Verkehrssicherheit
Die Anzahl der im Straßenverkehr getöteten Radfahrer ist erneut gestiegen. Im Jahr 2024 verunglückten 445 Menschen tödlich auf deutschen Straßen. Laut den im April 2026 veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) erhöhte sich diese Zahl im Jahr 2025 um rund 4 % auf 462. Damit wächst die Zahl der getöteten Radfahrer doppelt so schnell wie die Gesamtzahl der im Straßenverkehr Getöteten, die im gleichen Zeitraum von 2.770 um 2 % auf 2.814 anstieg. Im Jahr 2025 war jede sechste im Straßenverkehr getötete Person mit dem Fahrrad unterwegs. Auch im Zehnjahresvergleich zeigt sich ein besorgniserregendes Bild: Während die Gesamtzahl der Getöteten von 2015 bis 2025 um 18 % sank, stieg die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer um 21 %. In Anbetracht dieser Entwicklung sieht der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) Bund, Länder und Kommunen in der Pflicht und fordert eine sofortige Infrastrukturoffensive.
„Sicherheit darf keine Frage des gewählten Verkehrsmittels sein. Dass die Zahl der getöteten Menschen auf dem Rad Jahr für Jahr steigt, ist ein dringender Handlungsauftrag für die Verkehrspolitik.“
DVR-Präsident Manfred Wirsch
Trennung der Verkehrsströme
Der DVR fordert eine flächendeckende Aufwertung der Radinfrastruktur. Diese soll durch die qualitative Erneuerung bestehender Wege sowie den Bau neuer Wege erfolgen. Im Zentrum der Maßnahmen steht die konsequente bauliche Trennung von Fuß-, Rad- und Pkw-Verkehr, insbesondere an bekannten Unfallschwerpunkten. Radwege müssen für alle Verkehrsteilnehmer an Kreuzungen, Einmündungen und Zufahrten klar erkennbar und intuitiv verständlich gestaltet sein. Es sei essenziell, dass freie Sichtbeziehungen zwischen allen Verkehrsteilnehmern uneingeschränkt gewährleistet sein und jegliche Beeinträchtigung durch parkende Fahrzeuge vermieden werden müssen. Maßnahmen wie vorgezogene Haltlinien für Radfahrer sowie getrennte Ampelphasen für Rad- und Autofahrer können das Unfallrisiko an Kreuzungen zusätzlich reduzieren. Darüber hinaus müssen Radwege eine ausreichende Breite aufweisen, eine gute Instandhaltung erfahren und frei von Hindernissen sein, sodass die hohe Anzahl an Alleinunfällen, die in der Regel Menschen ab 65 Jahren betreffen, reduziert werden kann. Sofern eine bauliche Trennung der Verkehrsarten nicht realisierbar ist, sei eine Absenkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit erforderlich. Diese Maßnahme trägt laut DVR signifikant zur Steigerung der Überlebenschancen von Radfahrern bei.
Neuer Förderaufruf für mehr Sicherheit im Rad- und Fußverkehr
Passend zu den Forderungen des DVR hat das Bundesministerium für Verkehr (BMV) Ende April den Förderaufruf „Junge Generation Fahrrad – aktiv mobil“ veröffentlicht. Mit einem Fördervolumen von bis zu 145 Mio. € unterstützt der Bund hierbei 30 Projekte mit einer Laufzeit bis 2031, die die Mobilität von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen stärken und die Sicherheit im Rad- und Fußverkehr verbessern sollen.
„Wir wollen, dass Kinder und junge Menschen sich sicher und selbstständig bewegen können. Nur mit einer sicheren und gut ausgebauten Radverkehrsinfrastruktur können Kinder im frühen Alter unbeschwert Fahrrad fahren lernen. Der Fahrrad-Monitor 2025 – eine von uns geförderte Umfrage zur Radnutzung – zeigt, dass vor allem positive, früh gewonnene Erfahrungen auf dem Rad Voraussetzung für eine langfristige Fahrradnutzung sind. Daher unterstützen wir mit diesem Förderaufruf Kommunen dabei, moderne und sichere Infrastruktur zu schaffen und neue Wege für eine aktive Mobilität zu gehen.“ Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder
Gefördert werden sowohl bauliche Maßnahmen (z. B. sichere Wege, Querungen, Verkehrsberuhigung) als auch begleitende Maßnahmen wie Kommunikation, Bildung oder Beteiligung. Somit soll zugleich die Sicherheit im Straßenverkehr insgesamt verbessert werden. Denn sichere Wege und attraktive Angebote können dazu beitragen, den Rad- und Fußverkehr nachhaltig zu erhöhen und Städte sowie Gemeinden lebenswerter zu gestalten.
Zwei Förderlinien
Vom BMV wurden zwei Förderlinien eingerichtet. Die Förderlinie 1 „Zukunft fährt Fahrrad“ setzt auf einen bundesweiten Wettbewerb: Gefördert werden innovative Projekte mit Modellcharakter, die bis 2031 umgesetzt werden. Eine unabhängige Fachjury wählt aus den eingereichten Vorhaben bis zu 30 besonders überzeugende Projekte aus. Fördervolumen: 1,5 bis 6 Mio. € pro Projekt.
Die Förderlinie 2 „Lückenschluss im Sprint“ zielt auf kurzfristige Verbesserungen vor Ort. Gefördert werden schnell realisierbare Maßnahmen bis 2027, die insbesondere die Sicherheit erhöhen und die Attraktivität des Rad- und Fußverkehrs unmittelbar stärken. Fördervolumen: 250.000 bis 1,5 Mio. € pro Projekt.
Verbindliche Standards für sichere Radwege
Doch Neubau und Modernisierung der Radinfrastruktur an sich sei für den DVR nicht ausreichend. Entscheidend sei hierbei die Orientierung an den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV). Diese sollten in allen Bundesländern zum verbindlichen Standard werden.
Gleichzeitig fordert der DVR die Behörden auf, verstärkt Verkehrsschauen durchzuführen und die Empfehlungen der Unfallkommissionen konsequent umzusetzen, um Unfallhäufungsstellen zu entschärfen. Länder und Kommunen sind dazu aufgerufen, in ihrer jeweiligen Zuständigkeit zusammenhängende sichere Radverkehrsnetze zu planen und umzusetzen. Der DVR fordert eine verstärkte Verkehrsüberwachung, sowohl bei Verstößen von Radfahrern als auch gegenüber Radfahrern. Ein wichtiger Aspekt sei dabei die Kontrolle der Verkehrssicherheit von Fahrrädern. Der DVR fordert auf Bundesebene die Einführung eines Ordnungswidrigkeitentatbestands für alkoholisiertes Radfahren ab 1,1 Promille.
Defizite sieht der DVR auch auf Ebene der Bundesländer: Um schwere Unfälle zu verhindern, wären mehr sichere Querungsmöglichkeiten für den Rad- und Fußverkehr auch auf Landstraßen notwendig. Ein Bericht zur letzten Verkehrsministerkonferenz zeige jedoch, dass keines der Bundesländer spezielle Programme für dieses Ziel aufgestellt hat. Aus Sicht des DVR verdeutlichen diese Entwicklungen, dass der Radverkehr politisch noch immer nicht die notwendige Priorität erhält.
Weitere Informationen
Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) e. V.
D-10117 Berlin
www.dvr.de
Bundesministerium für Verkehr
D-10115 Berlin
www.bmv.de