Verkehrsmanagement

Stuttgart löst München an der Spitze des Smart City Index 2026 ab

Stuttgart ist die „digitalste“ Großstadt Deutschlands und löst München an der Spitze des Smart City Index 2026 des Digitalverbands Bitkom ab. Auf den weiteren Plätzen folgen München, Hamburg, Nürnberg und Düsseldorf. Untersucht wurden 83 deutsche Großstädte in den fünf Kategorien Verwaltung, IT und Kommunikation, Energie und Umwelt, Mobilität sowie Gesellschaft und Bildung.

Stuttgart überzeugt durch eine breite Digitalisierung und gehört als einzige Stadt in allen fünf Kategorien zu den zehn Besten. Besonders stark schneidet die Landeshauptstadt Baden-Württembergs bei Energie und Umwelt ab. In der Mobilität erreicht sie Rang acht. Hamburg führt die Kategorie Mobilität an, u. a. mit digitalen Lösungen für den Verkehr. Insgesamt steigt das Digitalisierungsniveau der Städte weiter: Die durchschnittliche Bewertung verbessert sich gegenüber dem Vorjahr deutlich. Zugleich rücken die Spitzenstädte enger zusammen, während die Anforderungen für einen Platz in den Top Ten steigen.

Digitale Verkehrssteuerung als Erfolgsfaktor
Die Ergebnisse zeigen, dass digitale Technologien zunehmend konkrete Anwendungen im Verkehr und in der kommunalen Infrastruktur ermöglichen. Mönchengladbach bspw. verbessert sich im Gesamtranking deutlich und erreicht erstmals die Top 20. In der Mobilität gewinnt die Stadt insbesondere durch eine KI-basierte Verkehrssteuerung, ein digitales Verkehrsschildkataster und WLAN im öffentlichen Nahverkehr. Auch andere Kommunen erzielen in einzelnen Kategorien überdurchschnittliche Ergebnisse, selbst wenn sie im Gesamtranking weiter hinten liegen. So erreicht Berlin den vierten Platz in der Mobilität.

Die Beispiele verdeutlichen, dass gezielte Investitionen und klare kommunale Prioritäten entscheidend sind. Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck: Städte, die ihre Digitalisierung nicht kontinuierlich weiterentwickeln, verlieren im Vergleich zu anderen Kommunen an Boden. Auch kleinere Großstädte holen auf. Zu den dynamischen Aufsteigern zählen Erlangen und Hildesheim, während Bremen seine positive Entwicklung fortsetzt.

Digitale Lösungen für Umwelt- und Krisenschutz
Der Smart City Index zeigt auch, wie digitale Infrastruktur die kommunale Handlungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit stärken kann. Dortmund erfasst mit einem flächendeckenden Klimamessnetz die Hitzebelastung im Stadtgebiet. Ein interaktives Dashboard hilft dabei, besonders betroffene Quartiere zu identifizieren und Maßnahmen gezielt auszurichten. Solingen entwickelt mit einem Pilotprojekt die digitale Krisenkommunikation weiter: Neben allgemeinen Warnungen sollen ortsspezifische Informationen, Anlaufstellen und Kontaktdaten bereitgestellt werden.

Solche Anwendungen verdeutlichen den Nutzen vernetzter Daten für Verkehrssteuerung, Umweltmanagement und Katastrophenschutz. Sie können dazu beitragen, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, Maßnahmen besser zu koordinieren und Kommunen im Krisenfall handlungsfähiger zu machen.

Dauerhafte Finanzierung und gemeinsame Standards erforderlich
Damit erfolgreiche Digitalisierungsprojekte langfristig Wirkung entfalten, fordert Bitkom verlässliche Rahmenbedingungen. Viele Lösungen sind im Rahmen befristeter Förderprogramme entstanden, deren Auslaufen die Fortführung gefährden könnte. Benötigt werden deshalb eine bundesweit einheitlich definierte und dauerhaft finanzierte digitale Basisinfrastruktur sowie die frühzeitige Einbindung von Smart-City-Anwendungen in den Deutschland-Stack. Offene Standards sollen sicherstellen, dass bestehende Systeme miteinander verbunden werden können.

Darüber hinaus sollen Kommunen stärker auf bereits erprobte Lösungen zurückgreifen können, statt diese selbst zu entwickeln. Ein ausgebauter Marktplatz, eine zentrale Beratungsstelle und ein innovationsfreundlicheres Vergaberecht könnten die Beschaffung erleichtern und die Zusammenarbeit mit Start-ups fördern.

Der Smart City Index basiert auf einer umfassenden Erhebung von Daten zu digitalen Angeboten und Infrastrukturen in den untersuchten Städten. Die Ergebnisse machen deutlich: Die Digitalisierung kommunaler Aufgaben ist kein kurzfristiges Projekt, sondern eine kontinuierliche Entwicklungsaufgabe. Gerade für den Bereich Straße und Verkehr bieten intelligente Steuerungssysteme, vernetzte Infrastruktur und datenbasierte Planung wichtige Ansatzpunkte, um Effizienz, Umweltverträglichkeit und Krisenfestigkeit zu verbessern.

Weitere Informationen
Bitkom e. V.
D-10117 Berlin
www.bitkom.org