Verkehrsmanagement

Deutschlandticket wirkt – Potenzial wird jedoch nicht ausgeschöpft

Evaluation Deutschlandticket 2024–2026 
Der dritte Zwischenbericht zur Evaluation des Deutschlandtickets 2024–2026 im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr liegt nun vor. Die Studie des Gutachterkonsortiums unter Leitung der infas – Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH trägt den Untertitel „Regionale Verbreitung, Nutzung, Potenziale, Wirkungen und Nachfrageveränderungen“ und basiert auf dem Arbeits- und Erhebungsstand bis Ende September 2025.

„Die Studie zeigt: Das Deutschlandticket wirkt. Es entlastet Bürgerinnen und Bürger, stärkt den öffentlichen Verkehr und reduziert CO₂-Emissionen. Gleichzeitig besteht weiteres Potenzial, zusätzliche Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen. Entscheidend sind Verlässlichkeit, ein attraktives Preisniveau und ein gutes Angebot. Bund und Länder haben die Finanzierung bis 2030 gesichert. Nun gilt es, die positiven Effekte weiter auszubauen.“
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder

Die seit Spätsommer 2024 laufende, bis 2027 angelegte Evaluation wird von einem Konsortium unter Leitung von infas gemeinsam mit dem Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr (RWTH Aachen), der TU Dresden sowie der Unternehmensberatung mobilité durchgeführt. Grundlage sind eigene qualitative und quantitative Primärerhebungen, Sekundäranalysen sowie verschiedene Statistiken zum Deutschlandticket.

Der Bericht bestätigt die breite Nutzung des Deutschlandtickets. Aktuell nutzen ca. 14,5 Mio. Menschen das Angebot, das entspricht etwa einem Fünftel der Bevölkerung. Die Nachfrage ist besonders in Metropolen hoch, zugleich spielt das Ticket auch in ländlicheren Räumen eine relevante Rolle. Zudem konnten Gelegenheitsnutzerinnen und -nutzer stärker an den öffentlichen Verkehr gebunden werden.

Die Gutachter sehen zusätzliches Potenzial von bis zu 5,8 Mio. weiteren Deutschlandtickets. Dieses könne insbesondere durch die Reaktivierung früherer Nutzerinnen und Nutzer sowie durch konsequentes Marketing erschlossen werden. Trotz einer im Jahr 2025 stagnierenden Nutzerbasis infolge von Preisdiskussionen wird eine signifikante Verlagerung vom privaten Pkw zum öffentlichen Verkehr festgestellt.

Damit verbunden sind positive Umweltwirkungen. Das Gutachterkonsortium schätzt die CO₂-Einsparung durch das Deutschlandticket auf ca. 2,5 Mio. t jährlich. Dies entspricht einer Reduktion der Emissionen des privaten Pkw-Verkehrs um etwa 3 %. Darüber hinaus zeigen erste Abschätzungen positive volkswirtschaftliche Effekte, die in der Summe über dem aktuellen Niveau der Ausgleichszahlungen von Bund und Ländern liegen.

Die Evaluation hebt zudem hervor, dass das Deutschlandticket die Mobilität insbesondere von Menschen mit geringerem Einkommen verbessert und die gesellschaftliche Teilhabe stärkt. Gleichzeitig wurde ein Digitalisierungsschub im Vertrieb beobachtet, bei dem weiterhin Entwicklungsbedarf besteht. Für den langfristigen Erfolg nennen die Gutachter insbesondere Verlässlichkeit, moderate Preisentwicklung, Angebotsqualität und aktive Vermarktung.

Kritik an den Ergebnissen der Studie gibt es allerdings vonseiten des VDV (Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e. V.). Dessen Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff kritisiert, dass die Evaluation des Deutschlandtickets überraschend und möglicherweise politisch motiviert veröffentlicht wurde und zentrale Ergebnisse aus Sicht der Branche unzutreffend seien, da kein zusätzlicher Kundenzuwachs erkennbar sei und das Angebot teils sogar reduziert wird. Zudem wird dem Bund vorgeworfen, notwendige Unterstützung und eine gemeinsame Marketingstrategie bisher vernachlässigt zu haben.

Weitere Informationen 
Bundesministerium für Verkehr
D-10115 Berlin
www.bmv.de

Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e. V. (VDV)
D-50672 Köln
www.vdv.de