft nach oben.

Zwei verschiedene Anwendungsgebiete
Die erhobenen, anonymen Verkehrsdaten werden in zwei verschiedenen Anwendungsgebieten genutzt. Einerseits werden diese Daten in einer zentralen Datenbank abgelegt, um rückwirkend bspw. das Verhalten von Verkehrsteilnehmenden und deren Interaktionen untereinander zu analysieren und daraus Erkenntnisse für zukünftige automatisierte Fahrfunktionen abzuleiten. Wann wird z. B. gebremst, wie lange dauert eine Auffahrt auf die Autobahn und wie groß ist der Abstand zum anderen Auto. Diese grundlegenden Daten gibt es aktuell noch nicht, sie bilden nun die Basis für weitere Schritte. Es wird am Tag und in der Nacht, bei gutem und schlechtem Wetter gemessen. Auch das fließt mit in die Datensätze ein. Andererseits können vernetzte und automatisierte Versuchsfahrzeuge die Daten auf den Testfeldern in Echtzeit über WLAN oder Mobilfunk empfangen, um vorausschauend handeln zu können. So erhalten Fahrzeuge bereits Informationen über die vorausliegende Strecke, bevor sie diese mit ihrer eigenen Sensorik „sehen“ können.

Ergebnis ist ein digitaler Zwilling des Verkehrs
Jede Messeinrichtung ist mit Kamerasensoren und Laserscannern ausgerüstet, deren Rohdaten direkt in Echtzeit ausgewertet und deshalb gar nicht gespeichert werden. Das Ergebnis der Auswertung ist ein digitaler Zwilling des Verkehrs. Dazu übermitteln die Messstationen anonyme Objektdaten an einen zentralen Rechner, der diese zu einem Gesamtbild fusioniert. Es herrscht daher zu keinem Zeitpunkt Zugriff auf personenbeziehbare Daten, da weder Bilder noch Kennzeichen o. Ä. aufgezeichnet oder gespeichert werden. Diese riesige Datenmenge könnte auch gar nicht erfasst und ausgewertet werden.

KoMoD und Testgelände Aldenhoven sind involviert
Mit ACCorD wird unter Einbindung bestehender Testmöglichkeiten wie dem Testfeld KoMoD in Düsseldorf und dem abgeschlossenen Testgelände Aldenhoven Testing Center eine integrierte Entwicklungsumgebung geschaffen, um automatisierte Fahrzeuge in Interaktion mit vernetzter Infrastruktur systematisch zu testen und abzusichern. Dies erfolgt durch eine Werkzeugkette und Methodik, in welcher Simulation, abgeschlossene Testgelände sowie Testfelder im öffentlichen Verkehr bestmöglich verknüpft werden.

Breites Kompetenzspektrum des Projektkonsortiums
Das Projektkonsortium umfasst neben dem Ika als Verbundkoordinator auch Unternehmen und Einrichtungen aus Forschung, Industrie und regionalen Behörden und Kommunen. Durch das breite Kompetenzspektrum des Konsortiums können sämtliche Forschungsthemen wie automatisiertes Fahren, V2X-Kommunikation, Infrastrukturmaßnahmen, digitaler Zwilling und Sensorvalidierung bestmöglich erforscht und erprobt werden.

Weitere Informationen zu dem Forschungsprojekt gibt es auf www.accord-testfeld.de.

Weitere Informationen
Die Autobahn GmbH des Bundes

Niederlassung Rheinland
D-47799 Krefeld
www.autobahn.de