Verkehrssicherheit
Telefonieren, das Autoradio einstellen oder Textnachrichten lesen – viele Autofahrerinnen und Autofahrer lassen sich am Steuer ablenken und gefährden damit die Verkehrssicherheit. Der Begriff „Multitasking“ klingt zwar positiv, doch in Wahrheit bedeutet er ein ständiges Wechseln zwischen Aufgaben, was beim Autofahren schnell gefährlich wird. Stefanie Ritter, Unfallforscherin bei DEKRA, betont, dass Autofahren Verstehen, Entscheiden und Reagieren in Echtzeit erfordert, was 100 % Aufmerksamkeit verlangt.
„Wer vom Verkehr weg auf Display schaut, nimmt zentrale Informationen nur noch am Rande wahr, etwa ein Kind am Straßenrand, das Stau-Ende oder ein langsames Fahrzeug“, sagt die Unfallforscherin. „In einer Notsituation, die jederzeit auftreten kann, ist eine angemessene Reaktion oft nicht mehr möglich, denn das ‚Umschalten‘ kostet wertvolle Zeit.“
Stefanie Ritter, Unfallforscherin bei DEKRA
Studien zeigen, dass das Unfallrisiko in Ablenkungssituationen um rund die Hälfte steigt, insbesondere bei der Nutzung von Smartphones oder der Bedienung von Navigationssystemen. Fast 43 % der Autofahrer schließen den Griff zum Mobiltelefon am Steuer nicht aus, was bei Tempo 80 zu einem „Blindflug“ von über 22 m führen kann. Bei Tempo 50 im Stadtverkehr bleibt das Fahrzeug 14 m ohne Kontrolle. Auch andere Tätigkeiten wie Essen, Trinken oder laute Gespräche lenken ab und erhöhen das Unfallrisiko.
Moderne Fahrzeugtechnik, die eigentlich unterstützen soll, verschärft das Problem teilweise. In Fahrzeugen mit Touch-Displays sind wichtige Bedienelemente oft im Menü versteckt, was die Bedienung erschwert und die „Blindfahrt“ verlängert. Die amtliche Unfallstatistik weist seit 2021 Ablenkung als Unfallursache aus, mit 8.722 Unfällen im Jahr 2024, bei denen 106 Personen tödlich und 1.572 schwer verletzt wurden. Unfallforscherin Ritter geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Ablenkungen im Nachhinein schwer nachweisbar sind.
Die Unfallforscherin appelliert, moderne Technik sinnvoll einzusetzen und sich auf das Fahren zu konzentrieren. Laut Straßenverkehrs-Ordnung dürfen elektronische Geräte am Steuer nicht benutzt werden, wenn sie in der Hand gehalten werden. Verstöße werden mit mindestens 100 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg geahndet. Bei einem Unfall drohen sogar höhere Strafen, darunter 200 € Bußgeld, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.
Um Ablenkungsunfälle zu vermeiden, sollten Aufgaben mit Ablenkungspotenzial vor dem Losfahren erledigt werden. Dazu gehören das Einstellen der Sitzposition, der Spiegel, des Radiosenders und des Fahrtziels im Navi. Das Smartphone sollte vor Fahrtantritt mit der Freisprecheinrichtung gekoppelt und außer Reichweite gelegt werden. Auch mit Freisprecheinrichtung sollten am Steuer keine schwierigen oder emotional aufgeladenen Themen besprochen werden. In fremden Fahrzeugen, wie Mietwagen oder Car-Sharing-Fahrzeugen, ist es wichtig, sich vor dem Losfahren mit der Lage der wichtigen Bedienelemente vertraut zu machen, wie Blinker, Licht, Scheibenwischer, Lüftung und Warnblinker.
Bei Fahrten mit Kindern sollten Verpflegung und geeignete Unterhaltung mitgenommen werden, um Ablenkungen zu minimieren. Der Beifahrer kann ebenfalls unterstützen, indem er das Navi einstellt oder andere Aufgaben übernimmt. Es ist ratsam, keine negativen Emotionen mit ins Auto zu nehmen und lieber eine Pause zu machen, als sich zu Multitasking verleiten zu lassen.
Moderne Technik kann jedoch auch positiv genutzt werden, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Systeme wie Müdigkeitswarner, Spurhalteassistenten und Notbremsassistenzsysteme können helfen, Unfälle zu vermeiden. Diese Technologien sind darauf ausgelegt, den Fahrer zu unterstützen und in kritischen Situationen einzugreifen. Dennoch bleibt die volle Aufmerksamkeit des Fahrers unerlässlich, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
Insgesamt zeigt sich, dass Ablenkung am Steuer ein ernstzunehmendes Problem darstellt, das durch den bewussten Einsatz moderner Technik und die Konzentration auf die Fahraufgabe reduziert werden kann. Die Einhaltung der Straßenverkehrs-Ordnung und das Bewusstsein für die Gefahren von Multitasking sind entscheidend, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen.
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