Verkehrsmanagement
Bestehende Brückenbauwerke und Tunnel sind aufgrund ihres Alters oder nachgerüsteter Tunneltechnik besonders zu schützende Infrastrukturobjekte. Jegliche verkehrliche Einschränkung durch teilweise oder vollständige Sperrung des Verkehrswegs bei der Auslösung von Sicherheitstechnologien sowie bei Erhaltung, Sanierung oder Neubau hat weitreichende verkehrliche Auswirkungen im Netz. Vorhöhenkontrollen können den Verkehr rechtzeitig vor den zu schützenden Bauwerken effektiv detektieren. Nach erfolgter Detektion werden entweder Umleitungen angeboten oder der Verkehr mittels Verkehrstechnik daran gehindert, in den zu schützenden Verkehrsbereich einzufahren. Damit werden Schäden am Bauwerk und am Fahrzeug selbst vermieden.
Deutschlands umfangreichste mobile Vorhöhenkontrolle
Eine der umfangreichsten mobilen Höhenkontrollen befindet sich an der A 96 an den Tunneln Etterschlag und Eching. Die stationäre Höhenkontrolle löste nach Sanierung und Einbau von weiterer Sicherheitstechnik in Spitzenzeiten bis zu zwanzigmal im Monat aus. Grund dafür sind u. a. Großgeräte gewesen, die nicht eingeklappt waren, flatternde Lkw-Planen und nicht angemeldete Großtransporte, deren Ladung deutlich über den zugelassenen 4 m Höhe lagen. Das Auslösen der stationären Höhenkontrolle führte zu einer Vollsperrung der hochfrequentierten Autobahn für alle Verkehre, was lange Staus und Verzögerungen zur Folge hatte. Die Lösung bestand darin, an allen Auffahrten der unmittelbaren Anschlussstellen, Vorhöhenkontrollen und Separierungen mittels Lichtsignalanlagen einzurichten. Außerdem wurde pro Fahrtrichtung auf der Hauptfahrbahn eine Vorhöhenkontrolle vor den jeweiligen Tunneln konzipiert, die mittels LED-Anzeigen den überhohen Verkehr am letzten Entscheidungspunkt ableitet. Zusätzlich wurde ein kombiniertes System aus stationärer und temporärer Verkehrstelematik für die Freigabe von Pkw im Falle der Vollsperrung in die Tunnelsteuerung integriert.
Funktionsweise der Vorhöhenkontrollen
Im Fall der A 96 gibt es zwei verschiedene Arten von Vorhöhenkontrollen.
Variante 1: Die errichteten Vorhöhenkontrollen erfassen zu hohe Fahrzeuge mittels zwei hintereinander angeordneter Lichtschranken auf der Hauptfahrbahn der BAB. Löst die Anlage aus, werden die Lkw-Fahrer durch Wechselverkehrszeichen auf das zu hohe Fahrzeug hingewiesen und durch weitere LED-Signalisierungen zur Abfahrt von der Autobahn aufgefordert. Im untergeordneten Netz ist eine Umleitung ausgeschildert, die die Fahrzeuge wieder nach dem zweiten Tunnel der jeweiligen Fahrrichtung auf die BAB leitet.
Variante 2: Die Vorhöhenkontrollen befinden sich direkt im Auffahrtsbereich der BAB. Danach gibt es keine Möglichkeit zur Ausleitung mehr und ein Auslösen der stationären Höhenkontrolle und die damit verbundene Vollsperrung würde zwangsläufig erfolgen. Löst die Lichtschranke aus (1), passiert das Folgende: Die LSA schaltet auf „Rot“ (2), ein Hinweis auf der LED-Tafel erscheint, dass das Fahrzeug zu hoch ist, und der Fahrer wird zum Anhalten aufgefordert. Die Leitstelle/Polizei wird über das Auslösen der Anlage informiert und kann sich mittels der verbauten Kamera ein erstes Bild von der Lage verschaffen (5). Durch eine manuelle Schaltung der LED-Tafeln kann der Kraftfahrer durch Polizei/Leitstelle aufgefordert werden, auf die Aufstellfläche zu fahren (4). Im Anschluss kann die Polizei die notwendigen Maßnahmen ergreifen, z. B. die Sperrung der Auffahrt, um Lkw auszuleiten, und setzt nach erfolgreichem Abschluss der Maßnahme die Anlage manuell zurück.
Für den Fall, dass der Kraftverkehr alle Hinweise ignoriert und dennoch die stationäre Höhenkontrolle auslöst, kann die situationsabhängige manuelle Schaltung „Pkw-Freigabe“ auf der Kombination aus stationärer und in die Leitzentrale integrierter temporärer Verkehrstelematik durch die Operatoren der Tunnelleitzentrale ausgelöst werden. Über die Anzeigen auf den stationären und temporären Wechselverkehrszeichen erhalten die Lkw ein Überholverbot und verbleiben damit auf dem rechten Fahrstreifen.
Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Im Mittel lag die Erfolgsquote der mobilen Vorhöhenkontrolle bei durchschnittlich 87 %. Das bedeutet, die mobile Vorhöhenkontrolle „filtert“ durchschnittlich 87 % der zu hohen Fahrzeuge aus. Dadurch konnte die Anzahl der Auslösungen der stationären Höhenkontrollen um 73 % gesenkt werden. Damit sind Vorhöhenkontrollen ein verlässliches Mittel, um die Infrastruktur zu schützen und komplette Sperrungen für alle Verkehre zu vermeiden.
Weitere Informationen
B.A.S. Verkehrstechnik AG
D-04129 Leipzig
www.bas.de