Verkehrssicherheit
Das Statistische Bundesamt hat im Juli die Unfallstatistik für das Jahr 2024 veröffentlicht. Trotz leichtem Rückgang bleibt die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten hoch. Der TÜV-Verband mahnt sichere Infrastruktur, strengere Kontrollen und bessere Prävention an.
„Täglich sterben acht Menschen im deutschen Straßenverkehr. Im Jahr 2024 waren es insgesamt 2.770. Das sind zwar rund 2,4 % weniger als im Vorjahr, aber noch immer deutlich zu viele, um von einer Trendwende zu sprechen. Der Straßenverkehr in Deutschland ist für viele Menschen noch immer zu gefährlich. Sicherheit im Straßenverkehr darf kein Zufall sein, sondern braucht entschlossenes politisches Handeln.“
Fani Zaneta, Referentin für Fahrerlaubnis, Fahreignung und Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband
Schutz für die Schwächsten im Verkehr bleibt unzureichend
Besonders groß sei der Handlungsbedarf bei der Sicherheit schwächerer Verkehrsteilnehmer. Fast zwei Drittel der innerorts Getöteten waren 2024 zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs. Im Schnitt wird alle 19 Minuten ein Kind bei einem Verkehrsunfall verletzt. Diese Zahlen belegen, dass der Verkehrsraum in vielen Städten noch nicht sicher genug ist. Eine moderne und verantwortungsvolle Verkehrspolitik müsse den Schutz von Kindern, älteren Menschen, Radfahrern und Fußgängern in den Mittelpunkt stellen. Sichere Rad- und Fußwege, übersichtliche Kreuzungen und eine gerechtere Verteilung des Verkehrsraums seien dafür die Grundlage. Städte und Kommunen bräuchten die notwendigen Spielräume, um Gefahrenstellen zu entschärfen und sichere Verkehrswege zu schaffen.
Verkehrssicherheit braucht sichere Infrastruktur und konsequente Kontrollen
Der Straßenverkehr müsse so gestaltet werden, dass Fehler nicht tödlich enden. Neben baulichen Maßnahmen brauche es eine konsequente Überwachung von Verkehrsregeln. Allein 2024 wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt mehr als 2,4 Mio. Tempoverstöße registriert. Geschwindigkeitsverstöße seien im Jahr 2024 die Hauptursache für Verkehrsunfälle gewesen. Trotzdem fehle es an spürbaren Konsequenzen und vielerorts an Kontrollen. Mehr Polizeipräsenz im Straßenverkehr, höhere Bußgelder und klare Regeln seien dringend notwendig, um Geschwindigkeitsverstöße, Alkoholfahrten und anderes Fehlverhalten wirksam einzudämmen. Insbesondere die Zahl der Alkoholunfälle zeige, dass bestehende Regelungen nicht ausreichen: Fast 200 Menschen starben 2024 bei Alkoholunfällen. Wer alkoholisiert ein Fahrzeug lenkt, gefährdet sich und andere. Die Grenze für eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung sollte daher unbedingt von derzeit 1,6 auf 1,1 ‰ gesenkt werden.
Altersgerechte Mobilität sicher gestalten
Der demografische Wandel stellt den Straßenverkehr vor neue Herausforderungen. Mit zunehmendem Alter steige das Unfallrisiko, oft aufgrund nachlassender Reaktionsfähigkeit oder Fehleinschätzungen im Straßenverkehr. 40 % aller Getöteten waren im vergangenen Jahr über 65 Jahre alt. Die meisten von ihnen kamen als Pkw-Insassen ums Leben (434 Getötete). Um diese Opferzahlen zu senken, seien Rückmeldefahrten ab 75 Jahren ein wichtiges Instrument. Sie unterstützen ältere Autofahrer bei der sicheren Verkehrsteilnahme und helfen dabei, die eigene Fahrkompetenz realistisch einzuschätzen. So bleibe individuelle Mobilität erhalten, ohne die Sicherheit im Straßenverkehr zu gefährden.
Auch im Rad- und Fußverkehr ist die Zahl der Opfer über 65 Jahren dramatisch: 135 Senioren starben mit dem Pedelec, 150 mit dem Fahrrad ohne Motor. Neben der persönlichen Verantwortung ist nach Ansicht des TÜV-Verbands eine altersgerechte Infrastruktur notwendig: gut erkennbare Fahrspuren, sichere Querungen und geschützte Radwege helfen, Unfälle von vornherein zu vermeiden.
| Methodik-Hinweis: Grundlage der Angaben sind endgültige Daten des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2024. Die Zahlen sind abrufbar unter: www.destatis.de. Grundlage der Angaben zu Verkehrsauffälligkeiten wie Geschwindigkeitsverstößen sind Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes für das Jahr 2024. Sie sind abrufbar unter: www.kba.de. |
Weitere Informationen
TÜV-Verband e. V.
D-10117 Berlin
www.tuev-verband.de