Verkehrsmanagement
Im Forschungsprojekt AIAMO – Artificial Intelligence And MObility werden KI-gestützte Lösungen für ein umweltsensitives Mobilitätsmanagement entwickelt und in den Pilotregionen erprobt. Die Anwendungen entstehen auf Grundlage konkreter kommunaler Anforderungen und Anwendungsfälle. Die für Leipzig entwickelten Werkzeuge und Lösungen wurden jetzt den beteiligten Akteuren im Mobilitäts- und Tiefbauamt, Amt für Umweltschutz und Referat Digitale Stadt zur Erprobung und Bewertung der Praxistauglichkeit bereitgestellt.
Ziel ist es, kommunale Entscheidungsprozesse künftig durch eine verbesserte Analyse von Verkehrsfluss, Luftqualität und Umweltbelastungen zu unterstützen sowie die Auswirkungen unterschiedlicher verkehrsbezogener Entwicklungen und Maßnahmen fundierter bewerten zu können. Die im Projekt entwickelten Anwendungen schaffen damit eine Grundlage für die Weiterentwicklung datenbasierter und umweltorientierter Ansätze im kommunalen Mobilitätsmanagement mittels KI-basierter Anwendungen.
Leipzig verfolgt im Rahmen des Forschungsprojekts das Ziel, verkehrliche Ansätze zur Unterstützung der Einhaltung der ab 2030 geltenden europäischen Luftqualitätsgrenzwerte zu entwickeln. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf belasteten Bereichen im Stadtgebiet sowie auf der Frage, wie Mobilität in der wachsenden Stadt künftig umweltfreundlicher und nutzerorientierter gestaltet werden kann. Diese Daten werden in der Integrationszone des AIAMOnexus – der zentralen Infrastruktur von AIAMO – über standardisierte Schnittstellen mit weiteren Mobilitäts- und Umweltinformationen aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführt und mithilfe von leistungsfähigen AI Foundation Models für KI-Anwendungen nutzbar gemacht.
Zu den gemeinsam mit Leipzig entwickelten Lösungen gehören u. a. Digitale Zwillinge für Verkehr und Umwelt. Sie nutzen Floating-Car-Daten vernetzter Fahrzeuge, Umwelt- und Wetterdaten bis hin zu Informationen des öffentlichen Verkehrs und ermöglichen dadurch ein virtuelles Abbild zentraler Mobilitäts- und Umweltprozesse in der Stadt. Verkehrsflüsse, Umweltbelastungen und Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Mobilitätsformen lassen sich so deutlich präziser analysieren, simulieren und prognostizieren als bisher.
Dadurch können beispielsweise Auswirkungen von Baustellen, Großveranstaltungen oder veränderten Verkehrsführungen künftig besser untersucht und unterschiedliche Szenarien fachlich bewertet werden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Umfeld des Stadions an Veranstaltungstagen sowie auf verkehrs- und umweltbelasteten Bereichen, sogenannten Hotspots. Dort sollen die entwickelten Anwendungen dazu beitragen, Belastungssituationen besser zu erkennen und die Bewertung möglicher Maßnahmen zu unterstützen. Hinzu kommt die dynamische Steuerung von Lichtsignalanlagen, die Schaltungen an die aktuelle Verkehrslage anpasst und so insbesondere in belasteten Bereichen zu einem verbesserten Verkehrsfluss beitragen kann.
Auch der öffentliche Verkehr kann so gezielter in ein umweltsensitives Mobilitätsmanagement eingebunden und mit anderen Mobilitätsangeboten verzahnt werden. Ergänzend entstehen im Rahmen des Forschungsprojekts Anwendungen, die Bürgerinnen und Bürger bei einer umweltfreundlichen Mobilitätswahl unterstützen. Dazu gehören beispielsweise multimodale Routenvorschläge, die öffentliche Verkehrsmittel, Sharing-Angebote und weitere Mobilitätsformen intelligent miteinander kombinieren. Ergänzt werden diese Funktionen durch Anreizsysteme, die nachhaltiges Mobilitätsverhalten gezielt fördern.
„AIAMO überführt Forschungsergebnisse zu Künstlicher Intelligenz in anwendungsnahe Piloten kommunaler Mobilitätssysteme. Der Start des Pilotbetriebs ist deshalb mehr als ein technischer Meilenstein: Er zeigt, wie Deutschland eigene Kompetenzen für datenbasiertes, umweltsensitives Mobilitätsmanagement aufbauen und kommunale Handlungsfähigkeit stärken kann. Entscheidend ist, dass solche Systeme interoperabel, übertragbar und an den tatsächlichen Anforderungen der Städte und Regionen ausgerichtet sind.“
Markus Wartha, Präsident von ITS Germany e. V. und Konsortialführer von AIAMO
Die nun bereitgestellte Lösung umfasst zentrale Komponenten dieser Anwendungen und bildet die Grundlage für die weitere praktische Erprobung in Leipzig. Die dort entwickelten Lösungen sollen künftig auch auf andere Städte und Regionen übertragbar sein. Damit wird das Ziel verfolgt, skalierbare und interoperable Systeme für ein modernes kommunales Mobilitätsmanagement bereitzustellen.
Weitere Informationen
ITS Germany – Bundesverband der Wirtschaft und Wissenschaft für Verkehrstechnologien und intelligente Mobilität e. V.
D-10117 Berlin
www.its-germany.org