Verkehrssicherheit
Im Schweizer Straßenverkehr fahren fast 4 % aller Autolenkenden unter Alkoholeinfluss. Von diesen wiederum fahren 11 % über dem gesetzlichen Grenzwert von 0,5 Promille (respektive 0,1 Promille für bestimmte Personengruppen wie Fahranfänger). Das bedeutet, dass tagtäglich 4 von 1.000 Fahrzeugfahrern mit einem unerlaubt hohen Alkoholpegel unterwegs sind. Dies zeigt eine Erhebung zum Fahren unter Alkoholeinfluss. Die BFU hat dabei mit Unterstützung von Polizeikorps in der Deutsch- und Westschweiz (französischsprachige Schweiz) untersucht, wie viele Menschen im Alltag ein Auto lenken, nachdem sie Alkohol getrunken haben. Fakt ist: Alkohol gehört zu den größten Sicherheitsrisiken im Straßenverkehr. Bei durchschnittlich jedem 8. schweren Unfall ist Alkohol im Spiel – insgesamt starben im vergangenen Jahr in der Schweiz 31 Personen bei Alkoholunfällen; 506 weitere wurden schwer verletzt.
Für Patrizia Hertach, Studienleiterin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der BFU, ist die gute Nachricht, dass die jungen Fahrer unter 30 Jahren kaum alkoholisiert Auto fahren. Ebenfalls positiv für die Verkehrssicherheit: Tagsüber an Werktagen, also wenn etwa Schulkinder unbegleitet unterwegs sind, fahren nur 0,1 % der Autofahrer mit einer Alkoholkonzentration über dem Grenzwert. In der Nacht und am Wochenende zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Nachts sitzt in jedem siebten Auto eine alkoholisierte Person hinter dem Lenkrad, davon ist gut jede fünfte über dem gesetzlich erlaubten Limit.
Ältere fahren häufiger unter Alkoholeinfluss als Jüngere, Männer häufiger als Frauen
Werden alle Personen analysiert, die unter Alkoholeinfluss – also auch unter dem erlaubten Limit – fahren, zeigt sich, dass Personen ab 31 Jahren dies häufiger tun als jüngere Fahrer und Männer häufiger als Frauen. Außerdem kommt dieses Verhalten in der Westschweiz häufiger vor als in der Deutschschweiz. Auch beim Fahren über dem gesetzlichen Grenzwert zeigen sich die Alters- und Geschlechtsunterschiede; so fällt vor allem die Altersgruppe der 41- bis 50-Jährigen negativ auf, Männer bedeutend häufiger als Frauen. Zwischen den Sprachregionen sind indessen keine Unterschiede festzustellen.
Schon ein Glas benebelt die Sinne
Die Zahl der schweren Alkoholunfälle ist in der Schweiz seit 2017 wieder leicht gestiegen. Was viele Verkehrsteilnehmer nicht wissen: Im Straßenverkehr macht sich der Konsum von Alkohol schon nach einem Glas bemerkbar. Aufmerksamkeit und Sehvermögen nehmen ab, die Reaktionszeit verlängert sich. Deshalb sensibilisiert die BFU die Verkehrsteilnehmer seit vielen Jahren mit einer nationalen Präventionskampagne und empfiehlt, sich an folgende Tipps zu halten:
- Wer fährt, verzichtet am besten auf Alkohol.
- Als Lenker unterwegs und trotzdem etwas getrunken? Fahrzeug stehen lassen und ÖV oder Taxi nehmen.
- Party? Fahrgemeinschaft bilden und vereinbaren, dass der Fahrer nicht trinkt.
- An die Gastgeber: Immer auch alkoholfreie Getränke anbieten.
- Personen, die Alkohol konsumiert haben, vom Fahren abhalten.
Methode:
Die Erhebung „Roadside Survey Alkohol“ fand von April bis Oktober 2023 in Zusammenarbeit mit insgesamt 14 Polizeikorps aus der Deutschschweiz und der französischsprachigen Schweiz statt. An insgesamt 85 Standorten (Deutschschweiz: 51, Westschweiz: 34) wurden Pkw-Fahrer nach einem Zufallsprinzip angehalten und einem Alkoholtest unterzogen. Die Polizisten erhoben für die Studie Daten zum Erhebungsstandort und zu den kontrollierten Fahrern. Letztlich flossen die Daten von 4.847 Pkw-Fahrern in die Analyse ein (Deutschschweiz: 3.015, Westschweiz: 1.832).
Weitere Informationen
Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu
Stiftung
CH-3011 Bern
www.bfu.ch