Verkehrssicherheit

Experten warnen vor Anhebung des Grenzwerts für Cannabis-Konsum am Steuer

Seit Inkrafttreten des neu geschaffenen Cannabis-Gesetzes am 1. April dieses Jahres ist der Konsum von Cannabis in Deutschland entkriminalisiert. Der Plan, den im Straßenverkehr geltenden Grenzwert für den rauschwirksamen Bestandteil THC (Tetrahydrocannabinol) deutlich anzuheben, ist aus Sicht der Experten von DEKRA das falsche Signal und ein Risiko für die Verkehrssicherheit.

Der vorliegende Entwurf, mit dem das Straßenverkehrsgesetz entsprechend geändert werden soll, sieht vor, den gesetzlichen Grenzwert am Steuer von 1 ng/ml THC im Blut auf 3,5 ng/ml anzuheben. Aus Sicht von DEKRA wird die Gesetzesvorlage dem Prinzip der vorbeugenden Gefahrenabwehr nicht gerecht. Ebenso wenig dem Anspruch, Vorschriften auf der Basis wissenschaftlicher Grundsätze zu entwickeln, wie Dr. Thomas Wagner, Leiter der amtlich anerkannten Begutachtungsstellen für Fahreignung bei DEKRA, ausführt. Es gibt laut Wagner keineswegs einen einheitlichen Forschungsstand zur Frage, ab welchem Grenzwert die Fahrsicherheit von Cannabis-Konsumenten potenziell eingeschränkt ist. Wer die verfügbaren wissenschaftlichen Quellen neutral auswerte, könne nicht zum Ergebnis kommen, dass die Anhebung des Grenzwerts für die Verkehrssicherheit mit Sicherheit kein Risiko darstelle.

Der Einfluss von Drogen am Steuer hat aus seiner Sicht schon bei geringeren Blutwerten das Potenzial, die Wahrnehmungs-, Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit am Steuer zu beeinträchtigen. Ein höherer Grenzwert sende die fatale Botschaft, dass Cannabis-Konsum und die Teilnahme am Straßenverkehr schon irgendwie unter einen Hut zu bekommen seien. Für Fahranfänger, den Gefahrguttransport und die Personenbeförderung brauche es aus seiner Sicht eine absolute Null-Toleranz, genau wie beim Alkohol. Aber auch alle anderen Verkehrsteilnehmer könnten eine Erhöhung des Grenzwerts als Freibrief missverstehen.

Die vorgesehene Erhöhung basiert auf der Einschätzung einer Arbeitsgruppe, wonach der Grenzwert von 3,5 ng/ml vom Risiko her vergleichbar sein soll mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,2 Promille. Für Dr. Frank Mußhoff, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin, sei das eine Meinung, aber keine wissenschaftliche Feststellung. Tatsächlich bestehe ein wissenschaftlicher Konsens dazu, dass keine THC-Werte Blutalkoholkonzentrationen gegenüberzustellen sind bzw. keine Konzentrations-Wirkungsbeziehungen für THC im Blut zu ermitteln seien. Zudem sei es ein gefährliches Wording, wodurch nahegelegt werden könnte, dass bei Konzentrationen darunter keine Wirkungen anzunehmen seien. Tatsächlich gibt es aber cannabisinduzierte Unfälle und Fälle mit deutlichen Ausfallerscheinungen unterhalb von 3,5 ng/ml, in denen eine relative Fahrunsicherheit festzustellen ist.

Im Interesse der Verkehrssicherheit appelliert DEKRA an Abgeordneten des Deutschen Bundestags, der Erhöhung des Cannabis-Grenzwerts nicht zuzustimmen. Dr. Thomas Wagner fordert: „Es muss klar sein: Wer kifft, setzt sich nicht ans Steuer.“ Um dieses Bewusstsein in der Bevölkerung zu verankern, wäre aus seiner Sicht der höhere Grenzwert eindeutig das falsche Signal.

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