Verkehrsmanagement

Automatisiert fahren, wo es am schwierigsten ist – eine Projektbilanz

Mit einer Abschlussveranstaltung im Aldenhoven Testing Center präsentierte das Verbundprojekt STADT:up die Ergebnisse aus dreieinhalb Jahren gemeinsamer Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Bei der zweitägigen Veranstaltung erhielten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik, Industrie und Kommunen Einblicke in die entwickelten Technologien und Konzepte zum durchgängigen automatisierten Fahren im Stadtverkehr. Auf dem weitläufigen Testgelände konnten sie zudem die Prototypen bei Fahrdemonstrationen live erleben.

Automatisiertes Fahren als Schlüsseltechnologie für urbane Mobilität
Automatisiertes Fahren gilt als ein zentraler Baustein zukünftiger Mobilitätskonzepte. Während sich erste automatisierte Fahrfunktionen auf Autobahnen bereits im Serieneinsatz befinden, stellt der innerstädtische Verkehr weiterhin eine der größten Herausforderungen dar. Dichte und heterogene Verkehrsströme, komplexe Knotenpunkte, unübersichtliche Situationen, temporäre Hindernisse sowie die Interaktion mit Fußgängern, Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmenden erfordern ein besonders robustes, vorausschauendes und kooperatives Fahrverhalten automatisierter Systeme.

Hier setzt das Projekt an, dessen Ziel es war, automatisiertes Fahren durchgängig im Stadtverkehr zu ermöglichen und die Fahrer:innen so dauerhaft von Fahraufgaben zu entlasten – bei wechselnden Umgebungsbedingungen und in komplexen Verkehrssituationen.

Umfassender Einsatz von KI
Im Projekt wurde eine urbane Fahrautomation entwickelt, die KI für die gesamte funktionale Wirkkette einsetzt, also für die Umgebungserfassung und Datenfusion ebenso wie bei der Verhaltensprädiktion und Manöverplanung.

Ein wesentlicher Fortschritt im Projekt wurde z. B. bei der sensorgestützten Umfelderfassung erzielt, die auch unter widrigen Bedingungen jederzeit absolut zuverlässig funktionieren muss. Um dieses Höchstmaß an Robustheit zu erreichen, fusioniert die KI die Daten verschiedenster Sensoren so intelligent, dass selbst bei Ausfall oder Fehlinformation eines einzelnen Sensors – etwa bei starkem Regen – jederzeit ein präzises und zuverlässiges Gesamtbild der Umgebung entsteht.

Auch bei der Vorhersage des Verhaltens anderer Verkehrsteilnehmender und der damit verbundenen Aktionsplanung integrierten die Projektpartner erfolgreich KI-Methoden. Diese helfen dem automatisierten Fahrzeug, das Verhalten anderer Akteure korrekt vorauszusehen und seine Fahrmanöver sicher und effizient darauf abzustimmen. Gleichzeitig muss das Fahrzeug seine Absichten und intendierten Manöver verständlich nach außen vermitteln, was im Projekt prototypisch über lichtbasierte Signale gelöst wurde. Um den Insassen einen reibungslosen Übergang zwischen verschiedenen Automatisierungsstufen zu ermöglichen, entwickelten die Partner außerdem adaptive Bedien- und Anzeigelösungen für den Innenraum.

Ganzheitlicher Ansatz für eine nachhaltige urbane Mobilität
Das Projekt verbindet die technologische Entwicklung des automatisierten Fahrens mit Konzepten für eine nachhaltige, urbane Mobilität. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Städten wurden Anforderungen, Nutzungskonflikte und Zukunftsszenarien analysiert. Die Ergebnisse wurden bei der Konzeption eines digitalen Zwillings berücksichtigt, der intermodale Mobilitätsströme abbildet und die Auswirkungen automatisierter Fahrzeuge auf das Verkehrssystem simuliert.

„Mit STADT:up haben wir gezeigt, dass automatisiertes Fahren die komplexen und vielfältigen Verkehrssituationen im Stadtverkehr zuverlässig bewältigen kann. Der umfassende Einsatz von KI ist dafür der entscheidende Schlüssel. Gleichzeitig spielt die nutzerzentrierte Gestaltung von Interaktionen zwischen Mensch und Fahrzeug eine entscheidende Rolle für eine sichere Teilnahme von automatisierten Fahrzeugen im Verkehr. Die heute gezeigten Demonstrationen belegen, dass viele der entwickelten Lösungen bereits einen hohen Reifegrad erreicht haben und in industriellen Entwicklungsprojekten zur Serienreife gebracht werden können.“
Dr. Lutz Bürkle, Projektkoordinator und Vertreter der Robert Bosch GmbH


Über STADT:up

  • Verbundprojekt STADT:up („Solutions and Technologies for Automated Driving in Town“)
     
  • gefördert im Förderprogramm „Neue Fahrzeug- und Systemtechnologien“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie
     
  • Beteiligung von 20 Partnern aus Fahrzeugindustrie, Zulieferwirtschaft, Technologieentwicklung sowie Wissenschaft und Forschung
     
  • Laufzeit: dreieinhalb Jahre
     
  • Gesamtbudget: 62,2 Mio. €



Bild 2: Gruppenbild auf dem Gelände des Aldenhoven Testing Center

Weitere Informationen
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
D-10115 Berlin
www.bundeswirtschaftsministerium.de