Verkehrsmanagement
Dass zu viel Gewicht auf der Achse die Straßen und Brücken nachhaltig schädigt, ist seit Langem bekannt. Gegen diese Probleme wird nun auch proaktiv vorgegangen.
Auf der Autobahn A 4 zwischen Aachen und Köln wurde nach rund einem Jahr Bauzeit im Juli am Parkplatz Rur-Scholle (km 29,5) ein bundesweites Pilotprojekt zur Gewichtskontrolle von Lkw in Betrieb genommen. Dieser Standort wurde sehr bewusst ausgewählt, da von den Seehäfen Antwerpen und Rotterdam umfangreicher Lkw-Güterverkehr in die Bundesrepublik rollt. Mit Köln Eifeltor befindet sich zudem Deutschlands größter Container-Umschlagbahnhof in unmittelbarer Umgebung. Die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke (DTV) beträgt etwa 76.000 Kfz/Tag mit einem Schwerlastanteil von rund 12.000 Lkw/Tag.
Bild 2: Blick in den Kontrollcontainer der neuen Gewichts-Kontrollstelle für Lkw auf der A 4 bei Düren
Aus der Verkehrszentrale der Autobahn GmbH des Bundes in Leverkusen werden die LED-Wechselverkehrszeichen mit der StVO-Beschilderung geschaltet. Während der Messzeiten gilt ein Lkw-Überholverbot. Im fließenden Verkehr wird über vorgelagerte Achslastsensoren im Hauptfahrstreifen eine dynamische Verwiegung vorgenommen (Weigh-in-Motion-Anlage). Die Messschleifen dienen der Verkehrserfassung und detektieren die Fahrzeugklassen, Fahrzeugmengen und Geschwindigkeiten. Die Gewichtssensoren erfassen die Gesamtlast des Fahrzeugs sowie der einzelnen Achslasten bei Überfahrt im freien Verkehrsfluss. Gleichzeitig erfasst eine spezielle Kamera für optische Zeichenerkennung (ANPR – Automatic Number Plate Recognition) das Kennzeichen des Fahrzeugs. Auffällige Lkw werden mittels dieser kennzeichenbasierten Ausleittechnik und elektronischen Anzeigen gezielt auf den Rastplatz ausgeleitet. Der gesamte übrige Verkehr kann ohne jedwede Verzögerung weiterrollen. Personal braucht dafür im gefährlichen Verkehrsbereich nicht eingesetzt zu werden.
Bild 3: Lkw-Erfassung als Teil der Weigh-in-Motion-Anlage
Auf einer hochpräzisen Waage erfolgt eine langsame Überfahrt über eine Wiegespur mit genauer Kontrolle des Gesamtgewichts und der einzelnen Achsen. In einem Kontrollcontainer erfolgt die Bewertung der Messergebnisse durch die Kontrollkräfte des BALM und die Ausstellung des Wiegescheins. Das dokumentierte Wiegeergebnis ist gerichtsfest. Bei Verstößen gegen die StVO erfolgen die entsprechenden Sanktionen. In einem Nachkontrollbereich können gefahrenpräventive Maßnahmen, wie Ab- oder Umladung der Fahrzeuge, erfolgen.
Das Bundesamt für Logistik und Mobilität führt die Kontrollen durch. Die Autobahn GmbH plant, baut und betreibt die technischen Anlagen. Die Gewichts-Kontrollstelle an der A 4 ist die erste von insgesamt 16 Anlagen, die in den nächsten Jahren deutschlandweit errichtet werden. Obwohl der Anteil der Schiene beim Güterverkehr steigt, ist davon auszugehen, dass auch der Lkw-Verkehr auf Straßen und Autobahnen bis zur Mitte des Jahrhunderts um weitere 50 % steigen wird. Bei bisherigen manuellen Kontrollen konnten pro Stunde ca. drei Lkw abgefertigt werden. Eine erhebliche Steigerung wird angestrebt.
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Frank G. Buchhold
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