Verkehrssicherheit

Höchstmögliche Brücken-Nutzungsdauer gewährleisten

Im Rahmen eines Parlamentarischen Arbeitstreffens stellte der Bundesverband Verkehrssicherheitstechnik e. V. am 1.12.2025 in Berlin die Idee der „Predictive Maintenance und Restnutzungsdauerverlängerung von Brücken durch Verkehrsteuerungssysteme“ Mitgliedern des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestags vor.

Als Impulsvortrag erläuterte Prof. Dr. André Bresges, Universität zu Köln, zunächst noch einmal die Schädigung in und an Brücken durch Lasten und Lastwechsel. Dabei warb er stark für eine Abkehr vom bisherigen Prinzip reaktiver Erhaltungsmaßnahmen hin zum Grundprinzip der Predictive Maintenance, bei der Schädigungspotenziale durch Sensorik im laufenden Betrieb rechtzeitig erkannt werden und Maßnahmen wie Geschwindigkeitsbegrenzung, Abstandsvergrößerung oder auch die automatisierte Leitung des Schwerlastverkehrs über die Brücke ergriffen werden, sodass sich eine möglichst gleichmäßige Belastung einstellt. Ziel ist es dabei, Folgeschäden zu vermeiden und Brücken dabei um ein Vielfaches länger nutzen zu können. 

Uwe Urban, T-Systems, erläuterte die bereits heute zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten im laufenden Verkehr im Brückenvorfeld zur Geschwindigkeits-, Abstands- und Gewichtsmessung, da diese drei Faktoren für die Lebensdauer einer Brücke die wesentlichen sind. Der Blick auf österreichische und schweizerische Autobahnen zeige, so Urban, dass diese Systeme effektiv und EU-Datenschutz-konform im Einsatz seien. Mit entsprechenden Messdaten könnten dort über Wechselverkehrszeichen sofort verkehrssteuernde Maßnahmen ergriffen werden, die Überlastungen stark abmilderten. 

In zukünftigen Ausbaustufen könnten intelligente Infrastruktursensoren zum Einsatz kommen, um digitale Zwillinge des Schwerlastverkehrs zu erzeugen. Auf Basis dieser digitalen Zwillinge wären detaillierte Bewegungsinformationen ableitbar, beispielsweise spurgenaue Pendelbewegungen. Dies könnte in Kombination mit im Brückenbauwerk installierten Drucksensoren geschehen, um eine robuste Gewichtsmessung des Schwerverkehrs zu ermöglichen. Gegebenenfalls könnten zusätzlich optische, KI-gestützte Verfahren zum Einsatz kommen. Mithilfe dieser Daten wäre eine automatisierte Analyse des aktuellen Zustands der Brücke möglich.

Bild 2: Schematischer Aufbau des proaktiven Verbundmesssystems

Auf Basis der gesammelten Daten könnten den Verkehrsmanagement-Zentralen bedarfsgerechte Wartungsmaßnahmen vollautomatisch vorgeschlagen werden. Dadurch wäre eine proaktive Instandhaltung möglich, wodurch das Aufkommen von groß angelegten Instandhaltungsmaßnahmen und den damit verbundenen Verkehrsstörungen reduziert werden könnte. 

Für den BVST stehen insbesondere die über 2.500 Brücken mit der Zustandsnote „mangelhaft” im Fokus, um angesichts dieser großen Anzahl durch Ausnutzung aller Möglichkeiten zur Verlängerung der Restnutzungsdauer eine sinnvolle Priorisierung zu ermöglichen. Doch auch für alle anderen Brückenbauwerke lohnt sich eine entsprechende Ausrüstung, um Erhaltungsmittel dann einzusetzen, wenn es am effektivsten ist, bevor sich aus kleineren Mängeln Folgeschäden ergeben.

Die mit Predictive-Maintenance-Systemen im Feld gewonnenen Daten und Erkenntnisse wären zudem von unschätzbarem Wert für zukünftige Neubauprojekte. Sie könnten eine sich stetig verbessernde Grundlage für die Planung neuer Brückenbauwerke darstellen. Diese wären von Anfang an auf maximale Effizienz und Langlebigkeit ausgelegt und würden einen essenziellen Bestandteil einer nachhaltigen, effizienten sowie krisenfesten Verkehrsinfrastruktur für Europa bilden.

Weitere Informationen
Bundesverband Verkehrssicherheitstechnik e. V.
D-10117 Berlin
www.bvst-berlin.de