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Das Stadtgeschwindigkeitskonzept der Landeshauptstadt Stuttgart: Standardisierte Empfehlung zur zulässigen Höchstgeschwindigkeit im innerstädtischen Hauptstraßennetz
Traffic speed management in the City of Stuttgart: Standardized recommendations for an inner-city speed limit along arterial roads
Prof. Dr.-Ing. W. Manz, S. Klein; J. Klinkhardt, Karlsruhe
S. Oehler; A, Hemmerich, Stuttgart
B. Horn, Berlin
Die Landeshauptstadt Stuttgart trat 2021 der Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“ bei. Im Rahmen der politischen Diskussion beschloss der Gemeinderat die Erstellung eines Stadtgeschwindigkeitskonzepts, das 2023 an die INOVAPLAN GmbH zusammen mit Dipl.-Ing. Burkhard Horn vergeben wurde. Ziel des Projekts war es, auf Basis eines multikriteriellen, datengestützten Ansatzes eine Systematik für die Empfehlung zulässiger Höchstgeschwindigkeiten im Hauptstraßennetz zu entwickeln. Hierfür wurden rund 360 km des Stuttgarter Hauptstraßennetzes nach städtebaulichen und verkehrlichen Merkmalen klassifiziert und untersucht. Zwölf relevante verkehrliche und städtebauliche Kriterien wurden in einem Punktesystem bewertet, das für jeden Streckenabschnitt eine empfohlene zulässige Höchstgeschwindigkeit ableitet. Die Bewertung ergibt auf etwa zwei Dritteln der Hauptstraßen eine Empfehlung für eine Reduzierung der heutigen zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Das Konzept erlaubt eine datengestützte und transparente Bewertung, dient als Grundlage für straßenverkehrsrechtliche Anordnungen und berücksichtigt bereits die neuen Vorgaben der StVO-Novelle. Insgesamt wurde ein auf andere Kommunen übertragbares, datenbasiertes Instrument entwickelt, um die Diskussion stadtverträglicher Höchstgeschwindigkeiten für innerörtliche Hauptstraßen fundiert zu unterstützen.
The City of Stuttgart joined the initiative for liveable cities through reasonable speeds (Ger: “Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten”) in 2021. Within this political discourse Stuttgart’s municipal council resolved to develop a traffic speed management strategy and awarded the project contract to INOVAPLAN GmbH and Dipl.-Ing. Burkhard Horn. The project aimed to develop and apply a multicriteria, data-driven classification and decision system to inform speed limits along urban arterials. Approximately 360 km of Stuttgart’s arterial road network were classified and then assessed across 12 criteria pertaining to urban form and transportation facilities. The assessment employed a scoring system for each criterium to determine a recommended speed limit for each road segment. Results recommend a reduction of posted speed limits for approximately two-thirds of evaluated road segments. This system allows data-driven, transparent assessments of speed limits, offers a foundation for redesignating street sections under statutory guidelines, and aligns with the newly amended German Road Traffic Regulations (“StVO-Novelle”). The results contribute a data-driven, transferable tool for municipalities that generates evidence-based support for the discussion of speed limits on inner-city arterials.
doi.org/10.53184/SVT1-2026-1
Literaturverzeichnis
Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e. V.: Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt), Ausgabe 2006, FGSV Verlag, Köln
Öffentlichen und privaten Parkraum zusammen denken – Annäherungen an ein integriertes Parkraummanagement in Wohnquartieren
Combining public and private parking spaces – Aproaches to integrated parking space management in residential areas
C. J. Hintz, M. Eng.; Prof. Dr.-Ing. V. Blees, Wiesbaden
Die angemessene Dimensionierung und Steuerung des Parkraumangebots in Wohnquartieren stellt Kommunen und Wohnungswirtschaft gleichermaßen vor erhebliche Herausforderungen. Ziel der vorliegenden Studie ist es, die angebots- und nachfrageseitige Parksituation in Wohnquartieren sowie ihre Auswirkungen auf die Parkraumnutzung zu erfassen, wobei private und öffentliche (Park-)Räume als interdependente Elemente eines Gesamtsystems verstanden werden. Dafür wird ein Mixed-Method-Ansatz verfolgt, der Erhebungen von Parkraumangebot und -nachfrage in 36 Wohnquartieren, räumliche Beobachtungen und GIS-gestützte Analysen verknüpft mit Befragungen von Wohnungsunternehmen bzw. -genossenschaften und Mieterinnen und Mieter. Die Ergebnisse zeigen eine ausgeprägte baulich-raumstrukturelle Heterogenität, die sich unmittelbar in der Verfügbarkeit und Nutzung des Parkraums niederschlägt. Parkflächen im Straßenraum bleiben weitgehend unbewirtschaftet und auch private Stellplätze sind zu einem substanziellen Teil frei zugänglich, was die geringe Zahlungsbereitschaft der Mieterinnen und Mieter weiter stützt. Es leitet sich die Notwendigkeit ab, öffentliche und private Parkräume stärker verzahnt zu planen und zu bewirtschaften. Hierfür erweist sich der eingeführte „Angebotsschlüssel“ als hilfreiche Kennziffer.
The appropriate dimensioning and management of parking space availability in residential areas poses considerable challenges for both local authorities and the housing industry. The aim of this study is to assess the supply and demand for parking in residential areas and its impact on parking space usage, whereby private and public (parking) spaces are understood as interdependent elements of one system. To this end, a mixed-method approach is being used, combining surveys of parking supply and demand in 36 residential areas, spatial observations, and GIS-supported analyses with surveys of housing companies, housing cooperatives, and tenants. The results reveal a pronounced heterogeneity in terms of building and spatial structure, which is directly reflected in the availability and use of parking space. Parking spaces on the street remain largely unmanaged, and a substantial proportion of private parking spaces are also freely accessible, which supports tenants' low willingness to pay. This points to the need for more integrated planning and management of public and private parking spaces. The “supply key” that has been introduced is proving to be a helpful indicator for this purpose.
doi.org/10.53184/SVT1-2026-2
Literaturverzeichnis
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B l e e s , V. (2021): Fehlnutzung des öffentlichen Straßenraums durch parkende Kraftfahrzeuge – Fallstudie am Beispiel Darmstadt-Arheilgen. Fachgruppe Mobilitätsmanagement an der Hochschule Rhein-Main (Hrsg.), Wiesbaden, http://dx.doi.org/10.25716/pur-30
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Niedersächsische Bauordnung (NBauO) vom 3. April 2012 (Nds. GVBl. S. 46), zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 18. Juni 2024 (Nds. GVBl. 2024 Nr. 51)
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P u h e , M.; B u r g e r, L.; H u p f e r, C.; R a l l , A. (2024): Quartiersgaragen als Lösung für die Parkproblematik in Bestandsquartieren? Internationales Verkehrswesen, 76(4). DOI: 10.24053/IV-2024-0057
S c h ä f e r, P.; L u x , K.; Wo l f , M.; H a g e n , T.; C e l e b i , K. (2019): Entwicklung von übertragbaren Erhebungsmethoden unter Berücksichtigung innovativer Technologien zur Parkraumdatengenerierung und Digitalisierung des Parkraums – ParkenDigital. Fachgruppe „Neue Mobilität“ der Frankfurt University of Applied Sciences (Hrsg.), Frankfurt am Main
S c h e i n e r, J.; F a u s t , N.; H e l m e r, J.; S t r a u b, M.; H o l z - R a u , C. (2020): What's that garage for? Private parking and on-street parking in a highdensity urban residential neighbourhood. In: Journal of Transport Geography 85 (102714). DOI: 10.1016/j.jtrangeo.2020.102714
S c h l e r i n g , C.; P a k a s a t h a n a n , Y. (2025): Eine systemische Analyse der Verfügbarkeit, Auslastung und des Mehrfachnutzungspotenzials nicht öffentlicher Stellplätze im Kölner Agnesviertel. ampido GmbH (Hrsg.), Köln
S p a r k s , M. (2025): Umparken – Karlsruher Südstadt. Abschlussveranstaltung UMPARKEN, Karlsruhe
Konstanz: Neue Wege in der Parkraumbewirtschaftung
Konstanz (D): New approaches to parking management
S. Fischer, Konstanz
J. Richard, Aachen
Die Parkraumbewirtschaftung bildet einen wesentlichen Baustein nicht nur des kommunalen Parkraummanagements, sondern auch zur Steuerung der Verkehrsmittelwahl für bestimmte Nutzergruppen und letztlich damit verbunden die Frage, wieviel Kfz-Verkehr vor allem in Innenstädten und innenstadtnahen Wohnbereichen verträglich ist. Hierzu gibt es keine Parkraumkonzepte „von der Stange“ – jede Stadt hat ihre individuellen Merkmale und Kennziffern, Planungs- und Mitwirkungsgewohnheiten, aber auch politische Kulturen. Konstanz will sich in den Kreis der Städte einreihen, die ihre Zentren weitgehend autofrei umbauen, um dem Fuß- und Radverkehr mehr Raum zu geben und die Aufenthalts- und Wohnqualität zu stärken. Ein entsprechendes Parkraummanagement soll die eingeleitete Mobilitätswende maßgeblich unterstützen. Die Parkraumkonzepte für die beiden Konstanzer Stadtteile Paradies und Petershausen-West gehen einen bisher selten begangenen Weg, den Zuschnitt der Parkraumbewirtschaftung aus einer kleinteiligen lokalen Straßenhierarchie abzuleiten und sich vom Prinzip des flächendeckend gemischten Parkens von Bewohnern und Besuchern abzuwenden, hin zu einem räumlich wie funktional differenzierten Einsatz dieser beiden Bewirtschaftungsformen.
Parking management is a key component not only of municipal parking policy, but also of shaping the travel choices for different user groups and, ultimately, determining the level of car traffic that can be considered sustainable in inner-city areas. There is no universal “off-the-shelf” solution: each city is defined by its own characteristics, key figures, planning and participation practices, as well as the political culture. Konstanz intends to join the ranks of cities that are reshaping their centers to be largely car-free by reallocating space to walking and cycling improving the quality of life. Parking management is designed to play a decisive role in advancing this transition in mobility. The parking strategies developed for the Konstanz districts of Paradies and Petershausen-West take an innovative approach: they derive the scope of parking management from a finely structured local street hierarchy and moving away from the principle of area-wide mixed-use parking for residents and visitors. Instead, they pursue a spatially and functionally differentiated application of these management models.
doi.org/10.53184/SVT1-2026-3
Neue Ansätze einer Straßengestaltung im Zuge einer klimagerechten Planung
New approaches to street design in the context of climate-friendly planning
Prof. Dipl.-Ing. R. Sachse, Düsseldorf
Trotz wissenschaftlicher Prognosen und technologischer Fortschritte ist der Verkehr nach wie vor einer der größten Verursacher von Treibhausgasemissionen in Deutschland. Eine klimagerechte Verkehrsplanung bietet die Chance, Städte nachhaltiger zu gestalten. Um klimaresiliente und lebenswerte urbane Räume zu schaffen, müssen ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden. Dies erfordert innovative Ansätze und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Beispiele aus dem Ausland und Pilotprojekte in Deutschland zeigen erste vielversprechende Ansätze. Anhand von zwei Best-Practice-Beispielen wird die Umsetzung einer nachhaltigen und klimagerechten Straßenplanung aufgezeigt. Beide Projekte setzen auf nachhaltige Planungsprinzipien wie grüne Infrastruktur, Bürgerbeteiligung und die Förderung alternativer Mobilitätsformen. Das Projekt Albersloher Weg in Münster-Gremmendorf zielt darauf ab, den Ortskern von Gremmendorf attraktiver und klimafreundlicher zu gestalten, ohne die Verkehrsleistung zu beeinträchtigen. Ein zentrales Element ist die Schaffung eines „Angers“, einer von Bäumen gesäumten Straße, die Aufenthaltsbereiche und eine bessere Verbindung zwischen den Straßenseiten bietet. Die Umgestaltung fördert den Fußgänger- und Radverkehr, verbessert die ökologische Qualität durch Baumpflanzungen und integriert blau-grüne Infrastruktur. Die Beteiligung der Anwohner und Gewerbetreibenden vor Ort hat das Projekt wirkungsvoll unterstützt. Stiftsplatz in Bonn: Der ehemalige Parkplatz wird in einen grünen Stadtplatz umgewandelt, der ökologische, soziale und ästhetische Funktionen erfüllt. Ein zentraler Pocketpark bietet Aufenthalts- und Aktivitätsmöglichkeiten, durch Entsiegelung, Förderung der Biodiversität und Wasserrückhaltung wird der Platz ökologisch aufgewertet. Der Platz fördert den Fuß- und Radverkehr und verbindet wichtige Nahziele, ohne die Funktionalität des motorisierten Individualverkehrs zu beeinträchtigen.
Der Beteiligungsprozess überzeugte die Bürger von den Vorteilen der Umgestaltung und sicherte eine breite Unterstützung. Abschließend wird aufgezeigt, wie die nachhaltige Verkehrsplanung Eingang in die aktuellen Regelwerke findet und damit den Planerinnen und Planern Instrumente an die Hand gegeben werden, um die Vision lebenswerter, klimafreundlicher und ökologisch wertvoller Straßenräume in gebaute Projekte umzusetzen.
Although progress has been made, transportation remains a major source of climatechanging emissions in Germany. Sustainable transportation
planning must combine environmental, economic, and social aspects in order to create climate-resilient and livable cities. Innovative projects show how sustainable road planning can succeed-through the integration of green infrastructure, citizen participation, and the promotion of alternative mobility. This proves that sustainable road space design is not in conflict with the smooth flow of motorized individual transport. The city of Münster plans to redesign Albersloher Weg in Münster-Gremmendorf. Without disrupting the flow of traffic, the road will be resealed by creating a "village green", enhancing the cityscape and upgrading the pedestrian and bicycle path connections. In Bonn, public participation ensured broad support for the conversion of a parking lot into a green city square. A packet park with recreational value is being created on Stiftsplatz, and a complex rainwater management system ensures that rainwater is infiltrated and reused. Sustainable traffic planning is increasingly being integrated into regulation, providing planners with tools for designing climate-friendly and livable street spaces.
doi.org/10.53184/SVT1-2026-4
Literaturverzeichnis
B e n d i k s , S.; D e g r o s , A.: Traffic space = public space: Ein Handbuch zur Transformation = Traffic space = public space: a handbook for transformation. Zurich: Park Books, 2019
FGSV: Ad-hoc-Arbeitspapier zur Anwendung der RASt 06. URL www.fgsv-verlag.de/ad-hocarbeitspapier-zur-anwendung-der-rast-06. – Aktualisierungsdatum: 16.9.2024 – Überprüfungsdatum: 16.9.2024
FGSV: E Klima 2022 – Empfehlungen zur Anwendung und Weiterentwicklung von FGSV-Veröffentlichungen im Bereich Verkehr zur Erreichung von
Klimaschutzzielen: Klimarelevante Vorgaben, Standards und Handlungsoptionen zur Berücksichtigung bei der Planung, dem Entwurf und dem Betrieb von Verkehrsangeboten und Verkehrsanlagen. Ausgabe 2022. FGSV Verlag, Köln: FGSV Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e. V., 2022 (FGSV R2 990)
FGSV: Empfehlungen für Anlagen des ruhenden Verkehrs: EAR 23. Ausgabe 2023. Köln: FGSV Verlag, 2023 (FGSV R2-Regelwerke 283)
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IPCC: Climate change: the 1990 and 1992 IPCC assessments: Overview and policymaker summaries and 1992 IPPC supplement. [Geneva], 1992 (IPCC first assessment report [Bd. 1], 1992 IPCC supplement)
Kraftfahrzeugbundesamt: Veröffentlichungskalender – Neuzulassungsbarometer – Mai 2024. URL www.kba.de/DE/Statistik/Kalender/NZL_
Baro_05_2024.html. – Aktualisierungsdatum: 16.9.2024 – Überprüfungsdatum: 16.9.2024
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Umweltbundesamt: Emissionen des Verkehrs. URL www.umweltbundesamt.de/daten/verkehr/emissionen-des-verkehrs. – Aktualisierungsdatum: 16.9.2024 – Überprüfungsdatum: 16.9.2024