Forschung und Regelwerk der FGSV für die kommunale Praxis | Best Urban Practices
FGSV research and regulations for municipal practice | Best urban practices
Dr.-Ing. Stefan Klotz
Kommunale Mobilität braucht kommunale Infrastruktur. Städte und Gemeinden bilden das Rückgrat unserer Gesellschaft, sind damit grundlegender Teil der Betrachtung des Zusammenspiels zwischen Forschung, Regelwerk und Praxis. Auch, wenn die Geschichte der Gründung und die sich darauf aufbauende Entwicklung der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) eine andere ist: die Spuren sind deutlich. Sowohl Forschung als auch das technische Regelwerk der FGSV sind – anders als ursprünglich gedacht – maßgeblich auf das kommunale Verkehrswesen und damit auf die kommunale Mobilität ausgerichtet. Im Beitrag werden die Organisation der FGSV für kommunale Belange, der Zusammenhang zwischen Forschung, Regelwerk und Best Urban Practices, Auswertungen verschiedener Quellen zur Ermittlung der Bedeutung kommunaler Belange sowie vormalige und aktuelle Forschung und Regelwerk für beste Beispiele in der kommunalen Praxis beschrieben. Diese entstehen durch Forschung als Grundlage für das technische Regelwerk der FGSV; sie wurden und werden „vor Ort“ in Reallaboren ausprobiert, durch innovative Kommunalverwaltungen engagiert begleitet und sind daher Ergebnisse angewandter Forschung. Standardisierung führt bei den Best Urban Practices dazu, dass wir in Deutschland sehr einheitliche und für die an der Mobilität täglich Teilnehmenden sichere, gestalterisch ansprechende Verkehrswege, Plätze und Orte haben, in denen es sich zu leben lohnt.
Municipal mobility needs municipal infrastructure. Cities and municipalities form the backbone of our society and are therefore a fundamental part of the interplay between research, regulations and practice. Even if the history of the founding and subsequent development of the Road and Transportation Research Association (FGSV) seems different, the traces are clear. Both research and the technical regulations of the FGSV are - in contrast to what was originally thought - focussed on municipal transport and thus on municipal mobility. The article describes the organisation of the FGSV for municipal concerns, the connection between research, regulations and best urban practices, evaluations of various sources to determine the importance of municipal concerns as well as past and current research and regulations for best examples in municipal practice. These are the result of research as a basis for the technical regulations of the FGSV; they have been and are being tested ‘on site’ in real-world laboratories, supported by innovative municipal administrations and are therefore the results of applied research. Standardisation of best urban practices means that in Germany we have very uniform, safe and attractive traffic routes, squares and places that are worth living in for those involved in mobility on a daily basis.
doi.org/10.53184/STA2-2025-1
Georeferenzierung – warum die Erde manchmal eine Scheibe ist
Georeferencing – why the earth is sometimes flat
Enrico Romanschek, M. Eng.;
Prof. Dr.-Ing. Christian Clemen, Dresden
Der Beitrag zeigt, dass die sogenannte „Low Distortion Projection“ (LDP) eine wichtige Rolle bei der Integration von Vermessung und GIS in BIM-Projekten spielt. Als konkretes Beispiel wird von der Einführung lokaler Koordinatenreferenzsysteme für die Planung von Personenbahnhöfen bei der DB Station & Service berichtet. Die dreidimensionale Planung und Modellkoordination von Teil- und Fachmodellen ist neben dem Informationsmanagement das wesentliche Moment des Building Information Modeling (BIM). Die dreidimensionale Vermessung des vorhandenen Baubestandes bildet die Grundlage der dreidimensionalen Modellierung. Allerdings arbeitet die in der BIM Methode eingesetzte 3D Autoren- und Koordinationssoftware meistens nicht mit geodätischen Koordinaten, sondern mit „normalen“ kartesischen Koordinatensystemen, oder - überspitzt formuliert: „BIM denkt, die Erde sei eine Scheibe“. Die systematischen Abweichungen bis zu 100cm/1km bei UTM Koordinaten entstehen derzeit, weil 3D-Planungssoftware die Erdkrümmung nicht berücksichtigt. Bei kleinräumigen Projekten, zum Beispiel bei einem Brückenbauwerk, ist es sinnvoll, lokale, dreidimensionale Koordinatensysteme zu verwenden. Dadurch werden die geodätischen Anforderungen mit der fachlichen Sicht der Architektur und des Bauingenieurwesens sowie den mathematischen Anforderungen der Bauinformatik und CAD in Einklang gebracht. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Volumenkörpermodellierung der CAD/BIM-Software zukünftig die gekrümmten geodätischen Koordinaten, wie die Koordinatenbezugssysteme im ETRS89/UTM, mathematisch korrekt verwendet. Also müssen die geodätischen Koordinaten so umgeformt werden, dass die systematische Abweichung zwischen 3D-Planung und Vermessung durch die optimale Definition eines Koordinatenbezugssystems minimiert wird.
This paper shows that Low Distortion Projection (LDP) plays an important role in the integration of surveying and GIS into BIM projects. The example given is the introduction of local coordinate reference systems for the planning of passenger railway stations at DB Station & Service, a subsidiary of Germany's national railway company, Deutsche Bahn. In addition to information management, the three-dimensional planning and model coordination of spatially separated sub-models and thematically separated specialist models is the main element of Building Information Modelling (BIM). The three-dimensional surveying of existing building stock forms the basis of three-dimensional modelling. However, the 3D author and coordination software used in the BIM methodology does not generally work with geodetic coordinates, but with "normal" Cartesian coordinate systems. To illustrate the point, one could exaggerate and say that "BIM thinks that the earth is flat." The systematic deviations of up to 100 cm/1 km in UTM coordinates currently occur because 3D planning software does not take the curvature of the earth into account. In the case of small-scale projects such as bridges, it makes sense to use local, three-dimensional coordinate systems. This reconciles geodetic requirements with the specialized view of architecture and civil engineering and the mathematical requirements of building informatics and CAD. It cannot be assumed that solid modelling in CAD/BIM software will in future use curved geodetic coordinates – such as the coordination referencing systems in ETRS89/UTM – in a mathematically correct manner. For this reason, the geodetic coordinates must be reshaped in such a way that the systematic deviation between 3D planning and surveying is minimised by the optimum definition of a coordinate reference system.
doi.org/10.53184/STA2-2025-2
Deutscher Straßen- und Verkehrskongress 2024 in Bonn, Teil 1
German Road and Transportation Congress 2024 in Bonn, Part 1
Dr.-Ing. M. Rohleder, Köln
Der Deutsche Straßen- und Verkehrskongress der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) wurde im Jahr 2024 mit mehr als 2.000 Teilnehmenden in Bonn veranstaltet – ein besonderer Kongress, da zeitgleich das 100. Jubiläum der FGSV gefeiert werden konnte. Bewährt begleitet wurde er von der Fachausstellung „Straßen und Verkehr 2024“, in der 173 Aussteller aller fachlichen Gewerke aus den Bereichen Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft ihr vielfältiges Leistungsspektrum präsentierten und über neue Entwicklungen informierten. Ergänzt wurde diese durch eine Sonderausstellung „100 Jahre FGSV – Wege in die Zukunft“. Nach der Eröffnung der Fachausstellung durch Herrn Dipl.-Ing. Ralf Schär, stellvertretender Vorsitzender der FGSV, und des Kongresses durch die ehemalige Vorsitzende, Frau Dir.‘in Dipl.-Ing. Elfriede Sauerwein-Braksiek, sowie durch den neu gewählten Vorsitzenden der FGSV, Herrn Dr.-Ing. Stefan Klotz, hielt Frau Staatssekretärin Susanne Henckel, Bundesministerium für Digitales und Verkehr, eine Ansprache. Es folgten Grußworte von Herrn Staatssekretär Viktor Haase, Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Frau Bürgermeisterin Nicole Unterseh, Bundesstadt Bonn sowie von Herrn Nazir Alli, Präsident des Welt-Straßenverbandes PIARC. Die insgesamt zehn Vortragsreihen deckten wieder das gesamte Fachgebiet mit vielen aktuellen Ausprägungen ab, erneut mit einem deutlichen Schwerpunkt auf den Bereichen Nachhaltigkeit und Klimaschutz, aber auch zu Digitalisierung und Innovationen. Zusammenfassend stellen die Themen auch einen Querschnitt aus der Gremienarbeit der FGSV dar, die darauf ausgerichtet ist, wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen in Technische Regelwerke und Wissensdokumente umzusetzen, hierbei auch den Forschungsbedarf zu konzipieren und den Stand der Technik zu verbreiten. Abgerundet wurde das Kongressprogramm durch einen Festvortrag zum Thema „7 Denkanstöße zu unserer Welt im Wandel“, gehalten von Frau Kristina zur Mühlen, TV-Journalistin und Physikerin, und ein abschließendes Jubiläumsforum. Hier präsentierten und diskutierten zur Frage „Was können wir in Zeiten des Wandels regeln?“ unter der Moderation von Prof. Dr. Christoph Walther (M-Five GmbH) vier Fachleute unter lebhafter Beteiligung des Publikums. Der Kongress 2024 umfasste drei Tage mit viel Raum für die Kommunikation und den Austausch vor, zwischen und nach den Fachvorträgen.
The German Road and Transportation Congress, hosted by the German Road and Transportation Research Association (FGSV) was held in October 2024 in Bonn with more than 2000 participants – a special congress because the 100th anniversary of the FGSV could be celebrated at the same time. Well-tried it was accompanied by the “Road and Transportation 2024” exhibition, where 173 exhibitors coming from economy, administration and research shew their wide range of business activities and informed about new developments. This was supplemented by a special exhibition “100 Years of FGSV – Paths into the Future”. Following the opening of the exhibition by Ralf Schär, deputy chairman of FGSV and the opening of the congress by Elfriede Sauerwein-Braksiek (former chairwoman of FGSV) and Stefan Klotz (newly elected chairman of FGSV) Susanne Henckel, Secretary of State in the Federal Ministry for Digital and Transport held a speech. She was succeeded by Viktor Haase, Secretary of State in the Ministry of the Environment, Nature and Transport of the State of North Rhine-Westphalia, Nicole Unterseh, mayor of the city of Bonn, and Nazir Alli, president oft he World Road Association PIARC. The total of ten lecture series covered the entire subject area with many current aspects, again with a clear focus on the areas of sustainability and climate protection, but also on digitalization and innovations. In summary, the topics also represent a cross-section of the committee work of the FGSV, which is aimed at translating scientific findings and practical experience into technical regulations and knowledge documents, while also conceptualizing research needs and disseminating the state of the art. The congress program was completed by a lecture “7 thought-provoking impulses on our changing world,” held by Kristina zur Mühlen, TV journalist and physicist, and a closing anniversary forum. Here, four experts presented and discussed the question “What can we regulate in times of change?” moderated by Christoph Walther (M-Five GmbH) with lively participation from the audience. The congress 2024 comprised three days, giving a lot of space for communication and exchange before, between and after the papers.
doi.org/10.53184/STA2-2025-3
Zur inneren Standsicherheit von Gabionen – Großversuche & Bemessungsansätze
On the internal stability of gabions — large-scale tests and design approaches
Dipl.-Ing. A. Herold, Weimar
Prof. Dr.-Ing. F. Heimbecher, Münster
Die Bemessung und Nachweisführung bei Gabionenkonstruktionen erfordert grundsätzlich im Grenzzustand der Tragfähigkeit (ULS) den Nachweis der „inneren" Standsicherheit. Was genau unter diesem Nachweis zu verstehen ist und wie dieser zu führen ist, wird sowohl in der Fachliteratur als auch in der Praxis unterschiedlich betrachtet. In Ermangelung zutreffender Berechnungsmodelle wird hier in der Praxis entweder der Nachweis nicht oder über Näherungsbetrachtungen ein mehr oder weniger zutreffender „Nachweis“ geführt [1]. Gemäß DIN EN 1997 ist ferner der Nachweis im Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit (SLS) für derartige Konstruktionen zu erbringen. Auch hier existieren bislang keine allgemein anerkannten Berechnungsansätze. Da es sich bei Gabionekonstruktionen um nachhaltige und wirtschaftliche sehr vorteilhafte Bauwerke handelt, rückt die Suche nach einer Bemessungskonzeption für die „innere Standsicherheit“ immer mehr in den Fokus. Auf der Basis von zahlreichen Großversuchen im Maßstab 1:1 wurden an den Versuchseinrichtungen der FH Münster das Verformungs- und das Tragverhalten von Gabionenkonstruktionen untersucht. Diese stellen die Basis für den ermittelten Ansatz einer realitätsnahen berechnungstechnischen Abbildung des Lastabtragungs- und Verformungsverhaltens einer Gabionenkonstruktion dar. Hierbei kommen unterschiedliche Methoden, wie DGM oder Grenzgleichgewichtsmethoden (Lower/Upper Bound) zum Einsatz. Aus den Ergebnissen wurde ein vereinfacher Bemessungsansatz für den Nachweis der inneren Standsicherheit im Grenzzustand der Tragfähigkeit und der Gebrauchstauglichkeit ULS/SLS für zukünftige Gabionenkonstruktionen entwickelt.
The design of gabion structures and the provision of verification in relation to them basically requires the verification of "internal" stability in the ultimate limit state (ULS). Exactly what form this verification takes and how it is to be provided is viewed differently in specialist literature and in practice. In the absence of accurate calculation models, either the verification is not provided or a more or less accurate "verification" is provided in the form of approximations (1). Moreover, in accordance with DIN EN 1997, verification in the serviceability limit state (SLS) for such structures must also be provided. Here too, there are so far no generally accepted calculation methods. Because gabion structures are sustainable and highly economical constructions, increasing attention is being paid to the search for a design concept for "inner stability". On the basis of numerous large-scale tests on a 1:1 scale, test facilities at FH Münster have examined the deformation and load-bearing behaviour of gabion structures. These form the basis for an approach to a realistic technical calculation model of the load transfer and deformation behaviour of a gabion structure. A variety of methods such or lower/upper bound methods were used. Using the results obtained, a simplified design approach for verifying internal stability in the ultimate limit state and the serviceability limit state (ULS/SLS) for future gabion structures was developed.
doi.org/10.53184/STA2-2025-4